Björk - Vulnicura
erhältlich ab
13.03.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Art-Pop
Label
Embassy of Music
Vertrieb
Warner
Laufzeit
00:58:37
Redaktion
Eure Bewertung

Heilende Wunden

Auf "Vulnicura" verarbeitet Björk das Ende ihrer Beziehung mit US-Medienkünstler Matthew Barney. Nach dem letzten Gesamtkunstwerk und Multimedia-App-Projekt "Biophilia" (2011) fällt das Ergebnis dabei fast bodenständig aus: Die isländische Ausnahmekünstlerin verpackt die Trennung von ihrem Partner in neun Songs, die für ihre Begriffe recht schnörkellos daherkommen. Hilfe holte sie sich dafür unter anderem beim Produzenten Arca aus Venezuela und dem britischen Musiker The Haxan Cloak.

Künstlerisch war die wundersame wie wandelbare Björk Guðmundsdóttir schon immer mehr in ganz eigenen kreativen Sphären als im klassischen Pop-Kontext zuhause. Und auch ihr achtes Album (welches frühzeitig ins Internet geleakt ist und deswegen zwei Monate früher als geplant als Download erschien) besitzt natürlich nicht etwa eine neu entdeckte Eingängigkeit. Nein, auf "Vulnicura" spinnt Björk erneut zu sphärisch-dahinblubbernden Streicher- und Geräusch-Arrangements zuverlässig ihre langgezogenen, klagenden und gehauchten Gesangsfäden.

Doch das Ende der langjährigen Beziehung mit dem Künstler Matthew Barney (mit dem sie auch ein gemeinsames Kind hat) scheint die Isländerin zu fokussiertem Arbeiten ermutigt zu haben. Obwohl der Titel ein zusammengesetztes Kunstwort aus den lateinischen Begriffen "Vulnus" (Wunde) und "Curare" (heilen) ist, umfasst er ziemlich genau den enthaltenen Spannungsbogen. Textlich teilt sich das Album über neun Songs in drei gleiche Teile auf. Die Zeit vor der Trennung, die Zeit nach der Trennung und schließlich ein komplexes Finale, dass die Abnabelung hinter sich lässt und neue Hoffnung erweckt. Musikalisch wird dies durchaus auch unterstrichen: Die Stimmung wechselt von verträumter Leichtigkeit zu düsterer Verzweiflung bis hin zu hoffnungsvollem Mut.

Auch die Texte sprechen diesmal eine klare Sprache, so wie Björks eigentümlicher Gesangsduktus dem Album wie immer einen unnachahmlichen Wiedererkennungswert beschert. Anthony Hegarty (Antony and the Johnsons) taucht erneut als Björks Duettpartner auf. Er verleiht dem typischen Björk-Sound in "Atom Dance" einen dezenten Farbakzent, der sich zwischen den komplex arrangierten Streicher-Arrangements, flirrenden Beats und immer wieder aus dem Nichts auftauchenden Geräuschen und kleinen Störfrequenzen ein klein wenig Raum erarbeiten darf.

Oberflächlich betrachtet ist "Vulnicura" ein typisches Björk-Album, unter der Oberfläche aber ein tieftrauriges Liebesalbum. Es zeigt eine fokussierte Künstlerin, die sich bei aller Klarheit weiterhin keineswegs an den konventionellen Pop anschmiegt.

Klaas Tigchelaar
teleschau | der mediendienst

0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn