TLC - TLC
erhältlich ab
30.06.2017
Genre
  • Hip Hop/Rap
  • Hip-Hop
Label
Cooking Vinyl
Vertrieb
Starwatch Entertainment
Laufzeit
Redaktion
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Weniger als ein Versuch

In den 90-ern hatten zwei Girlgroups die Popwelt fest in ihrer Hand und feierten unvorstellbare kommerzielle Erfolge. Eine kam aus Großbritannien: die Spice Girls. Die andere, ein afroamerikanisches Trio, hörte auf den Namen TLC. Beide gelten heute als Vorbilder für folgende Generationen und als glühendes Beispiel für starke Frauen in der Glamour-Welt der populären Musik. Während die Britinnen ihre Karriere im Rampenlicht ohne großes Drama beendeten, ist die Geschichte von TLC eine von Ausbeutungsverträgen, gesundheitlichen Problemen, Gesetzeskonflikten und einer fürchterlichen Tragödie: dem Unfalltod von Lisa "Left Eye" Lopes. 14 Jahre nach ihrer Auflösung melden sich TLC mit einem neuen, selbstbetitelten Album zurück.

An ihrem Erbe änderte der Autounfall im Jahr 2002 auf den Bahamas nichts, denn bereits das Album "CrazySexyCool" (1994) brachte Tionne "T-Boz" Watkins, "Left Eye" und Rozonda "Chilli" Thomas mit elfmal Platin und 14 Millionen verkauften Tonträgern eine Diamant-Auszeichnung in den USA ein. TLC sind bis heute die einzige Frauengruppe, der diese Ehre zuteil wurde. Hits wie "Waterfalls" oder "No Scrubs" erzählten von Frauen, die keinen Bock auf unzuverlässige Macho-Typen haben und zelebrierten die Selbstbestimmung. Nichts kann an diesen frechen, vor allem aber kraftvollen Pop-Monolithen rütteln. Nicht einmal das neue Album "TLC".

Infolge eines per Kickstarter finanzierten TV-Biopics namens "CrazySexyCool: The TLC Story" (2013) gaben die verblieben zwei Mitglieder T-Boz und Chilli, die den Film mitproduziert hatten, dem andauernden Druck der Fans nach und nahmen ein Comeback-Album auf, das vom Cover über die Musik bis zu den Texten ein absoluter Flop ist. Es ist so etwas wie der Versuch, den Fans zuliebe in die Musikwelt der 90er-Jahre zurückzureisen, aber selbst damals hätte dieses Album niemanden interessiert.

Das Cover sieht wie das Projekt eines Grafikdesign-Studenten im ersten Semester aus, der die Einführung verschlafen hat. Das Intro wirft mit uninspirierten Referenzen aus den größten Hits um sich, und Texte wie "We keep the hits coming, we keep the party jumping" wären sogar Vanilla Ice peinlich gewesen. In "It's Sunny" lassen sich TLC nicht nur zu einem weiteren überflüssigen Bobby-Hebb-Cover hinreißen, der Discoschund verkauft tatsächlich "Babababababa" als den ernstgemeinten Versuch eines Refrains. Die Vorabsingle "Haters" will sich gegen den Hass in der Welt positionieren, klingt aber nach Baukasten-Pop und Lyrik-Hausaufgaben aus der achten Klasse.

TLC scheitern selbst dann, wenn sie nichts anderes wollen, als die Bedürfnisse ihrer Fans zu befriedigen. Nachdem die neuen Songs durchgelaufen sind, finden sich auf dem Album Neuaufnahmen großer Hits wie "No Scrubs". Wozu braucht es eine kalte Neuzeit-Interpretation, in der sogar Left Eye fehlt? Das alles hat nichts mehr mit der großen, bedeutungsvollen Band von damals zu tun, die ja auch dafür bekannt war, einen musikalischen Einblick in die Zukunft zu geben. Kurzum, so weh diese Erkenntnis auch tut: "TLC" gehört zu den schlechtesten Alben des Jahres.

Arne Lehrke
teleschau | der mediendienst

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