Orchestral Manoeuvres in the Dark - English Electric
erhältlich ab
05.04.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
BMG Rights Management
Vertrieb
Rough Trade
Laufzeit
00:42:49
Redaktion
Eure Bewertung

Schmelzflocken des Alters

Die Deutschen und Orchestral Manoeuvres in The Dark. Irgendwie funktioniert diese Verbindung. Nicht nur, dass ihr episch schweres Waberwerk "Maid Of Orleans" die bestverkaufte Single in den hiesigen Charts des Jahres 1982 war, auch das Comeback von OMD in Originalbesetzung interessierte teutonische Fans deutlich mehr als die Briten. Mit "History of Modern" landeten OMD 2010 auf Platz fünf der deutschen Albumcharts, während es in Großbritannien lediglich für Platz 28 reichte. Stilistisch bleiben sich die Pop-Pioniere aus Liverpool gegenüber dem letzten Album treu: Es dominieren flockige Synthiekaskaden in aufgeräumten elektronischen Soundbildern. Dazu sinniert Andy McCluskeys ewig junge Sehnsuchtsstimme gebrochen über Technik und Zukunft. Nicht neu - aber dennoch irgendwie einzigartig.

Wer OMD nur als Singles-Band kennt oder verstanden haben will, der irrt. Mit Hits wie "Enola Gay", "Souvenir" oder "If You Leave" kann man zwar eine veritable 80er-Jahre-Party bestreiten, doch wer will das schon. Nein OMD, die sich 1978 unter dem starken Einfluss von Kraftwerk gründeten, veröffentlichten Anfang der 80-er eine Reihe wegweisender Alben, die nicht nur abgefahrene Elektronik mit Popmelodien paarten, sondern es auch schafften, mit seltsamen, oft futuristischen oder historischen Themen nebst verführerischen Soundspielereien eine sehr eigene, fast schon kinematografische Stimmung zu erzeugen.

Vom Wagemut der frühen Tage ist man heute ziemlich weit weg. "English Electric" betont wie schon der Vorgänger "History Of Modern" die poppige Seite des Kreativduos Andy McCluskey und Paul Humphreys. Hier soll jeder Song das Potenzial besitzen, ob seiner Melodiosität im Radioprogramm Gehör zu finden - auch wenn sie nach wie vor OMD-spezifische Themen transportieren: So berichtet die erste Single "Metroland" von einer alten Bahnlinie, die den Nordwesten Londons mit der Innenstadt verbindet. In "The Future Will Be Silent" zeichnet McCluskey das Bild einer von akustischem Müll befreiten Zukunft und für das Stück "Our System" wurden gar von der Raumsonde Voyager aufgezeichnete Geräusche des Planeten Jupiter als Backingtrack gesampelt.

Es war immer die besondere Qualität von OMD, derlei Spielereien nebst philosophisches Gedankengut in einfache, aber sehnsuchtsvoll vorgetragene Melodien zu verpacken. Auch dieses OMD-Album funktioniert nach den alten Regeln. Kritiker werden dies in Sachen Sound als abgegriffen, in der Haltung als naiv und kitschig abtun. Und in der Tat: Ein neues OMD-Album ist heute für die Entwicklung der Popmusik nicht mehr wirklich bedeutsam. Es verhält sich gegenüber einem der vier klassischen Alben in etwa wie Schmelzflocken zu Basismüsli. Doch auch das wohlig-mampfige Zerfallen von Substanz zu einer süßlich angenehmen Masse kann zum prima Geschmackserlebnis werden. Und weil niemand so emotional über die Zukunft singt wie AndyMcCluskey, können wir die Mittfünfziger aus Liverpool auch heute noch gebrauchen.

Eric Leimann
teleschau | der mediendienst

1 Kommentare

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11. Mai, 16:00 Uhr
von morgi

Zwei richtig gute Lieder, aber .... gab schon bessere Alben

Qmn