Ludwig Hirsch - Zum letzten Mal live
erhältlich ab
23.11.2012
Genre
  • Rock/Pop
  • Liedermacher
Label
Amadeo - UMIS - Universal Strategic Marketing
Vertrieb
Universal
Laufzeit
01:24:33
Redaktion
Eure Bewertung

Endlich glücklich sein

"Vielleicht - zum letzten Mal" - Unter diesem Motto ging der österreichische Liedermacher Ludwig Hirsch 2010/11 auf Tournee. Als Abschiedserklärung konnte man den Titel nicht unbedingt deuten. Die Tournee sollte nicht das letzte Wort sein, vielleicht aber die letzte Konzertreise mit Band, erklärte Hirsch. Auch den womöglich morbiden Unterton konnte man getrost überhören. Für Hirsch war die eigene Vergänglichkeit stets in seinen makabren und morbiden, zärtlichen und zartbitteren Liedern präsent. Der Tod war "nur ein Seitensprung", der "große schwarze Vogel", der ihn ins Himmelreich führen sollte, sein wohl bekanntester Song. Trotzalledem: Wahrscheinlich wusste Hirsch zum Zeitpunkt der Tournee schon von seiner Lungenkrebs-Erkrankung. Mitte November 2011 wurde er deswegen ins Wiener Wilhelminenspital gebracht, am 24. November stürzte sich der 65-Jährige dort aus einem Fenster im zweiten Stock. Der Mitschnitt der Tournee erscheint nun als Doppel-CD "Zum letzten Mal - live" und erinnert an den großen sanftmütigen Zyniker unter den österreichischen Liedermachern.

Begleitet von Andy Steirer (Schlagzeug, Perkussion), Manfred Schweng (Bass, Keyboards) und seinem langjährigen musikalischen Partner Johnny Bertl (Gitarre, Gesang) nahm Hirsch sein Publikum auf eine Reise durch seine über 30-jährige Karriere. Natürlich dabei: Fan-Favoriten wie die "Omama", "Spuck den Schnuller aus" und "Gel du magst mi". Aber auch Unbekannteres trägt Hirsch mit seiner schweren, durch seine Schauspielausbildung geschulten Stimme vor: Er erklärt, wie "Im Anfang", seiner ganz eigenen Version der Schöpfungsgeschichte, der Teufel den Menschen erschuf. Er erzählt von der rücksichtlosen Unachtsamkeit der Erwachsenen, von dieser "gottverdammten Pleite", die Kinder die Apokalypse heraufbeschwören lässt. Er beschreibt die sympathischen Macken des "Herrn Haslinger", hinter dessen kleinbürgerlicher Fassade das Grauen lauert. Er leidet mit dem 47-jährigen, geistig zurückgebliebenen "Peterle", der beim Dorfpfarrer wohnt und als Vogelscheuche an Bauern ausgeliehen wird und nur in seinen Träumen seine perfiden Rachefantasien ausleben kann.

Doch Hirsch ist nicht nur bitterböser Beobachter. Er verspricht in einer seiner Ansagen einen Abend zum "Träumen, Staunen, Lächeln". Der Liedermacher versteht sich auch auf die leichtere Muse: Er träumt mit dem räudigen Wolf im Zoo von Freiheit, staunt mit dem Frosch über die zahlreichen, kusswilligen Damen, lächelt über den rolligen Kater. Und natürlich singt Hirsch auch über den Tod. Mit sanftmütiger Melancholie, mit einer nie schwermütigen Trauer. Er liegt noch einmal auf dem Rücken, im Grab, sieht regungslos dabei zu, wie die Würmer angekrochen kommen. Er hofft noch einmal, die verstorbene Freundin "Elisabeth" wiederzutreffen. Und beschließt den Abend - wie alle seine Shows - ein allerletztes Mal mit "Komm, großer schwarzer Vogel": "Auf geht's / Mitten in Himmel eini / Ned traurig sein / Es gibt ka Grund zum Traurigsein / Weil I werd' singen / I werd' lachen / I werd' 'Des gibt's ned!' schrein / I werd' endlich kapier'n / I werd' endlich glücklich sein".

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 Im Anfang Im Anfang
2 Der Herr Haslinger Der Herr Haslinger
3 Die gottverdammte Pleite Die gottverdammte Pleite
4 Die Omama Die Omama
5 Das Geburtstagsgeschenk
6 Peterle Peterle
7 Nicht küssen Nicht küssen
8 Der Wolf Der Wolf
9 Der Kater Der Kater
Disc 2
Titel Unsere Songtexte
1 I lieg am Ruck'n
2 In deiner Sprach
4 Elisabeth Elisabeth
5 Miss Burgenland Miss Burgenland
6 Gel' du magst mi
7 Musikervorstellung
8 Bodydrumming
9 Tante Marie Tante Marie
10 Spuck den Schnuller aus
11 Komm, großer schwarzer Vogel Komm, großer schwarzer Vogel

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