Kanye West - Yeezus
erhältlich ab
21.06.2013
Genre
  • Hip Hop/Rap
  • HipHop
Label
Def Jam
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:40:08
Redaktion
Keine Wertung
Eure Bewertung

Auch nur ein Gott

Es war nie leichter, Kanye West ans Kreuz zu nageln. Und nie zuvor legte es der Rapper genau darauf an. Mit bewussten Provokationen und diskutablen Reimen über Parkinson, Pussys und Perversitäten. Mit einer PR-Kampagne, die zwar willentlich auf verkaufsfördernde Elemente wie Cover und Radio-Singles verzichtete, aber natürlich genau dadurch einen ungeahnten Hype erzeugte. All das gesteuert von der selbstverliebten Megalomanie des Künstlers, die in einem blasphemischen Song namens "I Am A God" und dem anmaßenden Albumtitel gipfelt: "Yeezus". Ganz klar: Die Vorbehalte gegen Kanye West sind allesamt berechtigt. Ihn dafür zu kreuzigen, wäre allerdings fatal.

Denn die Musikwelt braucht Kanye West. Als einen, der die Grenzen dessen, was Mainstream-HipHop sein kann, immer wieder verschiebt: So hört man auf "Yeezus" tiefe, an der Schmerzgrenze wummernde Bässe, kaputte Synthie-Loops und verzerrte Rockgitarren. Man findet Anklänge an 80er-House, 90er-Industrial und 00er-Underground-HipHop. Und auch wenn die Gästeliste schier endlos scheint (Daft Punk, Bon Iver, Frank Ocean, um nur einige zu nennen), die Samples teilweise kruder kaum sein könnten (von ungarischem Progrock über diverse Dancehall-Samples bis zu indischem Pop): "Yeezus" ist keine HipHop-Materialschlacht. West und Produzentenlegende Rick Rubin, mit dem der Rapper kurz vor der Fertigstellung des Albums in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Material nochmals bearbeitete, destillierten aus all diesen Einflüssen einen minimalistischen, düster-avangardistischen Sound.

Doch diese perfekt produzierte Paranoia, die sich hermetisch gegen jegliche Radio-Kompatibiltät abriegelt, verstärkt die wütend hingespuckten Tiraden von West (etwa im konsumkritischen "New Slaves") nicht nur. Bestes Beispiel ist "I Am A God": Natürlich lässt West dort den ungeduldigen Macker heraushängen ("Hurry up with my damn croissants!") und bezeichnet sich selbst als den einzigen Rapper, der je mit "Michael" (Jackson) verglichen wurde. Ja, er trifft sich dort sogar auf ein Schwätzchen mit Jesus höchstpersönlich. Die gehetzte Stimmung des Songs, die panischen Schreie, die immer wieder erklingen, sprechen jedoch eine andere Sprache: West kann sich wie "ein Gott" fühlen und aufführen. Aber es heißt eben auch, ständig verfolgt, verflucht und verdammt zu werden. Und darüber auch zu (ver)zweifeln. Seine Dämonen seien so angsteinflößend, rappt West etwa in "I'm In It", dass er nur mit einer Nachtlampe schlafe.

Zudem dürfen auch seine Gäste Wests Selbstbeweihräucherungen in Frage stellen. Am schönsten im abschließenden "Bound 2", das auch mit den düsteren Sounds zuvor bricht. Während der Rapper über einem wunderbaren Soul-Sample seinen Sex-Fantasien freien Lauf lässt, singt Charlie Wilson: "I know you're tired of loving, of loving / With nobody to love, nobody, nobody". Nicht geliebt, dafür verehrt oder verteufelt zu werden - West nimmt es auf sich. Er provoziert mit Bildern und Texten, polarisiert als Person, popularisiert musikalische Trends, die zuvor im Underground beheimatet waren. Wie Madonna in den 80er- oder Marilyn Manson in den 90er-Jahren. Er ist nicht nur der King Of HipHop. Nein, die Musikwelt braucht ihn auch in einer anderen Funktion: als größten Popstar unserer Zeit.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Black Skinhead Black Skinhead

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