Ahzumjot - Nix mehr egal
erhältlich ab
22.08.2014
Genre
  • Hip Hop/Rap
  • Rap
Label
Vertigo
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:48:24
Redaktion
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Rettung erwünscht

"Neue Reimgeneration" nannte Deutsch-Rap-Papst Falk Schacht seine Interview-Runde aus frischen Emporkömmlingen Ende 2011. Cro gehörte dazu, Olson und Rockstah. Auch Ahzumjot durfte damals mitdiskutieren. Zum Beispiel darüber, was ihn und seine Kollegen von den vorherrschenden Bushidos und Sidos unterscheide - was außer den deutlich engeren Hosen? Das Interview war der endgültige Startschuss für einen Hype, den bisher nur Cro kommerziell für sich nutzen konnte. Mit "Nix mehr egal" bringt sich nun auch Ahzumjot in Stellung.

Nicht wenige sahen in Schachts Auswahl die Rettung des deutschen HipHops. Im Fahrwasser von Casper und Marteria, mutmaßte der Experte in seiner Web-Show "Mixery Raw Deluxe", würden die neuen Gesichter die Szene bald gehörig aufmischen. Deutsch-Rap ganz ohne Gangster-Gehabe - ein seltenes Vergnügen seinerzeit. Ahzumjot rappt tatsächlich über einen anderen Alltag als Haftbefehl, Fler und Kollegen. Zwischenmenschliches spielt da immer wieder eine Rolle, das eigene Befinden ("Es ist gut wie es ist"), Kindheitstraumata ("Vier Minuten") und die Blicke auf die eigene Generation ("Für Immer", "Schlaraffenland") dürfen auch nicht fehlen. Die Texte sind abwechslungsreich, unpeinlich, intelligent.

Unterstützung bei der Produktion erfuhr der 25-Jährige von Tomte-Bassist Nikolai Potthoff, der bisher die Emo-Punker Muff Potter oder Soul-Pop-Sängerin Leslie Clio in Szene setzte. Etwas ungewöhnlich also, doch die musikalische Vielseitigkeit Potthoffs kommt dem Werk durchaus zu Gute. Er mischt das ein oder andere Mal wohlklingend Gitarren, Pianos oder Streicher unter die Drums und Bassläufe, ohne dass die Songs zu sehr nach Caspers Indie- oder Sidos Pop-Rap klingen. Auch aus dieser Sicht ist "Nix mehr egal" nichts vorzuwerfen.

Doch ganz ohne Manko geht es selten. Bei Ahzumjot ist es sein Vortrag: Der Flow des Wahl-Berliners ist teilweise holprig und hakelig. Seine variantenreichen Betonungen sind einige Male unglücklich gewählt und stören beim Zuhören der sonst so sympathisch rauchig-warmen Stimme. Beim ersten, vollkommen in Eigenregie produzierten Album "Monty" (2011) durfte man dahinter noch fehlende Erfahrung und Souveränität vermuten. Drei Jahre und mehrere Live-Tourneen später wirkt sein Duktus allerdings noch immer etwas angestrengt. So fehlt Ahzumjot als Mitglied der "neuen Reimgeneration" noch einiges, um die erwünschte Rettung des Deutsch-Raps zu sein. Eine Bereicherung der Szene ist er aber allemal.

Max Trompeter
teleschau | der mediendienst

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