Against Me! - Transgender Dysphoria Blues
erhältlich ab
24.01.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Punkrock
Label
Xtramile
Vertrieb
Indigo
Laufzeit
00:28:49
Redaktion
Eure Bewertung

Zwischen den Fronten

Er machte Schlagzeilen: Natürlich erzählt "Transgender Dysphoria Blues" auch von den harten Zeiten, die Against-Me!-Frontmann Tom Gabel durchleben musste, bevor er durch eine Geschlechtsumwandlung zu Laura Jane Grace wurde. Aber mit ihrem neuen Werk erinnert sich die Truppe aus Kalifornien auch an die Zeit ihrer Anfangstage. Against Me! musizieren wieder energischer und bieten dem zuvor in ihrer Diskografie grassierenden Pop-Einfluss die Stirn. Kein Wunder vielleicht.

Der etwas schmuddelig daherkommende, vom Folk beeinflusste Punk-Rock der ersten drei Alben musste nach dem Wechsel zum Major-Label Sire auf dem Longplayer "New Wave" (2007) schließlich ja partiell einem alternativen Rock-Sound weichen. Der störrische Vibe der Anarcho-Punker aus Florida wurde fortan in ziemlich geordnete Bahnen gelenkt. Produzent Butch Vig (Nirvana, Garbage) weiß ja, wie man so etwas macht. Aufgeschichtete Vokalspuren und ein breitgefächertes Spektrum an Studio-Raffinesse machten Against Me! bereit für die Charts: Mit dem Nachfolger "White Crosses" (2010) gelang dem Quartett sogar der Einstieg in die US-Top 40, die gefundene Symbiose aus College-Rock und Punk schien perfekt.

Wäre da eben nicht der Umstand gewesen, dass Frontmann Tom Gabel seit seiner Kindheit an einer ausgeprägten Geschlechtsidentitätsstörung leidet und seine Erfahrungen, Gefühle und Wünsche manchmal über seine Songs verarbeitet hat. 2012 entschloss sich Gabel zum Coming Out, das zudem von einer Geschlechtsumwandlung begleitet wurde. Gabel darf nun Laura Jane Grace genannt werden, ein persönlicher Triumph, dessen finale Manifestation sie sich hart erarbeiten musste. "Transgender Dysphoria Blues" erzählt in teils rohen, ungeschönten Song-Brocken von der aufwühlenden und schwierigen Zeit, in der Grace Hass und Vorurteile entgegen schlugen.

Tracks wie "FUCKMYLIFE666", mit Fat Mike von NOFX als Gast am Bass, sprechen eine deutliche Sprache. "Black Me Out" bricht mit der Vergangenheit, während Graces Mitstreiter, darunter der neue Bassist Inge Johansson von den Schweden The (International) Noise Conspiracy, mit Verve spielen und die Harmonien druckvoll nach vorne drängen. Kraftvolle Statements und Trauerarbeit ("Dead Friend") gehen auf "Transgender Dysphoria Blues" Hand in Hand, sogar für akustische Momente ("Two Coffins") nehmen sich Against Me! Zeit. Trotz - oder vielleicht gerade wegen - der schwierigen Lebensphase ihres Frontmanns/ihrer Frontfrau haben Against Me! hier wohl das Album ihrer Karriere vorgelegt.

Constantin Aravanlis
teleschau | der mediendienst

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