Cool muss es sein und Spaß machen

Thu, 03 Nov 2016 16:03:00 GMT von

The Baseballs gefallen vielen, auch unserem Konzertscout. Erst beschäftigte sie sich mit dem aktuellen Album des Trios und durfte die Band dann vor einigen Wochen in München selber treffen.

Bereits im September durften wir eine Plattenkritik unserer Konzertscoutin bei uns veröffentlichen. Am 01.10. spielten The Baseballs in der Muffathalle in München, Stücke aus ihrem neuen Album "Hit Me Baby". Dreimal dürft ihr raten, wer diese Gelegenheit nutzte, um mit Digger, Basti und Sam zu sprechen. Wir danken Jasmin Roder für ihre spannenden Fragen, den Jungs für ihre ausführlichen Antworten und zeigen euch nun worüber sie sich unterhalten haben.

Jasmin: Habt ihr mal eine Challenge gemacht wer am schnellsten die Tolle hinbekommt?

Digger: Wir haben schon ein Paar Challenges gemacht, aber die noch nicht. 

Basti: Das ist auch unfair, weil wir ja alle sehr unterschiedliche Tollen haben und man das sozusagen nicht wirklich vergleichen kann.

Jasmin: Wer braucht denn am Längsten? Sam? 

Sam: Ja. Ich muss zugeben, dass ich länger im Badezimmer brauche als die anderen Jungs.

Jasmin: Was habt ihr denn dann für Challenges gemacht? 

Digger: 2010 fing das an, dass irgendwie alle Länder gleichzeitig zum Festivalsommer angefragt haben. Wir hatten glaube ich insgesamt vier Tage wo wir uns nicht gesehen haben. Sonst waren wir nur gemeinsam unterwegs und haben, um unseren Alltag lustiger zu gestalten, uns immer Sachen ausgedacht, die wir zum Teil auch mitgefilmt haben. In der Schweiz zum Beispiel: Wer kann am Schnellsten die Löcher eines Schweizer Käses mit Silikon füllen?

Basti: Wir hätten so gerne einen Edamer gehabt. (grinst) 

Jasmin: Und wer hat gewonnen? 

Digger: Basti hat gewonnen.

Basti: Ich hab beim Löcher-Stopfen gewonnen. (lacht)

Sam: Oh man(n), ey. (seufzt)

Digger: Eine andere Challenge war: Wer kann mit verschiedensten Körperteilen in einem Cadillac hupen?

Basti: Oder: Wer kann sich in einer riesigen Luftpolsterfolie einwickeln?

Sam: Die Challenges haben eigentlich nie wirklich Sinn gemacht.

Jasmin: Das kann man doch so nicht sagen. Der Sinn war es doch Spaß zu haben! 

Sam: Ok. Das stimmt, ja. 
Jasmin: Wenn man euch auf der Bühne sieht, tanzt und bewegt ihr euch ja alle sehr gut. Habt ihr jemals einen Tanzkurs gemacht? 

Sam: Selbst diesen ganz normalen Tanzkurs hat glaube ich keiner von uns gemacht.

Basti: Nee, da hatte ich mit 15/16 Jahren auch gar kein Bock drauf.

Sam: Ich glaube in unserem Alter haben alle, oder fast alle, so einen Tanzkurs mitgemacht. Ich fand das immer so ein bisschen strange. Das hat sich ehrlich gesagt für mich immer so ein bisschen wie eine Sekte angefühlt.

Basti: Das Problem ist ja auch: Du lernst zwar Tanzschritte, aber nicht den richtigen Rhythmus und nicht unbedingt das Taktgefühl. Wenn du überhaupt kein Körpergefühl hast, dann kannst du vielleicht den richtigen Schritt machen, aber es sieht trotzdem kacke aus.

Sam: Vielleicht waren wir alle auch einfach auf der Suche nach Ausreden um nicht mitmachen zu müssen. Weil wir uns einfach blöd vorgekommen sind. Wir hatten wahrscheinlich eher damit ein Problem, als dass es uncool war. Im Nachhinein wäre es vielleicht mal ganz schön gewesen. Meine Verwandtschaft kommt aus Slowenien und da ist ja Polka tanzen sehr wichtig. Meine Oma musste mir die Schritte zeigen als mein Bruder in Slowenien geheiratet hat. Ich stand mit meiner Oma in der Küche, sie hat mich geführt. Und meine Oma geht mir bis zur Brust, wenn überhaupt.

Jasmin: Das hat bestimmt ein herrliches Bild abgegeben. 

Sam: Ja, sah bestimmt sehr lustig aus.

