Imagine Dragons - Evolve
erhältlich ab
23.06.2017
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Interscope
Vertrieb
Universal
Laufzeit
Redaktion
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Weniger ist mehr

Wer auf die 30 zugeht, erreicht ein magisches Alter. Es ist die Phase, während der das Leben plötzlich ernst zu werden scheint und man wirklich erwachsen werden muss. Gleichzeitig aber auch ein Zeitpunkt, an dem viele in sich hineinhören und auf Sinnsuche gehen. So geschehen bei Dan Reynolds. Mit seiner Band Imagine Dragons legte der Amerikaner eine Karriere wie im Zeitraffer hin: Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 hat die Gruppe stolze neun Millionen Alben verkauft, für den Song "Radioactive" bekamen sie 2014 sogar einen Grammy. Nach dem großen Hype und mit dem nahenden 30. Geburtstag (14. Juli) im Blick verordnete Reynolds sich und seinen Mitmusikern eine Auszeit. Zum Innehalten und Zurückblicken. Nun melden sich Imagine Dragons mit ihrem dritten Album "Evolve" zurück. Natürlich: Der Titel ist eine Anspielung auf die Entwicklung, die die Band zuletzt vollzogen hat.

Zum einen ist da die musikalische Entwicklung, die dem "weniger ist mehr"-Prinzip folgt. Imagine Dragons setzten diesmal nur die Instrumente ein, die wirklich nötig waren, nahmen statt 60 Soundspuren lieber bloß fünf auf, die dafür aber perfekt. Und statt wie sonst alles selbst zu produzierten, engagierten sie unter anderem das schwedische Duo Mattman & Robin sowie Joel Little, der für seine Arbeit mit Lorde bekannt ist.

Heraus kam ein Album, das zwar dem bekannten hymnenhaften Sound der Band verbunden bleibt, insgesamt aber reduzierter und minimalistischer klingt. Ob in der HipHop-inspirierten Single "Believer", in Balladen wie "Walking The Wire" oder in dem elektronisch angehauchten Song "Whatever It Takes" - die eingängigen, großen Melodien sind noch da, bloß eben schlanker als früher.

Auch textlich unterscheidet "Evolve" sich deutlich vom Vorgänger "Smoke + Mirrors" (2015). Statt sich hinter Metaphern zu verstecken, sind Reynolds' Texte diesmal viel persönlicher. Und nachdem er auf dem letzten Album verzweifelt nach Antworten im Hinblick auf das Leben und Religion suchte, hat man anno 2017 das Gefühl, der Frontmann der Indie-Rocker sei mit sich selbst im Reinen.

Zwar findet man auf dem neuen Album wieder ein paar Liebeslieder - "I Don't Know Why" zum Beispiel oder "I'll Make It Up To You", aber Reynolds singt auch vom Umgang mit seinen Depressionen ("Believer") und lässt in "Thunder" seinen Weg vom Außenseiter auf dem Schulhof zum Sänger einer der erfolgreichsten Bands der letzten Jahre Revue passieren. "Kids were laughing in my classes / while I was scheming for the masses", heißt es darin, und dann: "Now I'm smiling from the stage." Wer zuletzt lacht, lacht ja bekanntlich am besten.

Nadine Wenzlick
teleschau | der mediendienst

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