MGMT - MGMT
erhältlich ab
13.09.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Psychedelic-Pop
Label
Columbia - Sony Music International
Vertrieb
Sony Music
Laufzeit
00:44:26
Redaktion
Eure Bewertung

Ein großes Missverständnis

Im Nachhinein wirkt alles wie ein großes Missverständnis. Mit "Time To Pretend", "Kids" und "Electric Feel" hielt das Debütalbum des US-Duos MGMT 2007 gleich drei Hitsingles parat. Es waren hippieske Zeitgeist-Hymnen auf die Jugend, gegen Anpassungszwänge, für maximalen Freiheitsdrang. Es war Psychedelic-Pop, der die angesprochenen "Kids" dazu brachte, sich für MGMT-Konzerte begeistert mit Blumen, Haarreifen und allerlei farbenfrohem Firlefanz zu schmücken. Dann kam "Congratulations" (2010), das sich der einfachen Vereinnahmung entzog, aber trotz fehlender Hits - oder überhaupt Refrains - noch als farbenfrohes Dokument der Verweigerung durchgehen konnte. Mit "MGMT" greift aber auch diese Interpretation nicht mehr.

Man darf sich nur fragen, wer hier einem Missverständnis unterlegen ist. Das Publikum? Nun, höchstens noch einige letzte Hippie-Mädchen dürften darauf gehofft hatten, dass MGMT vielleicht noch den ein oder anderen Hit nachlegen. Dass ihr drittes Album aber noch unbeeindruckter jede Art von gängigen Strukturen und Stilfragen ignoriert, hätte wohl kaum jemand erwartet. Oder liegt hier sogar ein noch größeres Missverständnis vor? Spricht aus "MGMT" vielleicht nicht nur Gleichgültigkeit gegenüber Erwartungshaltungen? Der Verdacht, dass Benjamin Goldwasser und Andrew VanWyngarden eine gute Melodie vielleicht einfach nicht (mehr) erkennen, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Vieles deutet aber auch darauf hin, dass das Duo die Popmusikgeschichte (bewusst?) missversteht. Denn ein treibendes Schlagzeug allein, wie in "Mystery Disease", macht noch keinen Beatles-Song à la "Tomorrow Never Knows". Die sich wiederholenden Polyrhythmen, Feedback-Gitarrenschleifen und der entrückte Gesang bei "Astro - Mancy" bringen MGMT nicht in die Nähe der Avantgarde-Folk-Genies von Animal Collective. Und auch der Haus- und Hof-Produzent der Flaming Lips, Dave Fridmann, verleiht dem Bubblegum-Psychedelic-Pop von "Plenty Of Girls In The Sea" nicht deren tiefe Erhabenheit. Um wirklich höhere Bewusstseinsebenen zu erlangen, ist "MGMT" ohnehin viel zu eklektisch-verspielt und esoterisch-verquast. Zwischen all den achtlos hingeschmissenen Zitaten, zwischen den schiefen Flötentönen, blubbernden Bässen, komischen Synthie-Loops und seltsamen Verfremdungseffekten sticht nur ein Song heraus: das vergleichweise sparsam instrumentierte "Introspektion".

Und nein, "MGMT" ist nicht etwa - wie man das so gerne euphemistisch und floskelhaft umschreibt - ein "schillerndes Kaleidoskop", sondern ein ziemlicher Kinderfasching. Goldwasser und VanWyngarden toben sich aus, zurück bleibt ein Trümmerfeld. Oder anders: ein Album, das niemand mehr verstehen oder missverstehen muss.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 Alien Days Alien Days
2 Cool Song No. 2
3 Mystery Disease Mystery Disease
4 Introspection Introspection
5 Your Life Is a Lie Your Life Is a Lie
6 A Good Sadness A Good Sadness
7 Astro-Mancy
8 I Love You Too, Death
9 Plenty of Girls in the Sea Plenty of Girls in the Sea
10 An Orphan of Fortune An Orphan of Fortune

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