Gianna Nannini - Inno
erhältlich ab
18.01.2013
Genre
  • Rock/Pop
Label
RCA
Vertrieb
Sony Music
Laufzeit
00:42:41
Redaktion
Eure Bewertung

Allerletzte Hymnen

Gianna Nannini provoziert gerne. Für das Cover ihres letzten Albums "Io e te" (2011) ließ sich die italienische Rockröhre hochschwanger ablichten. Für "Inno" (zu deutsch: "Hymne") posiert die 56-Jährige nun in einer Art Mönchskutte, die man von Bettelorden kennt. Fordert Nannini nach ihrem spätem Mutterglück also nun erneut die empörten Reaktionen - gerade im katholischen Italien - geradezu heraus? Ihr neues Album gibt darauf keine eindeutigen Antworten.

Dass das Covermotiv kein reiner Selbstzweck ist und der Titel wohl tatsächlich auf geistliche Hymnen anspielt, offenbart sich bereits am Anfang von "Inno": Es beginnt mit einem 20-sekündigen "Chorale", im Verlauf des Albums verhandelt Nannini dann erste, letzte, existenzielle Themen. Und das in durchaus religiösen oder mindestens archaischen Metaphern: Sie beschwört die Ewigkeit der Liebe ("Indimenticable") und sieht gelassen dem Ende der Welt entgegen, wenn ihr Engel bei ihr ist ("La Fine Del Mondo"). Gianna Nannini richtet sich sogar an Gott persönlich und fragt, wo er angesichts einer "zitternden Erde" eigentlich ist ("Dimmelo Chi Sei").

Ob die kontroverse Rockröhre damit bewusst anecken will, bleibt ihr Geheimnis - und ist für viele (deutsche) Hörer wahrscheinlich ohnehin irrelevant. Aber die übergroßen Worte und Bilder finden ihren Widerhall auch in der Musik: Zwischentöne lassen Nannini und ihr musikalischer Langzeitpartner Wil Malone (Massive Attack, The Verve) kaum zu. Oder anders ausgedrückt: Unter der groß angelegten Pop-Hymne macht es die Italienerin nicht. Streicher werden aufgefahren, ihre Stimme und alle Produktionsmittel ausgereizt, um selbst der letzten, eher gemächlichen Nummer eine (Über-)Portion Pathos zu verleihen. Da sticht der schnellere, fast schlanke Rock von "Scegli Me" geradezu positiv hervor.

Für den Großteil von "Inno" gilt aber: Was auch immer Gianna Nanninis Absichten mit diesem Album waren, sie schießt etwas übers Ziel hinaus, bewegt sich sehr nah an der Grenze zum Kitsch. Und ob sie ihr Publikum auf diese Art provozieren wollte, darf bezweifelt werden.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 Chorale
2 Indimenticabile Indimenticabile
3 Nostrastoria Nostrastoria
4 Danny Danny
5 Ninna nein Ninna nein
6 In the Rain In the Rain
7 Scegli me Scegli me
8 Inno Inno
9 La fine del mondo La fine del mondo
10 Dimmelo chi sei Dimmelo chi sei
11 Lasciami stare Lasciami stare
12 Tornerai Tornerai
13 Sex, drugs and beneficenza Sex, drugs and beneficenza
14 In camera mia In camera mia

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