AWOLNATION - Run
erhältlich ab
13.03.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Indie-Rock
Label
Red Bull Records
Vertrieb
Sony
Laufzeit
00:55:20
Redaktion
Eure Bewertung

Wer braucht schon eine Zielgruppe?

Gefühlvolles Gesäusel und unbändiges Gebrüll. Radiotaugliche Melodien und brachiale Beats. Akustikgitarren, die das Ohr umschmeicheln, und verzerrte Synthie-Attacken, die es reizen. - Der Sound von Awolnation ist eigentlich viel zu diffus, als dass man sich für ihn eine echte Zielgruppe vorstellen könnte. Doch der Erfolg gibt der US-Band recht: Das erste Studioalbum, "Megalithic Symphony" (2011), avancierte mit der Super-Single "Sail" zum Riesenerfolg, erlangte Gold-Status und hielt sich 146 (!) Wochen in den amerikanischen "Independent Album Charts". Nun veröffentlichen Awolnation ihren zweiten Langspieler: "Run". Musikalisch wieder ein heilloses Durcheinander zwischen Rock, Pop, Electro, Punk und Industrial. Aber eben ein Durcheinander, das Spaß macht.

Auf dem Papier mag Awolnation eine Band sein, tatsächlich handelt es sich aber um das Projekt eines einzelnen Mannes, der konsequent seine persönliche künstlerische Vision umsetzt: Aaron Bruno, früher Sänger bei Under The Influence Of Giants, schreibt die Musik, er spielt sie ein und produziert sie, nicht ganz unähnlich Kollegen wie Prince oder Trent Reznor (Nine Inch Nails). Damit keine falschen Hoffnungen aufkommen: Einem Vergleich mit besagten Do-It-Yourself-Größen hielte Awolnation mit "Run" nicht stand. Doch Bruno hat Talent, und das zeigt er.

Sein neues Album, im sonnigen Kalifornien entstanden, ist geprägt von einem permanenten Wechsel zwischen ruhigen, einfühlsamen Balladen und flotten bis getriebenen Up-Tempo-Tracks. Einige Songs - vor allem "Hollow Moon (Bad Wolf)" und "KOOKSEVERYWHERE!!!" - haben Hitpotenzial, die meisten setzen sich direkt im Gehör fest, und alle offenbaren, dass Bruno im Herzen doch ein Pop-Musiker ist. Und: Die einzelnen Nummern verbrauchen sich weniger schnell, als es noch bei "Megalithic Symphony" der Fall war.

Wenn nur etwas mehr Innovation und Charakter in der Musik steckten, wenn Bruno sich hier und da nur etwas weiter aus dem Fenster gelehnt hätte, wäre aus diesem ordentlichen Album möglicherweise ein wirklich gutes geworden. Beim nächsten Mal vielleicht. Wer sich nicht um Genregrenzen schert und Alternativen zum Alltags-Pop sucht, sollte diesen interessanten Künstler jedenfalls dringend im Auge behalten.

John Fasnaugh
teleschau | der mediendienst

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