Willie Nelson - To All The Girls ...
erhältlich ab
11.10.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Country
Label
Legacy
Vertrieb
Sony
Laufzeit
01:06:22
Redaktion
Eure Bewertung

Outlaw und Liebhaber

Er gilt gemeinhin als der ewige Country-Outlaw, erregt als Kämpfer für die Legalisierung von Marihuana immer wieder Aufsehen und wirkt - mit Verlaub - auch mit 80 wie ein altes Schlitzohr. Doch das ist nur die halbe Wahrheit über Willie Nelson: Seit Jahren gefällt er sich und dem Publikum als altersmilder Musikgeschichtsschreiber, als nach allen Seiten offener Brauchtumspfleger. Mit "Too All The Girls ..." belebt er nun die fast vergessene Tradition des Duetts wieder - es ist eine Ode an die Liebe und die (großen) Frauen in der Country-Musik.

Nelson setzt dabei einmal mehr auf eine möglichst große Bandbreite: Die 18 ausgewählten Songs reichen vom populären Country-Standard "Making Believe" bis zu "She Was No Good For Me", einem Song seines 2002 verstorbenen Freundes Waylon Jennings, der erst im letzten Jahr als Teil der posthumen Compilation veröffentlicht wurde. Er interpretiert den Elvis-Klassiker "Always On My Mind", aber auch "Dry Lightning", eines der traurigen Immigranten-Schicksale von Bruce Springsteens "The Ghost Of Tom Joad" (1995). Bei der Wahl seiner Duettpartnerinnen zeigt sich Nelson gerne als Vermittler zwischen den Generationen: Die Gästeliste reicht von der nicht mal 18-jährigen Newcomerin Lily Meola über gestandene Stars wie Alison Krauss, Norah Jones und Miranda Lambert bis hin zu Ikonen wie Mavis Staples und Loretta Lynn.

Und die großen Damen liefern auf "To All The Girls ..." die Höhepunkte. Sie sind es, die angesichts der warmen, leicht brüchigen Stimme von Nelson die notwendige Zurückhaltung beweisen und die Duette nicht durch übertriebene Inbrunst an sich reißen. Denn Dolly Parton mag äußerlich noch so exaltiert wirken, beim herrlich sentimentalen, aus ihrer Feder stammenden Opener "From Here To The Moon and Back" gibt sie sich mit Nelson ganz unaufgeregt der gemeinsamen Liebe (zur Musik) hin. Auch Emmylou Harris weiß, dass das sehnsüchtige "Dry Lightning" keine unnötige Vokalakrobatik braucht, um seine Wirkung zu entfalten. Doch auf Augenhöhe begegnet sich Willie Nelson vor allem mit Loretta Lynn: Wie wissend die beiden Altstars in Merle Haggards "Somewhere Between" über die Hindernisse und Unverständnisse einer großen Liebe singen, ist einfach atemberaubend.

Zwar können nicht alle der 18 Duette derart begeistern. Aber Nelson und seinem bestens eingespielten Team um Produzent Buddy Cannon gelingt erneut ein dezentes, geschmackssicher inszeniertes Album. Denn die Ikone versteht sich inzwischen weder als Kämpfer gegen den Genre-Mainstream noch als traditionsbesessener Kopist. Nein, "To All The Girls ..." untermauert einfach nur Nelsons Stellung als großer Country-Liebhaber.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

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