Bela B. - bastard
erhältlich ab
17.02.2017
Genre
  • Rock/Pop
  • Rock/Country
Label
B-Sploitation
Vertrieb
Rough Trade
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Leben wie im Western

Die Frage, warum Hop Sing eigentlich nichts Chinesisches kocht, sondern Bohnen mit Speck, wurde in der Rezeption des Westerngenres bislang eher stiefmütterlich behandelt. Nun gut, Bela B kümmert sich drum und schenkt dem Chinesen in der ewigen Nebenrolle drei Minuten 28 auf seinem neuen Album. Humor hat bei allen Soloprojekten des inzwischen 54-Jährigen eine große Rolle gespielt. Und so ist es auch diesmal. "bastard" heißt die Platte, und sie schließt thematisch an das Ende 2016 veröffentlichte Live-Hörspiel "Sartana - Noch warm und schon Sand drauf" an. Bedeutet: Hier haben wir eine musikalische wie auch inhaltliche Hommage an den Spaghettiwestern. Oder anders: Frauen, die sich nicht mit Django auskennen, lässt Bela B alleine im Schaum der Blechbadewanne hocken. Unterstützt wird der Mann von den Ärzten auch diesmal von Peta Devlin, die viel Raum bekommt, und Smokestack Lightnin' als Begleitband.

Das Intro gehört jedoch einem anderen: der Synchronsprecher-Legende Rainer Brandt, die auch dem Hörspiel ihre Stimme lieh. Brandt, mittlerweile über 80, verfasste dermaleinst nicht nur die brillanten Dialoge für Tony Curtis und Roger Moore in der TV-Serie "Die 2". Er tat das auch für Bud Spencer und Terence Hill sowie für "Rauchende Colts" mit Marshal Matt Dillon und Deputy Festus Haggen. Immer wieder meldet er sich auf dem Album mit charmanten Sprechtexten zu Wort und berichtet über qualvolle Niederlagen im Duell, die "im staubigen Staub der Staubwüste" enden.

Dazu gibt es zehn Songs plus ein zusätzliches instrumentales Intro. Was die Titel eint: Sie zielen mitten hinein in den Wilden Westen. Viel Blei, viel Wüstenwind und drumherum die Geier, die ihr Besteck wetzen. Es entsteht ein ungemein liebevoller Ausflug zu den Kerlen, die noch Kerle sind, und zu den Frauen, die ihre Rolle als Miss Kitty mit dem Maximum an Selbstbewustssein ausfüllen.

Musikalisch regiert mal der Galopp, mal der Trab, mal der Schritt - Hauptsache Pferde-Rhythmus! Natürlich ist das hier langsame Country-Musik, aber stellenweise eben auch gewürzt mit Rock, wenig Pop und Morriconeschem Pathos. Man muss das nicht mögen, aber ihn schon, diesen Bela B. Es kümmert ihn ganz offensichtlich einen Kakerlakenschiss, ob das hier der riesengroße Erfolg wird. Wird es natürlich nicht. Was Bela macht, ist klar zu abseitig, zu nischig. Aber dann sind die Hallen eben kleiner bei einer folgenden Tour, auf der ihm die treuesten der treuen Gefährten aber sowieso folgen. Bela B tut, wenn Die Ärzte mal Pause haben, tatsächlich das, was ihm Spaß macht. Insofern ist er ein beneidenswerter Künstler.

Aber auch all jene, die die Gesetze des Italowesterns nicht aus dem Stegreif herunterbeten können, sollten es mit diesem Album mal versuchen. Es enthält hübsche musikalische Perlen wie die szenische Wanderung "Zuhaus", das Frauenrecht-Ding "Das schwache Geschlecht" und den musikalisch äußerst klugen Song "Bärenjagd". Die Auskopplung "Einer bleibt liegen" transferiert den Männer-Traum von Freiheit und Abenteuer auf ironische Weise in die Gegenwart und wird befeuert durch ein charmantes Video mit der Augsburger Puppenkiste.

Wenn man dem allem dann doch etwas vorhalten will, dann dass es Bela B mit der Augenzwinkerei ein bisschen übertreibt. Fast könnte man meinen, das sei damals in den Dünen der Wüsten für den einsamen Rächer tatsächlich ein echter Spaß gewesen, einen nach dem anderen umzulegen. War es sicher nicht. Womöglich endete es ruckzuck am Boden, und dann ist schon Sand drauf.

Kai-Oliver Derks
teleschau | der mediendienst

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