Digger: Wenn du Trauzeuge oder so etwas bist, musst du ja auch irgendwie immer mal mittanzen. Ich wehre mich da auch gerne gegen. 

Jasmin: Aber solange ihr euch auf der Bühne so bewegt wie ihr es nun mal tut, ist ja alles gut.

Sam: Das kommt auch eher von innen heraus, dass wir so unsere Hüften schwingen lassen. Wir denken nicht viel darüber nach. Manchmal sieht es ganz ok aus, aber manchmal vielleicht auch ein wenig komisch. Letzten Endes haben wir aber ja Spaß dabei.

Jasmin: Auf eurem aktuellen Album "Hit Me Baby..." setzt ihr wieder auf Cover. Wie funktioniert so etwas? Ruft ihr da den Schreiber der Songs von Britney etc. an und sagt: "Hey. Wie sieht‘s aus?"

Basti: Nein. Man ruft bzw. mailt den Verlag an. Das macht dann unser Management. Zum Glück haben in den 90er fast immer die gleichen Leute die Songs geschrieben und es gibt auch nur eine sehr überschaubare Menge an großen Verlagen. Die schreibt man dann an. Es gab auch Verlage die gesagt haben: "Nö. Da machen wir keine Freigabe!" Lustiger Weise kam von R. Kelly die Freigabe, ich glaube erst zwei Wochen vor Tourbeginn. Also als die Platte schon draußen war. Wir hatten es aber auch noch nie, dass sich jemand beschwert hat. Wir nehmen uns nicht ernst, aber wir nehmen ernst was wir machen. Ich glaube die Leute merken, dass wir uns über die Songs nicht lustig machen, sondern einfach einen anderen Turn reingeben.

Jasmin: Da darf man doch bestimmt eine ordentliche Stange Geld für hinlegen, oder? 

Basti: Jein. Wenn wir ein Konzert spielen oder eine CD verkaufen bezahlen wir GEMA. Das Geld geht dann an die Urheber. Da kriegen wir dann nichts von. Insofern zahlen wir indirekt dafür. 

Jasmin: Was haltet ihr denn von der GEMA? 

Basti: Bei aller Detailkritik, aber dass grundsätzlich urheberrechtliche Leistungen vergütet werden müssen, ist absolut gerechtfertigt. Über den Verteilungsschlüssel in Deutschland kann man sicherlich diskutieren, aber an sich ist das eine wichtige Institution. Es gibt Leute die leben davon Songs zu schreiben und die würde es sonst nicht mehr geben. Es würden eine Menge Songs verloren gehen, wenn man dafür kein Geld mehr bekommt. Zum Bäcker würde ja auch keiner gehen und das Brötchen umsonst haben wollen. Das Problem heutzutage ist tatsächlich, dass der Wert der Musik ein wenig verloren gegangen ist. Es ist ein wenig inflationär geworden durch das Streaming. Irgendjemand hat auf Twitter mal geschrieben: "Ach! Die covern ja nur. Da ist mir die Karte aber zu teuer für!" Wo ich dachte: Ok. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Theoretisch müssten wir die Karte ja teurer machen, weil wir die GEMA ja nicht bekommen. Viele sehen nur den absoluten Preis, der auf dem Ticket steht. 

Digger: Klar sagen wir jetzt: "Äh. Spotify = doof. Da verdienen wir ja nichts." Ich benutze auch Deezer und bin froh mir mal einen Song anhören zu können, ohne gleich die ganze Platte kaufen zu müssen. Ich finde es auch in Ordnung. Aber der Wert der entsteht, den wir jeden Abend erleben dürfen, wenn wir Konzerte geben, ist ein anderer. Wenn ich jetzt Musik wertig erleben will, gucke ich mir ein Livekonzert an. Das wirst du niemals ersetzten können.

Egal ob du eine DVD produzierst oder ein 360 Grad Video machst. Alles schön und gut, aber es wird niemals das Erlebnis sein, was du live hast. Das ist der Wert, der mehr und mehr steigt. Natürlich waren wir am Anfang, nach zwei Jahren kreativer Schaffenspause, gespannt ob wir jetzt noch Tickets verkaufen oder nicht. Als wir dann in den ersten Wochen der Verkäufe waren und gesehen haben, dass die Leute immer noch Bock haben, das war für uns natürlich auch wieder echt ein Zeichen, dass es da draußen doch noch Menschen gibt die wissen was wertige Musik ist. 

Basti: Ich nutze auch ab und zu Spotify, aber wirklich nur wenn ich in Sachen mal kurz reinhören will. Wenn ich es dann aber wirklich gut finde, dann kaufe ich es mir auch.

