Jennifer Rostock - Schlaflos
erhältlich ab
17.01.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Punk-Pop
Label
Planet Roc
Vertrieb
Warner
Laufzeit
00:48:14
Redaktion
Eure Bewertung

Weghören ist keine Option

"Wir müssen uns nicht finden, wir sind immer an der Bar", erklären Jennifer Rostock im Lied "K.B.A.G.". Dem zustimmen möchte man zu Beginn nicht: Es dauert ein bisschen, bis die Band auf "Schlaflos" ihren Groove, ihre Mitte findet. Etwas beliebig beginnt das Album, inzwischen das vierte der Berliner Punk-Pop-Band. Schlecht ist es trotzdem nicht.

Bei Track fünf, "Ein Schmerz und eine Kehle", hört man das erste Mal auf. Stakkatoartig hämmert Sängerin Jennifer Weist Textzeilen um sich, bis plötzlich die Pause kommt und sie den Refrain mit unterdrückter Wut vor sich hinflüstert. Der Song thematisiert die oftmals blutige Ausgrenzungen homosexueller Menschen in Russland.

"Ein Schmerz und eine Kehle" ist nicht nur die erste Single-Auskopplung des neuen Albums, sondern auch eine Herzensangelegenheit für die Band, wie Sängerin Jennifer Weist im Interview verrät: "Uns war von Anfang an klar, dass wir das Lied auf jeden Fall rausbringen müssen, weil es einfach eine geile Aussage hat. Wir wollen die Leute damit darauf aufmerksam machen, was in Russland passiert. Denn in den deutschen Mainstream-Medien wurde die Thematik gar nicht oder unserer Meinung nach zu wenig aufgegriffen."

Politisch waren Jennifer Rostock schon immer: Anfang 2013 löste die Band einen Shitsorm im Internet aus, als sie auf ihrer Facebook-Seite verkündete, sie wolle auf ihren Konzerten keine Besucher mit T-Shirts von rechten Rock-Bands wie den Böhsen Onkelz und Frei.Wild sehen. Fans der angesprochenen Bands schrieben Hass-Mails und verbreiteten Drohungen. Doch ihren Mund ließ sich die Band nicht verbieten. Mit "In den Sturm" verarbeiteten sie das Erlebte und schrieben eine energetische Hymne darauf, die eigene Stimme zu erheben: "Dreh dich in den Sturm / Stell dich quer, lass sie spüren, dass wir am Leben sind". Und gleichzeitig mahnen sie "Nur mach das Segel wasserfest / Wenn du dein Wort zu Wasser lässt".

Wenn die Band den passenden Sound zu ihren Aussagen trifft - gern punkig-krachig ins Gesicht (eben "Ein Schmerz und eine Kehle"), aber auch hymnisch-poppig und weitläufig ("Schlaflos") - wühlen sich die Lieder regelrecht in den Kopf. Sängerin Jennifer Weist beweist dabei stimmliche Vielfalt: Rotziges Geschrei liegt ihr ebenso wie zurückhaltendere Passagen, etwa in "Du nimmst mir die Angst", dem ersten Liebeslied der Band.

Doch das Album kommt eben nicht ohne Füller aus: Über Tracks wie "Zeitspiel", "Hollywood", "Der blinde Pasagier" und "Tauben aus Porzellan" hätte die Band wohl besser noch einmal geschlafen. Die Songs wirken zu poppig, zu einfach gar. Was schade ist, denn dass Jennifer Rostock aufwühlende Texte mit mitreißendem Sound verbinden können, beweist "Schlaflos" auch.

Sebastian Srb
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Der blinde Passagier Der blinde Passagier
K.B.A.G. K.B.A.G.
In den Sturm In den Sturm
Du nimmst mir die Angst Du nimmst mir die Angst
Wenn der Wodka zweimal klingelt Wenn der Wodka zweimal klingelt
Bis hier und nicht weiter Bis hier und nicht weiter
Echolot Echolot
Hollywood Hollywood
Schlaflos Schlaflos
Phantombild Phantombild
Ein Schmerz und eine Kehle Ein Schmerz und eine Kehle

0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn