Tim Bendzko - Am seidenen Faden - Unter die Haut Version
erhältlich ab
06.12.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Columbia
Vertrieb
Sony
Laufzeit
01:39:10
Redaktion
Eure Bewertung

Kitsch vom Meister

Ja, es ist schon wieder der Bendzko. Der seichte, gewollt einfühlsame Sänger und Songschreiber. Der Berliner, der so behutsam mit Wörtern umgeht. Der in keinem Duschradio stört. Erst vor ein paar Jahren war er im deutschsprachigen Mainstream-Geschäft zu Ruhm gelangt, hatte Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" gewonnen und mit seinem Debütalbum "Wenn Worte meine Sprache wären" unzählbare Mädchenzimmer beschallt. Mittlerweile hat Tim Bendzko einen festen Platz in der Pop-Industrie, ist einer jener einst so eigenständigen, jetzt vor allem angepassten jungen Künstler. Bendzkos zweites Album "Am seidenen Faden" war im Mai dieses Jahres erschienen, jetzt erscheint es gleich noch mal: Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft veröffentlicht Bendzko alle Songs erneut plus zwölf weitere Stücke, teils eingesungen mit Gästen wie Cassandra Steen, Xavas und Chima, als "Unter die Haut"-Version des Albums.

Natürlich klingt Bendzko hierauf wieder gewohnt wohlwollend, warm, weich und weicher, singt von großen Gefühlen und Sehnsüchten, treibt alles und sich selbst melancholisierend am Hörer vorbei. Das aber stets in sehr gemäßigtem Tempo. Denn Bendzko versteht zwar viel von Massentauglichkeit in Melodie und Text, seine Lieder scheinen jedoch stets Ausdruck ähnlicher Gefühle zu sein, gehen nie so tief wie vielleicht gemeint oder erhofft. Etwas zu kitschig mag er es etwa im Titelsong ("Das geht mir unter die Haut wie ein warmer Sommerwind"), zu floskelhaft im einzigen Highlight unter den neuen Songs, "Bei Dir sein" mit der feinen Newcomerin Lary ("Ich will zu zweit mit dir alleine sein"), zu bemüht heiter mit Chima in "Vergiss es".

Fest steht: Das alles wird im Radio wieder rauf und runter laufen. Wird Bendzko ein paar schöne Weihnachtseuros bringen. Und natürlich bestätigt dieses Quasi-Doppelalbum Bendzkos Ruf als Garant für freundliche, frotteeweiche Pop-Ware. Aber wirklich berühren, wirklich reinwühlen in die Herzen derer, die genauer hinhören, das schafft er nicht.

Erik Brandt-Höge
teleschau | der mediendienst

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