Sam: Aber sieht du: Selbst da haben sich bei uns die Hörgewohnheiten dementsprechend geändert. Früher hast du ein Lied toll gefunden und dir das Album dann einfach gekauft. Oder die Single. Ich bin auch noch so einer: Wenn ich ein Album toll finde lade ich es mir entweder wirklich bei iTunes runter oder, wenn ich es wirklich richtig toll finde, laufe ich auch in den Laden und hole mir die CD. Ich brauch das Booklet, ich muss da was aufmachen können, die CD in der Hand halten. 

Jasmin: Rollenverteilung untereinander: Es ist ja oft so, dass jeder für etwas zuständig ist. Social Media/Kosten etc.. Ist das bei euch auch so?

Sam: Basti ist für alles zuständig. Wir anderen sind halt für das musikalische da. (lacht) 

Basti: Digger macht zum Beispiel ziemlich viel im Bereich Bühnenbau, Bühnenbild. Viel ist selber gebaut und das Bühnenbild selbst entwickelt. Zusammen mit unserem Licht-Mann. Ich mache ein bisschen den Geschäftsführer. Wir haben natürlich ein Management, aber wir arbeiten sehr eng zusammen. Ich gucke über die Zahlen drüber. Sehr sexy Aufgabe. Social Media haben wir uns so ein bisschen aufgeteilt, weil es mittlerweile so viele verschiedene Kanäle sind. Sam ist unser, wie wir immer sagen "Director of First Impresssions". 

Jasmin: Mit wem muss ich denn jetzt flirten, dass mein Interview auf Facebook gepostet wird? (grinst)

Sam: Facebook ist Basti.

Jasmin:(Verbaler Versuch meinerseits Basti zu umgarnen - daraufhin entstand folgendes Gespräch) 

Digger: Ich habe vor kurzem mit unserem Gitarristen darüber gesprochen, dass es eigentlich viel effektiver ist, wenn man in der Disko Kontakte knüpfen möchte, wenn man so komplett auf Arschloch macht. Das hat tatsächlich früher bei mir auch ein paar Mal geklappt. Wenn ich gesagt habe: "Hau mal ab. Ich will mir ein Bier bestellen!" Dann war die Dame natürlich erst mal angepisst und hat mich dann den Rest des Abends angeguckt, bis ich dann irgendwann mal nett zur ihr war. Ich habe das jetzt nicht dauernd gemacht, aber wenn ich es gemacht habe, auch nicht weil ich es wollte, sondern weil ich einen schlechten Tag hatte. Dann hat es funktioniert. Wenn man das als Mann beurteilen kann, ist übrigens unser Saxophonist Nico echt niedlich. 

Jasmin: Niedlich? Keine Frau möchte einen Mann der niedlich ist! Ist er heiß oder ist er nicht heiß?

Digger: Ich glaube viele Frauen finden ihn wohl heiß.

Basti: Aber das kommt über die Ausstrahlung. 

Digger: Er hat eine sehr sehr liebe Ausstrahlung, aber ich kann mir vorstellen das viele Frauen dann sagen: "Nee, zu lieb!" 

Jasmin: Habt ihr bei den Songs auf der Platte gewisse Situationen die ihr mit einzelnen Liedern verbindet? Besonders würde mich das ja bei "Let’s Talk About Sex" interessieren.

Sam: Da hat Basti wirklich eine Story zu erzählen.

Basti: Aber nicht zu "Let’s Talk About Sex"!

Sam: Nicht? Was war es dann nochmal?

Basti: "The Sign". Es geht darum, dass ich mir mit meiner Schwester ein Zimmer teilen musste bis ich 13 Jahre alt war und sie war ziemlicher Ace of Base Fan. Dadurch kann ich die Songs von denen bis heute in und auswendig. Ob ich will oder nicht. Bei "The Sign" habe ich bei den Aufnahmen dann festgestellt, dass ich zum einen den Text kann ohne nachzugucken und zum anderen jeden Schlenker kannte, den die da irgendwie gesungen haben. Weil es damals einfach in der Dauerschleife lief. Meine Schwester ist älter als ich, weshalb sie bestimmt hat, was für Musik läuft. "Let’s Talk About Sex" war es zum Glück nicht. (lacht) 

Jasmin: Hattet ihr denn schon Sex bei dem Lied? 

Basti: Im Original wäre das echt stressig.

Sam: Das wäre echt....Also...

Basti: Es gibt ja wirklich so Leute die so Sex-Playlists haben.

Digger: Kennst du den Song "Boléro"? Ein klassischer Song. Der dauert 17 Minuten und beschreibt eigentlich musikalisch den Geschlechtsakt zwischen Mann und Frau. Das ist eigentlich ganz lustig, weil es wirklich, wenn du weißt, um was es geht (wir haben das damals in der Schule durchgenommen), sehr erregend ist.

