Kid Simius - Wet Sounds
erhältlich ab
07.03.2014
Genre
  • House/Techno
  • Surf'n'Bass
Label
Jirafa
Vertrieb
Rough Trade
Laufzeit
00:31:30
Redaktion
Eure Bewertung

Surfen auf dem Genremix

Eigentlich könnte José Antonio Garcia Soler gerade seine ersten Patienten untersuchen. Doch vor vier Jahren brach der Spanier sein Psychologie-Studium ab und zog von Granada nach Berlin, um sich ganz seiner Musik zu widmen. Als Kid Simius hat er sich im Dunstkreis von Marteria bereits einen Namen gemacht, jetzt bringt er sein erstes Album auf den Markt. Für "Wet Sounds" analysiert er nicht die Psyche seiner Mitmenschen, sondern lieber musikalische Genres, um aus den Essenzen einen ganz eigenen Stil zu schöpfen: "Surf'n'Bass" nennt sich das - und macht ordentlich Laune.

California Surfrock und Drum'n'Bass sind in dem oft wilden Mix zwar die Hauptbestandteile, aber längst nicht die einzigen: In "Hola Chica!" gibt's ein bisschen Reggae zu hören, während das Weltraum-Abenteuer "Aventura Especial" auf gut gelaunten 80er-Arcade-Sounds surft. In "El Pastor" dagegen schafft Kid Simius mit entrückten Vocals und Mariachi-Trompeten eine hübsche Spaghettiwestern-Atmosphäre, trägt aber mit orientalischen Rhythmen auch seiner heimatlichen Maurenstadt Granada Rechnung. Fast klingt es, als ziehe ein arabischer Zirkus durch die mexikanische Wüste.

Auch was das Tempo angeht, beherrscht Kid Simius verschiedene Spielarten: Der Titeltrack geht mit dynamischen Oldschool-Drums voran, "Costa Del Sol" unterlegt heisere Rap-Passagen mit einem knackigen Beat, bevor der Song mit einem deftigen Bass davongaloppiert. Völlig entspannt ist dagegen das Synthesizer-lastige "Recorded In Hawaii", dessen Meeresrauschen zum kleinen Chill-Out in der Mitte des Albums einlädt.

Diese Mitte kommt allerdings schon nach Lied vier - das gesamte Album ist gerade mal eine halbe Stunde lang. Und dabei ist mit "Matador" schon eine ziemlich deutliche "Misirlou"-Hommage enthalten, das aus dem "Pulp Fiction"-Intro bekannt ist, sowie ein (immerhin deutlich abweichender) Remix von "Costa Del Sol". Als Gründungsmythos eines neuen Genres ist "Wet Sounds" also vielleicht etwas dünn. Als ebenso launiger wie tanzfreudiger Blick in eine interessante Zukunft aber hochinteressant.

Sabine Metzger
teleschau | der mediendienst

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