Daft Punk - Random Access Memories
erhältlich ab
17.05.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Disco/Elektro/Pop
Label
Columbia
Vertrieb
Sony
Laufzeit
01:14:33
Redaktion
Eure Bewertung

Irren ist menschlich

"Random Access Memories" ist zum Scheitern verurteilt. Schließlich sind die Erwartungshaltungen riesig. Und Daft Punk sind selbst schuld daran: Selten zuvor wurde ein Album so sehr zum Ereignis hochstilisiert, wurde über Monate hinweg Spannung aufgebaut, das Internet stetig mit clever platzierten Andeutungen, Newsfetzen und Videos überflutet. Alle sprachen über das französische Elektro-Duo und ihr viertes reguläres Album - lange bevor mit "Get Lucky" die erste Single veröffentlicht wurde. Ein Marketing-Coup, keine Frage. Aber einer, der eben auch auf nicht weniger als ein Meisterwerk hoffen ließ. "Random Access Memories" macht denn auch keinen Hehl aus seinen überbordenden Ansprüchen, um ihnen dann aber nicht ganz gerecht zu werden. Daft Punk scheitern - das aber mit Stil und Würde.

Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo, die beiden Franzosen unter den Roboterhelmen, gehen über die volle Distanz: 13 Tracks, 74 Minuten Spieldauer. Über die Strecke begleiten sie unter anderem Chic-Gitarrist und Produzent Nile Rodgers, Disco-Papst Giorgio Moroder, House-Legende Todd Edwards, Strokes-Frontmann Julian Casablancas, das kanadischen Multitalent Chilly Gonzales und nicht zuletzt Pharrell Williams (N.E.R.D., Neptunes). Dazu erfahrene Session-Musiker, die bereits bei Klassikern wie Michael Jacksons "Thriller" oder "Brothers In Arms" von den Dire Straits mitwirkten.

Kurzum: "Random Access Memories" ist ein Marathon, eine - auch hörbare - Materialschlacht. Ein organisches Album, für das fast ausschließlich analoge Instrumente verwendet wurden. Es ist Musik, die nicht aus dem Laptop kommt. Daft Punk wagen den ganz großen Wurf und wollen nicht weniger als der seelenlos gewordenen elektronischen Tanzmusik wieder menschliches Leben einhauchen.

Nicht umsonst beginnt das Album mit dem programmatischen, von einer Vocoderstimme gesungenen "Give Life Back To Music" - wie das fabelhafte "Get Lucky" eine ultra-geschmeidige 70er-Jahre-Disco-Hymne, die dank Nile Rodgers' lässig-leichthändiger Funk-Gitarre knapp einen halben Meter über der Tanzfläche schwebt. Ähnliches gelingt Daft Punk auch mit dem fast baugleichen "Lose Yourself To Dance" (feat. Pharrell), das aber durch Handclaps geerdet wird.

"Random Access Memories" verklärt aber nicht nur Disco, sondern auch Soft-Pop (das überkitschige Vocoderstimmen-Piano-Stück "Within"), 80er-Jahre-Rock ("Instant Crush" mit Strokes-Mann Casablancas) und Prog-Exzesse (das über Sci-Fi-Hörspiel "Touch"). Aber das Album erklärt auch die Möglichkeiten elektronischer Tanzmusik. Das neunminütige "Giorgio By Moroder", in dem die Disco-Legende zunächst aus ihrem Leben erzählt, ist eine Lehrstunde: Nach dem Baukastenprinzip werden im Halbminutentakt Streicher hinzugefügt oder weggelassen, setzen Schlagzeug, Bass und Synthie-Melodie jeweils zeitweise aus, um später umso eindrucksvoller zurückzukehren.

Zugegeben: Das ist beeindruckend. "Random Access Memories" überwältigt aber - aufgrund einiger Überlängen und Überflüssigkeiten - nicht immer, sondern überfordert teilweise. Oder um es mit einer, von Daft Punk selbst erwähnten Referenz zu sagen: Pink Floyds "Dark Side Of The Moon" mag zwar Pate gestanden haben, in seiner (Über-)Komplexität erinnert das Album eher an deren Doppel-Album "The Wall". Aber der Größenwahnsinn trägt hier freundliche Züge, das Scheitern an den eigenen Maßstäben ist bereits miteinkalkuliert. Auch Roboter sind eben nur Menschen.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 Give Life Back to Music Give Life Back to Music
2 The Game of Love The Game of Love
3 Giorgio by Moroder Giorgio by Moroder
4 Within Within
5 Instant Crush Instant Crush (Übersetzung)
Instant Crush
6 Lose Yourself to Dance Lose Yourself to Dance
7 Touch
8 Get Lucky Get Lucky
9 Beyond Beyond
10 Motherboard
11 Fragments of Time Fragments of Time
12 Doin’ It Right Doin’ It Right
13 Contact Contact

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