Mastodon - Emperor Of Sand
erhältlich ab
31.03.2017
Genre
  • Hard&Heavy
  • Heavy Metal
Label
Reprise Records
Vertrieb
Warner
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Nicht vergessen: Metal macht Spaß

Zu den ganz Wilden gehören sie nicht mehr. Seit sie vor 15 Jahren mit ihrem urgewaltigen Sludge-Hardcore-Mix in die Metalszene einbrachen, haben Mastodon ihren Stil immer wieder verändert und stetig abgeschliffen. Die vier Rocker aus Atlanta, Georgia, wagten Ausflüge in den Prog Metal, sie ergänzten ihr galliges Gegröle durch klaren Gesang und entdeckten irgendwann, dass auch Melodien ganz schön sein können. Jedes Album, das auf "Remission" (2002) folgte, war so etwas wie eine musikalische Häutung. Der inzwischen siebte Langspieler, "Emperor Of Sand", erweckt nun erstmals den Eindruck, dass Mastodon sich musikalisch "eingerichtet" haben. Er erinnert aber auch daran, worauf es bei der Rockmusik zuallererst ankommt.

Eigentlich ist es ja ganz einfach. Rockmusik ist Entertainment und soll Spaß machen. Man vergisst das gerade in der Rocker- und Metalszene schnell, wo Schwarz oft die einzige Farbe ist, Texte gerne von Tod und Elend handeln und viele Musiker zu Kunstfiguren werden, die extremen Wert auf ein möglichst finsteres Auftreten legen. Ein Stück weit spielen Mastodon dieses Spiel mit: Gitarrist Brent Hinds etwa, der bis tief ins Gesicht hinein tätowiert ist, erscheint wie der reinste Rock-Berserker. Auch textlich geht's durchaus ernsthaft zu: Nachdem einige Bandmitglieder Schicksalsschläge im privaten Kreis zu beklagen hatten, ist Sterblichkeit ein großes Thema auf "Emperor Of Sand".

Demgegenüber steht aber, was bei Mastodon schon immer galt: Sie machen ernsthafte Musik, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Die neue Platte erscheint unter anderem in einer Sonderedition auf Schallplatte, mit schwarz-weißem Sleeve und Mastodon-Buntstiften zum Ausmalen. Metal trifft auf Malspaß - eine herrliche Idee, deren Absurdität die Band kürzlich mit einem Video hervorhob, in dem kleine Kinder vor dystopischer Kulisse die Plattenhüllen vollkritzeln. Sympathischer kann eine Rockband kaum werden.

Im Fall von "Emperor Of Sand" schlägt sich der unverkrampfte Wir-haben-Spaß-Ansatz auch deutlich in der Musik nieder. Gerade heiter sind die elf Songs, die im Übrigen Brendan O'Brien (Rage Against The Machine, Red Hot Chili Peppers) produzierte, natürlich nicht. Sie hinterlassen aber doch ein positives Gefühl beim Hörer. Weil sie vor virtuoser Spielfreude strotzen, weil sie einen unwiderstehlichen Drive haben und knackig geschrieben sind; auch weil sie in der Mehrzahl von melodiösen Refrains getragen werden, bei denen man gerne laut mitsingen möchte. Songs wie "Show Yourself" und "Steambreather" gehen runter wie Öl. Und dieses Cover, auf dem ein archaischer Totenkopf-Herrscher vor flammendem Hintergrund thront? Ist am Ende womöglich auch nur ein Cover, das einfach cool aussieht.

Gas geben, aufdrehen und gut ist: Mastodon machen Rockmusik auf ihrem neuesten Album nicht komplizierter, als sie sein sollte. Das ist eine große Stärke von "Emperor Of Sand", zeigt aber auch den einzigen kleinen Makel auf. Denn so richtig progressiv ist das alles nicht mehr, und viele der neuen Songs hätten auch prima auf das stilistisch vergleichbare Vorgängeralbum "Once More 'Round The Sun" (2014) gepasst. Metalheads, die's richtig hart mögen, werden ohnehin abwinken. Mastodon haben nach einem jahrelangen Prozess des Abschleifens womöglich "ihren" Sound gefunden. Eine der aufregendsten Bands der letzten Jahre macht es sich bequem mit Metal für die Masse, bewegt sich dabei aber noch immer auf allerhöchstem Niveau.

John Fasnaugh
teleschau | der mediendienst

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