Santigold - 99 Cents
erhältlich ab
26.02.2016
Genre
  • Rock/Pop
  • Elektro-Pop
Label
Atlantic
Vertrieb
Warner Music
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Die De-Monteurin der Tanzfläche

Schon mit ihrem selbstbetitelten Debüt gelang Santi White (damals noch unter dem Namen Santogold) ein eindrucksvoller Einstand im Kreis der intellektuellen, kreativen und tiefgründigen Dancefloor-Beschaller. Ein Mix aus derben Dub- und Roots-Reggae-Grooves stürzte sich auf Pop-Melodien, verträumte Gesangslinien und krawallige Punk- und Electronica-Unterstützung. Nicht nur tolle Singles wie "L.E.S. Artistes" brachte "Santogold" hervor, es erweckte auch die gesammelte Aufmerksamkeit des amerikanischen und europäischen Feuilletons. Acht Jahre später steht Album Nummer drei namens "99 Cents" bereit.

Dass nun erst das dritte Album der New Yorkerin erscheint, hat zum einen mit der Geburt ihres ersten Kindes und viel Arbeit an Soundtrack-Musikbeiträgen zu tun (etwa für "Die Tribute von Panem: Catching Fire" oder "Margos Spuren" mit Cara Delevingne). Zum anderen vielleicht auch mit der wohl überlegten Ansicht, dass man seine besten Songperlen gewissenhaft unter die Zuhörerschaft streuen sollte. Außerdem wollte Santigold Produktionsassistenz und Gastauftritte von Rostam Batmanglij (Vampire Weekend), Hit-Boy, iLoveMakonnen und Dave Sitek (TV On The Radio) auf ihrem neuesten Album mitnehmen - gut Ding will eben Weile haben.

Und gut ist "99 Cents" in jedem Fall geworden. Zumindest sofern man bereit ist, sich vom einnehmenden, aber unpolierten Sound des Debüts zu entfernen. Originelle Popnummern wie "Can't Get Enough Of Myself" (mit B.C.) oder das dubbig-groovende "Banshee" setzen neue Standards in Whites Output. Am anderen Ende stehen dann Featurings wie das von iLoveMakonnen ("Who Be Lovin' Me") bereit, dessen penetrant und wohl mit Nachdruck schief intonierter Gesang plötzlich in einen geschniegelten Rap-Flow übergeht.

Solche Ausflüge geben dem Album ein paar relevante Ecken und Kanten. Ohne gewisse Widerhaken und unerwartete Querverweise in beliebige Sparten der Popmusik-Vergangenheit kann Santigold ihre Kreativität nicht ausleben. Dadurch wird "99 Cents" ein Entdecker-Album, dessen gefällige Seite leicht verständlich ins Ohr geht, während die düstere Seite Platz für spannende Erkundungsgänge zur Verfügung stellt.

Klaas Tigchelaar
teleschau | der mediendienst

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