Baroness - Purple
erhältlich ab
18.12.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Stoner-Rock
Label
Vertigo Berlin/VEC
Vertrieb
Universal Music
Laufzeit
00:42:30
Redaktion
Eure Bewertung

Violett: Kraft

Das Farbrädchen dreht sich weiter. Nach "Red", "Blue" und dem gefeierten Doppelalbum "Yellow & Green" veröffentlichen Baroness "Purple". Wer die Rockszene halbwegs aufmerksam verfolgt, weiß allerdings, dass dieser vierte Langspieler der US-Metaller nicht nur nach einer weiteren Farbe benannt ist, sondern eine besondere Vorgeschichte hat: Es ist das erste Album seit dem folgenschweren Verkehrsunfall der Band vor gut drei Jahren.

Im August 2012 stürzte die Band mit ihrem Tourbus in England auf regennasser Fahrbahn neun Meter tief von einer Brücke. Matt Maggioni (Bass) und Allen Blickle (Schlagzeug) erlitten Frakturen an der Wirbelsäule, beide traten wenige Monate nach dem Unfall aus der Band aus. Frontmann John Baizley (Artworks, Gesang, Gitarre) brach sich ein Bein und einen Arm, das Gitarrenspiel musste er infolge eines Nervenschadens quasi völlig neu erlernen. Doch stellte er schon früh klar: Es wird weitergehen mit Baroness.

Nun ist also das mit Spannung erwartete vierte Album da. Hört man darauf eine in irgendeiner Weise geschwächte Band? Nein! "Purple" ist eine echte Wucht und zementiert Baroness' Status als eine der besten Rockgruppen der Gegenwart. Dabei wird einmal mehr deutlich, dass es sich hier im Grunde um eine Ein-Mann-Band handelt, denn trotz neuer Besetzung (Sebastian Thomson am Schlagzeug und Bassist Nick Jost) hat sich am Sound von Baroness wenig geändert.

Mehr denn je wird die Mischung aus Prog-Metal, Sludge, Southern und Stoner Rock von John Baizleys Gesang und seinem Gitarrenspiel getragen. Was Fans der ersten beiden Alben freuen wird: Die auf "Yellow & Green" angedeuteten Stadionrock-Allüren wurden bei "Purple" wieder ein Stück weit zurückgefahren, um stattdessen wieder mit etwas mehr Härte zu Werke zu gehen. "Morningstar" ist eines dieser herrlich trockenen Bretter, "Desperation Burns" mit seinem scharfkantigen Riffing ein anderes. Aber: alles in moderater Dosis. "Purple" ist mehr als jedes frühere Baroness-Album eines, das sich durch Ausgewogenheit und Facettenreichtum auszeichnet.

Auf den angenehm kompakten 42 Minuten finden sich brachiale Momente ebenso wie melodiöse Passagen, paaren sich Schlichtheit und Pathos. Man hört verspielte elektronische Ornamente, bekommt stilsicher platzierte Stil- und Stimmungswechsel, erfreut sich an dem eigentümlichen Design des Gitarrensounds und hier und da auch mal an einem Solo. Am Ende ergibt sich ein Album, mit dem Baroness ihre ungebrochene Stärke präsentieren - passend zur Farbsymbolik: Violett steht unter anderem für Kraft.

John Fasnaugh
teleschau | der mediendienst

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