Gary Barlow - Since I Saw You Last
erhältlich ab
21.02.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Polydor - UMI
Vertrieb
Universal
Laufzeit
01:02:00
Redaktion
Eure Bewertung

Totgesagte leben länger

Vor 14 Jahren war Take-That-Sänger Gary Barlow am Boden. Er hatte gerade sein zweites Soloalbum "Twelve Months, Eleven Days" veröffentlicht, das sich als Totalflop entpuppte. Rivale Robbie Williams erlebte indes dank seines Hits "Angels" ein erstes Karrierehoch. Dabei war es das Songwriter-Talent Barlow, dem man nach dem Ende von Take That den erfolgreichen Alleingang am ehesten zugetraut hatte. Stattdessen wurde der Brite depressiv, dick und lustlos. Und wäre es vielleicht heute noch, hätte sich der Wind für ihn nicht um 180 Grad gedreht: "Since I Saw You Last", der Titel seines neuen Soloalbums, spielt darauf an.

Denn seit der Schmach von damals feierten Take That - erst ohne und dann mit Robbie Williams - riesige Erfolge. Zudem zählt Barlow in Großbritannien inzwischen zur Pop-Royalty: als respektierter Pop-Liedschreiber, Talent-Show-Juror ("The X Factor") und Wohltäter (etwa für "Children In Need"). 2012 wurde er auch deshalb von der Queen mit dem "Order Of The British Empire" geehrt. Dass er zu Recht dort steht, wo er heute ist, beweist er mit seinem Solowerk, auf dem er feine Popmelodien aneinanderreiht.

Wer jedoch ein reines Balladenwerk erwartet - seit dem Klassiker "Back For Good" von 1995 eigentlich Barlows Paradedisziplin - der irrt. Der Sänger vereint auf seinem dritten Album gleich mehrere Stile. Eröffnet wird das Werk von einem "Requiem", das auch den Beatles gut gestanden hätte. Mit der ersten Single "Let Me Go" präsentiert er Folk-Pop, der an James Blunts "Bonfire Heart" und Mumford & Sons erinnert. Beim Song "Dying Inside" klingt Barlow indes wie ein Indie-Popstar, der sich den Schmerz von der Seele jault.

Das tut der 43-Jährige übrigens tatsächlich, denn das Stück behandelt die Totgeburt seiner Tochter Poppy vor eineinhalb Jahren. Barlow musste eine Woche später mit Take That bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London auftreten. Im Song gibt er einen Einblick in seine damalige Gemütsverfassung: "I'm breathing but I can't feel life / I'm smiling but I'm dying inside". Ganz sicher der ungewöhnlichste Song, den Barlow jemals aufgenommen hat.

Natürlich gibt es trotzdem reichlich Liedgut, das ihn im direkten Vergleich zu Robbie Williams als Langweiler enttarnt. Wenn er beispielsweise in "Small Town Girls" ganz gefällig über das erfüllte Leben in der Kleinstadt schwadroniert, ist alles auf heile Welt gebürstet. Aber niemand kann ihm sein tolles Gespür absprechen für Refrains, die im Ohr bleiben.

Das zeigt sich auf bei den zwei Songs, für die er hochkarätige Kollaborationspartner verpflichtete: Mit seinem Vorbild Sir Elton John singt er das flotte "Face To Face" im Duett. Und auch Take-That-Kumpel Robbie Williams stand ihm bei: Er schrieb mit ihm das ironische "Requiem", obwohl der Nachruf natürlich viel zu früh kommt. Denn wie heißt es so schön? Totgesagte leben länger. Im Falle von Barlow sollte das Sprichwort Recht behalten. In Großbritannien, wo "Since I Saw You Last" bereits im November erschien, wurde das Album mit Doppel-Platin ausgezeichnet.

Katja Schwemmers
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Requiem Requiem
Jump
God
Small Town Girls
6th Avenue
We Like To Love
Since I Saw You Last Since I Saw You Last
This House
Dying Inside
More Than Life
Face To Face

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