Basti: Aber 17 Minuten musst du erstmal durchhalten.

Digger: Bei dem Song hast du dann auch wirklich Kopfkino

Jasmin: Habt ihr sonst irgendwelche Erlebnisse, die ihr mit den Songs und eurer Jugendzeit verbindet?

Digger: Das coole an den Songs, die aus den 90er kommen ist eigentlich, dass du nicht nur die Musik im Ohr hast sondern sie kommen alle aus einer Zeit wo Musikfernsehen noch extrem wichtig war. Viva etc.. Wir hatten damals die Charts von Viva. Ich habe sogar immer im Videotext nachgeschaut was gerade auf Platz 1 und sowas ist. Was echt wichtig war. Natürlich hast du bei "Hit Me Baby One More Time" gleich die Schuluniform im Kopf oder bei "Back For Good" den Cadillac. Das sind Bilder die man früher mitbekommen hat. Das passt auch wieder zur Wertigkeit. Man hat Musik damals ganz anders konsumiert.

Wir haben zum Beispiel heute Mittag über den neuen Song von Robbie Williams gesprochen. "Party Like A Russian". Das war das erste Musikvideo seit Jahren, neben unserem, wo ich mal wieder dachte, das könnte in die VIVA Zeit passen. Weil es wirklich so ein richtiges Musikvideo ist. Mit Tänzern, mit Performance, mit allem Pipapo. Heute hast du entweder nur noch Performance oder irgendeine Story. Dass die Musik wirklich visuell zelebriert wird, hast du ja früher gehabt. Das war bei Britney Spears auch so. Die hat in der Schuluniform gesungen, saß in der Schule, hat Aufgaben gelöst. 

Sam: Das coole war ja, dass jeder diese Videos damals kannte. Nicht wie jetzt. Jetzt wird ein Video was toll ist über Whats App etc. verbreitet und wird so ein Hit. Dann spricht jeder darüber. Aber die restlichen Videos kennt keiner. Da sind bestimmt viele Videos dabei, die ziemlich gut sind. Das finde ich echt schade. Dennoch müssen wir dem Internet echt dankbar sein. Über "Umbrella" und unserem Video hat das Ganze irgendwie ja so richtig angefangen. 

Jasmin: Ich habe das damals bei der Castingshow Popstars gesehen. 

Basti: Wir haben glaube ich durch Popstars auch mehr Platten verkauft als die Sieger am Ende.

Digger: Das ist eh strange, wenn du mal guckst was eigentlich so funktioniert im Fernsehen. Als wir im "Mauerwerk" bei GZSZ waren, hast du am nächsten Tag sofort gesehen was auf iTunes etc. los war. Wir legen es ja nicht darauf an. Klar, wir haben die Plattenfirma im Rücken und freuen uns natürlich, dass wir es irgendwie schaffen Kanäle zu finden um an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber grundsätzlich kümmern wir uns erstmal um den kreativen Part. Machen das was wir am besten können: Musik live auf der Bühne und wir versuchen es auch irgendwie im Studio aufzunehmen.

Am Ende gibt es einfach Verträge wo drin steht: Hier, ihr müsst jetzt mal fünf Fernsehshows im Jahr machen. Bei GZSZ denkst du natürlich erstmal so "Ey, Alter! Was soll das denn?". Siehst hinterher dann aber "Oh. Da will ich wohl wieder mal hin."

Jasmin: "Like A Champion" finde ich persönlich am besten. Konnte aber einfach nicht rausfinden von wem der ursprünglich kommt.

Digger: Wenn wir Songs einsingen haben wir immer den Songtext vor uns liegen. Das war in der Tat der erste Song seit 10 Jahren, wo unser verehrter Basti seinen Namen ganz stolz oben in die Ecke geschrieben hat als Autor. 

Basti: Ist ein eigener Song, wo aber natürlich mehrere Menschen dran mitgewirkt haben. 

Jasmin: Nächstes Jahr 10 Jähriges Bandjubiläum! Was erwartet uns? 

Basti: Da sind wir tatsächlich gerade am Überlegen was wir machen. 10 Jahre feiert man natürlich nicht alle Tage. Vor allem nicht in der heutigen Zeit. Es schaffen ja viele nicht mal die 10 Jahre! Deswegen wollen wir nicht einfach nur so eine Best-Of-Platte raushauen, sondern uns schon etwas einfallen lassen. Wir sind noch in den ersten Ideen, weil die ganze Fokussierung im Moment auf der Tour lag. 



1 Kommentare

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Maxi3111
16. Dezember, 10:45 Uhr
von Maxi3111

:D

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