Helene Fischer - Weihnachten
erhältlich ab
13.11.0015
Genre
  • Rock/Pop
  • Weihnachtslieder
Label
Jean Frankfurter/ Polydor
Vertrieb
Universal
Laufzeit
01:59:02
Redaktion
Eure Bewertung

So soll es immer sein

Die Christmesse ist vorüber, alles stapft durch den Schnee zurück in die feuerholzgewärmten Stuben. Eine Weihnachtspyramide dreht sich und schenkt dem Raum ein wenig Licht, die Kerzen auf der lamettabehangenen Nordmanntanne komplettieren die romantisch-melancholisch-schummrige Atmosphäre. Die Buben tragen ihren feinsten roten Pullunder auf, der blonde Schopf ist zum Seitenscheitel gebändigt, die Mädchen im Kleidchen und mit geflochtenen Zöpfen - mit strahlenden Äuglein, die Bescherung kaum abwartend. Durch den Raum fleucht seit Stunden der Geruch des Gänsebratens, nach dem Tischgebet werden dazu Blaukraut und Klöße gereicht. Und dann, ja dann, wird das neue Helene-Fischer-Album "Weihnachten" aufgelegt. So oder so ähnlich stellen sich die Schlager-Königin und ihr Team das vor. Zumindest liegt der Verdacht nahe, wenn man sich die Doppel-CD zu Gemüte führt.

Seit Oktober 2013 steht "Farbenspiel" nun in den Charts, und es wird allem Anschein nach auch dieses Jahr das meistverkaufte Album des Jahres sein. Doch dieser ewig anhaltende Absatzwahn wird sich irgendwann erledigt haben. Hier wünscht man sich nichts mehr, dort feiert man ungeniert und ohne vorgehaltener Hand seine große deutsche Schlager-Pop-Sensation.

Dass die Kirmes-Beats der Platte nicht unbedingt zum Weihnachtsfest des bedachteren Teils ihrer Anhänger passt, hat man im Helene-Lager nun zwei Jahre beobachten können. Doch genauso lange habe man auch in die Vorbereitungen zu "Weihnachten" und den dazugehörigen Pomp-Konzerten im Festsaal der Wiener Hofburg gesteckt, von denen ein Zusammenschnitt am 3. Dezember im Ersten ausgestrahlt wird und am Tag darauf auf DVD erscheint.

Dort gab es insgesamt 35 Lieder zu hören, zweigeteilt in ein deutsches und ein englisches Set. Dem gleich kommt nun die Musiksammlung daher: Tonträger eins ist mit "Stille Nacht", "Lasst uns froh und munter sein" und "O Tannenbaum" klassisch bestückt. Auf der zweiten Hälfte befinden sich dann die Anglo-Kracher wie "Rudolph The Red-Nosed Reindeer", "Little Drummer Boy" und "We Wish You A Merry Christmas". Hier wird nichts ausgelassen, so viel ist sicher. Und die Abermillionen Helene-Fans können wählen, wie sie ihr Weihnachten begehen wollen.

So und so empfiehlt die 31-Jährige ein ultra-traditionelles Fest. Nicht einmal die englischen Interpretationen verlassen ein altbacken-konservatives Korsett. So wird sogar "Last Christmas" (mit Ricky Martin - weitere Gäste sind etwa Xavier Naidoo und der wiederbelebte Frank Sinatra) zum grauslichsten Schmalzstück. "Santa Claus Is Coming To Town" mit seinen fein platzierten Bläsern plus Flügel ist da schon der schwungvollste Song der Platte. "Feliz Navidad" kommt natürlich nicht ohne Latino-Grüße aus. Sonst wurde das gebuchte Royal Philharmonic Orchestra in den Londoner Abbey Road Studios nicht wirklich gefordert. Dass man sein Handwerk beherrscht, darüber muss keine Zeile verschwendet werden.

Auch Helene Fischer hat ihre Gesellenprüfung längst abgelegt. Auch wenn sie selbst bei allen netten Gesten und Grinsereien oft dann doch kühl alt wirkt, gleichzeitig es ihrer Stimme etwas an Wärme mangelt: Helene Fischer kann singen, daran zweifelt niemand. Nur beweist sie das allzu vehement über 35 Lieder hinweg. Gerade bei den deutschen Klassikern zerrt ihr Sopran ein ums andere Mal am Nervensystem. Die Immer-Perfekte will eben ein perfektes Weihnachtsfest feiern und lässt kein Stück Platz für einen nur im geringsten Maß als unkonventionell auslegbaren Schöpfergeist. Die Gefahr ist nur: Gehört dieses Weihnachten die Aufmerksamkeit noch Gänsebraten und Geschenken oder nur noch dem fehlerfreien Schlagerdarling?

Max Trompeter
teleschau | der mediendienst

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