Samy Deluxe - Gute alte Zeit
erhältlich ab
10.10.2014
Genre
  • Hip Hop/Rap
  • Rap
Label
Deluxe Records
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:43:36
Redaktion
Eure Bewertung

Wieder der Alte? Nicht ganz!

Na, dann eben noch eine Chance: Nach "Männlich" im März dieses Jahres schien sich Samy Deluxe endgültig in sich aufzulösen. Vom einstigen "Wickeda MC" schien nur noch Asche und Staub übrig geblieben zu sein. Weder bei den Reimen noch textlich, musikalisch oder charismatisch konnte der 36-Jährige an seine "Gute alte Zeit" anknüpfen. Ob er selbst in einer Bestandsaufnahme zu dieser Erkenntnis gekommen ist? Es scheint so. Mit seinem neuen Mixtape, das natürlich auf CD erscheint, beschwört er seine große Vergangenheit und wirkt dabei wieder etwas fideler als noch vor wenigen Monaten.

Was bei seiner Reminiszenz an die "Gute alte Zeit" etwas erstaunt: Ist Samy Deluxe wirklich "Old School"? Als solcher beschreibt er sich durchweg auf seinem neuen Mixtape. Sogar Eko Fresh behauptet dies von sich in "Bandsalat". Dabei war Samy eher einer der Mitbegründer der deutschen "New School" um die Jahrtausendwende - und Eko Fresh einer der Profiteure des damaligen Hypes. Aber genug der Korinthenkackerei. Die Freude über den "alten" Samy überwiegt.

Obwohl der Hamburger es mal wieder spannend macht. Vergleiche wie "Flows flüssig wie der Inhalt von Wasserbetten" ("Gutes altes Intro") erinnern schmerzlich an seine letzten Platten. Dabei hat er doch bemerkt, dass was im Argen lag: "Bei 'Männlich' waren die Meinungen gespalten", erkennt er richtig. Doch seine Verteidigung läuft ins Leere: "Leute feiern gerade Rapper, die live das Mic nicht richtig halten." ("Gold"). Daran hat es wahrlich nicht gelegen.

Doch er steigert sich. Für sein "Früher war alles besser"-Projekt hat sich Herr Deluxe einige schöne Beats bauen lassen. Harte Kicks, klatschende Snares, eindringliche Samples - gerade "Hard Times" und "Session" machen richtig Spaß. Und Samy scheint Freude daran gehabt zu haben, darauf seinen Senf zu verstreichen. Seine jungen Adjutanten John Known und Bengio sowie der fast schon vergessene alte Recke Nico Suave scheinen ihn auf "Session" richtig zu vitalisieren. Die Erinnerungen an seine Dynamite-Deluxe-Zeiten beim "Beatbox Skit" bringen einem zum Schmunzeln, gerade bei "Wisst Bescheid" setzt er seinen Flow endlich wieder sinnvoll ein. Und auch einige Punchlines sitzen: "Damals hatten Rapper volle Plattenschränke / Heute ham sie Hantelbänke, reden über lange Schwänze" ("Gutes altes Intro").

Noch wirkt nicht alles locker. Gerade wenn der Deutsch-Sudanese seine Stimme in den Keller fährt wie beim unsäglichen "Rapper sagen Yo" erkennt man wieder den Irrweg, den er seit einigen Jahren munter beschreitet. Doch darauf verweilt er nicht lange. Keine peinlichen Themen-Tracks weit und breit, auf "Gute alte Zeit" geht es wieder um Rap. Und der "Wickeda MC" scheint in eine erreichbare Nähe zu rücken.

Max Trompeter
teleschau | der mediendienst

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