The Weeknd - Kiss Land
erhältlich ab
13.09.2013
Genre
  • Hip Hop/Rap
  • R'n'B
Label
Republic - UMI
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:55:43
Redaktion
Eure Bewertung

Kein Blockbuster

Abel Tesfaye fährt seinen eigenen Film. Und wenn man so will, ist er darin gleichzeitig Regisseur, Hauptdarsteller und - zunächst - auch der einzige Zuschauer. Als er 2011 erstmals unter dem Pseudonym The Weeknd kostenlose Musik im Netz veröffentlichte, versteckte er sich und seine Identität hinter den Kulissen. Mit "House Of Balloons" und den beiden folgenden Mixtapes (zusammengefasst auf der vergangenes Jahr erschienenen Dreifach-CD "Trilogy") fand die klaustrophobische R'n'B-Seelenstrip-Show des inzwischen 23-jährigen Kanadiers dennoch ein breites Publikum. Mit "Kiss Land", seinem ersten "richtigen" Album, weigert er sich allerdings, noch größere potenzielle Zuschauer und -hörermassen zu seiner Vorführung einzuladen.

The Weeknd könnte leicht ein Blockbuster sein: Tesfaye genoss von Anfang die Unterstützung seines Landmannes, dem R'n'B-Superstar Drake (der auf dem Track "Live For" erneut einen Gastauftritt hat) und besitzt inzwischen einen Plattenvertrag mit einem Major-Label. Zudem bräuchte es keine großen Special-Effects, um seine unzensierten Nahaufnahmen von unerfüllbarer Liebe, gedankenlosem Sex und oberflächlicher Zärtlichkeit zu bester Popcorn-Kino-Unterhaltung zu machen. Mehr noch als etwa Justin Timberlakes Stimme erinnert Tesfayes Falsett in seiner unschuldigen, raumgreifenden Tiefenschärfe an Michael Jackson.

Doch das Multitalent igelt sich lieber weiter ein. Er gab in seinem bislang einzigen (!) Interview sogar zu, bis zu seinem 21. Lebenjahr seine Heimatstadt Toronto nie verlassen zu haben. Aber auch wenn er behauptet, nun auf seinem neuen Album die Erfahrungen zu verarbeiten, "die ich seither überall in der Welt gesammelt habe": "Kiss Land" wirkt zwar bildgewaltig und betörend, aber oft auch verschlossen und verstörend. Tesfaye selbst spricht von einer "massiven Leinwand-Ästhetik" seines Sounds, von seinem Wunsch, dass das Album wie ein "Horrorfilm" funktioniert.

Angesichts der breiten, düsteren Synthie-Flächen in seinen Songs trifft das auch zu. Gerade zu Beginn von "Kiss Land" schwankt jedoch die Kamera- und Melodieführung stark, während andererseits Schnitte fehlen und Songs nahtlos ineinander übergehen. Auch deswegen fällt es schwer, völlig in seine Bilderwelten einzutauchen. Zwischen den synthetischen Kulissen und minimalistischen Beats, zwischen den durchaus anschmiegsamen Zitaten (Samples von The Police, Dubstep-Künstlerin Emika und dem französischen Soundtüftler Sébastien Tellier) und den angsteinflößenden Effekten (beim siebenminütigen Titelsong erklingen Frauenschreie) muss man sich verlieren wollen.

So oder so: "Kiss Land" zieht nicht spurlos am Hörer vorbei. Auch weil einzelne Szenen sich ins Gedächtnis brennen. Der ratternde - sehr an Portisheads "Machine Gun" "angelehnte" - Drumbeat bei "Belong To The World" etwa, aber auch die Akustik-Gitarre in "Live For". Und in "Wanderlust" wagt Tesfaye sogar einen Rückblick, taucht ins Strobolicht einer 80er-Dark-Wave-Disco ab. Zugegeben: Das ist der einzige Blockbuster-Moment des Albums. Das Kinoticket für seinen Film lohnt sich dennoch.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 Professional Professional
2 The Town The Town
3 Adaptation Adaptation
4 Love In The Sky Love In The Sky
5 Belong To The World Belong To The World
6 Live For Live For
7 Wanderlust Wanderlust
8 Kiss Land Kiss Land
9 Pretty Pretty
10 Tears In The Rain Tears In The Rain

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