Marsimoto - Ring der Nebelungen
erhältlich ab
12.06.2015
Genre
  • Hip Hop/Rap
  • Rap
Label
Green Berlin / Four Music
Vertrieb
Sony
Laufzeit
00:44:02
Redaktion
Eure Bewertung

Grüne Progressivität

Der Tribut an Madlib ist längst gezollt. Was umtriebige Rap-Fans bei Marterias Nebenprojekt Marsimoto nämlich immer wieder beanstandeten: Die Idee dazu ist geklaut. Eben von Madlib, einem der genialsten Beatbastler im Mutterland des Rap, den USA. Auf abgespaceten Bassmonstern mit noch abgespaceterer Helium-Stimme rappen: Madlib alias Quasimoto hat's vorgemacht - und Marteria seinen Diebstahl längst zugegeben. Angeblich machte dies dem Amerikaner nichts aus, er sendete sogar "Props", das heißt, er fand die Hommage aus Rostock gut. "Ring der Nebelungen" nennt sich nun das vierte Werk des giftgrünen Alter Egos von Marten Laciny, womit es nun wieder mehr Marsimoto- als Marteria-Alben von ihm gibt. Von einem einfachen Nebenprojekt kann also eigentlich gar nicht die Rede sein.

In grünen Rauchschwaden tritt Marsimoto stets auf, mit grünem Umhang und grüner Maske. Ein Superheld - und vor allem Superkiffer. Letzteres soll sich eben in der gepitchten Stimme ausdrücken. Damit kann natürlich nicht jeder auf Albumlänge etwas anfangen. Marterias eigentliche Stimme, das Sanfte und Tiefe darin, ist sicherlich massentauglicher. Doch die einzige Schwäche des Wahlberliners, nämlich dass es seinem Organ gerne mal an Druck mangelt, wird mit der Marsimoto-Nachbearbeitung gründlich wettgemacht. Ein weiterer Unterschied zum zuletzt so erfolgreichen Marteria: Marsimoto hat weit mehr Flausen im Kopf - und spricht eben offen und ungeniert von übermäßigem Cannabis-Konsum.

Und wo geht es Freunden des grünen Krauts am besten? Auf Jamaika, besagt zumindest jedes Klischee. Dort ließen sich Marsimoto und seine Green-Berlin-Produzenten-Schergen hinverfrachten und von den neuesten Dancehall-Beats der Insel beschallen. Das hört man auf "Ring der Nebelungen" an fast allen der vielen Ecken und Kanten. Übersteuerte Synthies und Bässe allerorten, solche, wie sie Kanye West bereits 2013 mit "Yeezus" in den Rap hob. Und auch 2015 darf man das noch als trippige Progressivität abfeiern. Selbstredend belassen es Deutschlands mit-innovativste Beatbastler nicht dabei - es gibt einiges zu entdecken.

Stimme und Beats vernebeln wie vom Titel angekündigt die Sinne, die zitternden und unruhigen "An der Tischtennisplatte" und "Meisterwerk" belasten nicht das Nervensystem, vielmehr besänftigen sie es - wie eben das immer wieder thematisierte Kraut. Sonst hat "Marsi" genügend Widersprüchliches ("Illegalize It", "Zecken Raus") und Unwirkliches ("Green Pangea", "Flywithme") zu erzählen, um seine Hörer auch über das erstmalige Hören hinaus zu binden. Würde Madlib verstehen, was der Kollege da zu erzählen hat, wahrscheinlich würde er abermals den Daumen heben.

Max Trompeter
teleschau | der mediendienst

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