In Flames - Battles
erhältlich ab
11.11.2016
Genre
  • Hard&Heavy
  • Modern Metal
Label
Nuclear Blast
Vertrieb
Warner
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Im sonnigen Schwarz

Es scheint bei den Metallern von In Flames nicht mehr darauf anzukommen, wo das Album aufgenommen wird. Wurde beim letzten Studioalbum "Siren Charms" (2014) stolz der legendäre Geruch der Berliner Hansa Studios als Argument für das Ergebnis ins Feld geführt, so ist es nun bei "Battles" die geradezu gegensätzliche Atmosphäre des sonnigen Kaliforniens, welche beschworen wird.

Deshalb klingen In Flames noch lange nicht wie die Beach Boys. Aber stellenweise ein Stückchen stärker nach all den Recken, die den sonnigen Staat in den letzten Jahren in Bezug auf die härtesten Spielweisen der Rockmusik geprägt haben. Mit Howard Benson (Motörhead, Sepultura, P.O.D., My Chemical Romance) saß einer an den Knöpfchen, der zwar viele, aber nicht ausschließlich Heavy-Metal-Lorbeeren gesammelt hat. Man höre das bereits vorab veröffentlichte "The Truth" und staune: Da ist kein Göteborg, keine Wiege des Melodic-Death-Metal mehr vorhanden. Ein Chor von jungen Menschen, einfühlsamer Gesang. Die Härte wird in homöopathischen Dosen verabreicht.

Besser als ein ständiges Aufwärmen einstiger Großtaten wie "The Jester Race" (1995) oder "Clayman" (2000) ist "Battles" jedoch allemal. Besonders, weil auch diesmal ein hervorragendes Händchen im Songwriting bewiesen wurde: Vielfältig und dennoch aus einem Guss, poppig und deftig, interessant und dennoch nicht zu viel abverlangend. Ab und zu kommen die Wurzeln hervor, ab und zu spielt man auf einem komplett anderen Planeten. Drei anschauliche Eckpfeiler: das fast zu geschmeidige "Before I Fall", die ausbrechende Halbballade "Here Until Forever" sowie "Through My Eyes", dessen wütende Strophe einen gelungenen Kontrapunkt zum dick auftragenden Refrain setzt.

"I believe that the whole wide world is against me", mit diesen Worten beginnt das schleppend-aufwühlende "Like Sand". Die Welt spielt nicht gegen In Flames. Die Band spielt mit der Welt. Es geht auf "Battles" nicht um Kriege oder Schlachten, sondern um innere, persönliche Kämpfe. Ständig will heutzutage der eigene Kurs korrigiert werden, hinter jeder Kurve wartet die nächste Kreuzung. Und mit ihr die nächste Entscheidung. Als In Flames 1990 starteten, war die Welt dort draußen eine andere. Sie sind mit ihr ein Stück des Weges gegangen. Haben sich angepasst und sind doch immer ihre Linie gefahren, was übrigens das erst kürzlich erschienene Live-Dokument "Sounds From The Heart Of Gothenburg" eindrucksvoll unterstreicht. "Battles" ist vor diesem Hintergrund ein weiteres, konsequentes Bekenntnis zur Veränderung ohne Verrenkung.

Alexander Diehl
teleschau | der mediendienst

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