erhältlich ab
11.11.2016
Genre
  • Rock/Pop
  • Rock
Studio
Rhino
Vertrieb
Warner
Laufzeit
00:00 h
Untertitel
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FSK
ohne Altersbeschränkung
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Legende in Leder

Sicher gibt es sachliche Gründe, warum die Band, die sie ehrfürchtig The Band nannten, die beste ihrer Zeit war. Einer Ära, die immerhin die goldene des Rock'n'Roll war. Man könnte feststellen, dass die ehemalige Begleitband Bob Dylans erstmals Rock, Country und Blues zu einem fiebrigen Ganzen verschmolz und auf diese Weise amerikanische Roots Music in den Pop-Zirkus einführte. Besser wäre es jedoch, den Theorie-Quatsch wegzulassen und einfach Levon Helm oder Rick Danko dabei zuzusehen, wie sie "The Night They Drove Old Dixie Down" oder "It Makes No Difference" singen. Danach bleiben in Sachen Intensität keine Fragen mehr offen. 40 Jahre nach dem legendären Abschiedskonzert von The Band kommt das mythische Ereignis namens "The Last Waltz" nun in verschiedenen Sonder-Editionen neu heraus.

Als das stundenlange Konzert von The Band mit Gästen wie Bob Dylan, Neil Young, Eric Clapton, Muddy Waters, Van Morrison und Joni Mitchell um 21 Uhr im Winterland Ballroom zu San Francisco begann, hatten die 5.000 Gäste schon ein Truthahnessen an Festtafeln sowie ein Tanz-Event zum klassischen Orchester in den Knochen. Es waren die 70-er - und da lebte man üppig, passioniert und mitunter auch grenzenlos. Der 25. November 1976 sollte das Abschiedskonzert nach "16 years on the road" werden, wie Gitarrist Robbie Robertson fassungslos über das Verfliegen der Zeit vor Martin Scorseses Kamera erzählt. Robertson, einer von zwei bis heute Überlebenden der Band, war während dieser Aufnahmen 33 Jahre alt.

In kurzen Interview-Ausschnitten zwischen den Songs erzählt er, wie viele große Musiker "die Straße" schon dem Leben fortgenommen hätte: Otis Redding, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Elvis - die Namen sind bekannt. Tatsächlich konzentrierte sich Robertson, der tatsächlich nie mehr zu diversen Comeback-Versuchen von The Band zurückkehrte, nach dem Produzieren des neben "Woodstock" wohl legendärsten aller Konzertfilme, auf ein ruhigeres Leben hinter den Kulissen. Unter anderem produzierte er mehrere Soundtracks für Scorsese und andere Filmemacher. Sein mitreißend verschwenderisches Gitarrenspiel für The Band sah man im erst 1978 erschienen Film "The Last Waltz" zum letzten Mal.

Zum 40. Geburtstag von "The Last Waltz" gibt es nun noch einmal vier (!) Versionen des Events für gehobene Ansprüche. Neben einem 2-CD-Set mit neuem Mastering interessieren vor allem jene Gebinde, die den Film mit der Musik zusammenbringen. So erscheint ein gesamter Audiomitschnitt des Konzerts auf vier CDs plus Blu-ray Disc. Diese Version ist auch mit sechs LPs auf schwerem 180-Gramm-Vinyl erhältlich.

Für Fan-Spezialisten dürfte jedoch eine auf 2.500 Stück limitierte Version interessant sein, die am 9. Dezember in rotem Kunstleder gebunden erschien. Die "Collector's Edition" enthält neben dem kompletten Audiomitschnitt des Mammutkonzertes und der Blu-ray Disc des Originalfilms auch eine zweite mit selten gezeigten Interviews Robertsons und Scorseses aus dem Jahr 1990, dazu eine Fotogalerie und einen 5.1.-Audiomix des Originalalbums.

Das gereichte 300-seitige "Booklet" gibt eine vollständige Replikation des Shooting Scripts von Scorsese wieder, dazu bislang nie gezeigte Fotos, aufklappbare Storyboards, neue Texte zum Konzert und ähnlichen Sammler-Wahnsinn. Der 2012 verstorbene Sänger und Schlagzeuger Levon Helm schrieb in seiner 1993 erschienen Autobiografie, "The Last Waltz" wäre einer der größten Band-Rip-Offs in der Geschichte des Rock'n'Rolls gewesen. Außer Robertson hätte kein einziges Bandmitglied jemals Geld für diesen Meilenstein des Konzertfilms erhalten.

Auch das eine Geschichte, die in die 70-er passt. "The Last Waltz" war auch das Abschiedskonzert jener Rock-Ära, die sich hier mit den Granden ihrer Zeit verabschiedet. Punk und New Wave standen vor der Tür.

Eric Leimann
teleschau | der mediendienst

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