Michael Patrick Kelly - iD
erhältlich ab
16.06.2017
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Columbia
Vertrieb
Sony
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Die Modernität des Mönchs

Nein, dieser Kelly ist nicht Teil des Comebacks der berühmten Folkpop-Familie aus den 90-ern. Jene Pathos-Horde, die mit rotwangigen Kindern im Schlabberlook Ohrwurm-Hymnen vortrug und etwa 20 Millionen Platten verkaufte. Michael Patrick ist jener allein reisende Kelly, der seit einigen Wochen in der vierten Staffel des kuscheligen VOX-Formats "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" die Runde bereichert. Als "Stadion-Paddy" mit Hang zur großen Stimme, aber auch als bescheiden freundlicher Folkrock-Intonateur zeichnet er sich dort aus. Nun erscheint, so wie bei den anderen Teilnehmern der quotenstarken Musikshow, "überraschend" ein neues Album.

Aufmerksame Zuschauer mögen es mitbekommen haben: Der fast 40-Jährige mit dem süßen Akzent ist nicht der experimentierfreudigste Musiker des diesjährigen "Sing meinen Song"-Ensembles. Eher darf man ihn als Freund traditionellen Songwritings und ebensolcher Arrangements bezeichnen. Beides beweist auch sein neues Album "iD", das jedoch frischer klingt als die Vorgänger "Human" (2015) und das spirituelle Werk "Ruah" (2016) - die anderen beiden "Comeback"-Platten, die er seit seiner Rückkehr aus dem Klosterleben (2004 bis 2010) veröffentlichte.

Auf dem Sehnsuchts-Opener "Golden Age" wünscht sich der gebürtige Dubliner eine alte Zeit der Unschuld zurück. Doch bereits auf "iD", dem Titelsong, hört man moderne Rhythmen und Dancehall-Klänge, zu denen Gentleman seinen enervierend-eleganten Sprechgesang beisteuert. Auch wenn man anschließend wieder beim traditionellen Songwriter-Ansatz von Kelly-Vorbildern wie U2, Bruce Springsteen und Bob Dylan landet: Paddy Kelly hat es durchaus geschafft, einige Ohrwürmer auf dieses "radiowarm" klingende Album zu packen. Mit Jimmy Hogarth (Amy Winehouse) oder Alex Beitzke und Bradley Spence (Florence and the Maschine) arbeiteten einige hochdekorierte Produzenten daran.

Das fast schon soulige "Last Words", dessen Text aus den letzten Worten einiger berühmter Menschen wie Marie-Antoinette oder Steve Jobs besteht, ist eine gute Idee. Auch "Requiem", ein Song für die Toten des Rock'n'Roll, spielt mit düsteren Gedanken zu einer schönen Folkpop-Melodie. Weil Kelly jedoch ein Mann mit Ohrwurm-Gen ist, schälen sich aus den konventionellen Liedstrukturen immer wieder Melodien heraus, bei denen man einfach mit muss. Freunde des bisherigen Werkes von Michael Patrick Kelly werden von der neuen Aufschlüsselung seiner Identität, Kurzform "iD", sicher nicht enttäuscht sein.

Eric Leimann
teleschau | der mediendienst

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