Enrique Iglesias - Sex And Love
erhältlich ab
04.07.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Republic Records
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:52:23
Redaktion
Eure Bewertung

Schweiß und Schmalz

Wozu lügen: Die meisten Menschen werden nicht durch komplexe Gefühle oder feinsinnige Gedankengänge angetrieben, sondern durch die plattesten Urinstinkte. Dieser Erkenntnis hat sich auch Enrique Iglesias angeschlossen und nennt seinen zehnten Langspieler dementsprechend schlicht "Sex + Love". Der Name ist Programm: Die 15 Tracks, die hier versammelt sind, widmen sich ausschließlich den verschiedenen Spielarten des menschlichen Trieblebens. Auch die Songs selbst sind nicht eben von Subtilität geprägt; das Spektrum reicht von ungenierten Partyhymnen bis hin zu unverschämten Schmalznummern. Leider überschreitet Iglesias dabei ein bisschen zu oft die Linie zwischen direkt und dumpf.

Der Opener "I'm A Freak" gibt den Ton für das Album vor: Ein energisch gut gelaunter Dance-Track voller alberner Elektro-Effekte und mit einem gewohnt proletigen Gastauftritt von Iglesias-Kumpan Pitbull. Dass man am Ende der billigen Kirmesnummer tatsächlich ein bisschen mit den Füßen wackeln kann, erfüllt gleichermaßen mit Erstaunen und Selbsthass. Auch "I Like How It Feels" kocht einen mit kleinen Hinhörern wie dem gepfiffenen Refrain so lange weich, bis man wohl oder übel ein bisschen Spaß an der Nummer hat.

Der größte Teil der Dance-Tracks allerdings ermöglicht es dem Partyvolk zwar mit Standardbeats und generischen Melodien ein bisschen mit den Hüften zu wackeln, macht dabei aber nicht überdurchschnittlich viel Spaß. Interessante Nummern sind spärlich gesät auf dem Album und entstehen meistens aus Duetten: In "Beautiful" mit Kylie Minogue etwa wird heftiges Autotune mit einer Klavierballade zu einem erstaunlich funktionstüchtigen Stück gemischt. Und "Physical", bei dem Iglesias von Jennifer Lopez unterstützt wird, ist zwar bei weitem kein großer Wurf, aber immerhin harmonieren die beiden Latino-Stars hier ganz hübsch miteinander.

Wirklich gut gelungen sind - wieder mal - nur die spanischsprachigen Songs des Albums. Die gute Laune in "Bailando" etwa wirkt authentischer als in den restlichen Partykrachern. In "El Perdedor" holt Iglesias sich mit Marco Antonio Solís einen weiteren Schmachtexperten für die ultimative Schmalznummer an die Seite. Und in "Loco" bringt Duettpartnerin India Martinez nicht nur echtes Gefühl mit in den Song, sondern zieht auch noch Iglesias mit - ein echtes Highlight des Albums.

Leider allerdings sind die beiden letztgenannten Nummern auch erst im letzten Drittel des Albums zu finden. Ob viele Hörer angesichts des plattproduzierten Plastikpops, der das Album größtenteils beherrscht, bis dahin wirklich durchhalten, ist eher fraglich.

Sabine Metzger
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Heart Attack Heart Attack
I'm a Freak I'm a Freak
Bailando Bailando
El Perdedor El Perdedor
El Perdedor (Übersetzung)

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