Gianna Nannini - Hitalia
erhältlich ab
05.12.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Rock
Label
Epic
Vertrieb
Sony
Laufzeit
00:56:59
Redaktion
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Rockt mit Respekt

In Italien ist Gianna Nannini längst ein Nationalheiligtum. Auch oder gerade weil sie als eigenwillige und selbstständige Künstlerin die katholisch geprägte, patriarchalische Gesellschaft Italiens immer wieder herausforderte: Einst, Ende der 70er-Jahre, mit Song-Texten über Abtreibung und weibliche Lust, zuletzt mit ihrer späten Mutterschaft mit 54. Bereits damals, 2011, auf "Io e te", das sie ihrer Tochter Penelope widmete, provozierte Nannini auch musikalisch mit einer verstörend rockenden Neuaufnahme von "Volare (Nel blu dipinto di blu)", der heimlichen Nationalhymne des Landes. Ihr neues Album ist nun eine Art logische Fortsetzung: Auf "Hitalia" covert die Rockröhre 16 weitere populäre und stilprägende Titel aus der italienischen Musikgeschichte.

Nannini nimmt sich allerdings eher ausgesuchten Liedern als abgenudelten Hits an. Die meisten der Originale stammen aus den 60er-Jahren und zeigen die große Bandbreite, die die italienische Musik damals entwickelte: von der großen Schnulze ("Il mondo" von Jimmy Fontana) bis zum klassischen Liedermacher-Song ("La Canzone di Marinella" von Fabrizio d'Andrè), von der Beat-Pop-Perle ("Pugni chiusi" von I Ribelli) bis zur weltbekannten Serenate ("Io che non vivo senza te" von Pino Donaggio, das in der englischen Version, "You Don't Have to Say You Love Me", von Dusty Springfield 1966 ein Hit wurde). Nannini macht auch vor zwei weiteren auch außerhalb Italiens bekannten Klassikern nicht Halt: Sie interpretiert die Schmachtfetzen "Mamma" und "'O Sole Mio".

Dennoch richtet sich "Hitalia" mit seiner Songauswahl natürlich in erster Linie an ihr italienisches Publikum. Sie verbeugt sich tief vor den Musiktraditionen des Landes, ohne dabei den Kotau zu machen, aber auch ohne Autoritäten zu verschrecken. Vielmehr eignet sich Nannini dank ihrer einzigartigen Stimme die Lieder an und verpasst ihnen, gemeinsam mit ihrem Langzeitproduzenten Wil Malone (Massive Attack), ein sinfonisches Rock-Gewand, das auch ihre letzten Alben mal mehr, mal weniger auszeichnete.

Streicher vermitteln Pathos und Intimität, etwa bei "Caruso" von Lucio Dalla, Rockgitarren unterstützen die hymnische Qualität der Songs, am schönsten beim vorab ausgekoppelten "Lontano dagli occhi" von Sergio Endrigo. Große musikalische Überraschungen bleiben aus, die Sitar-Sounds, die in "Dedicato" die 70er-Synthies des Originals ersetzen, sind da schon einer ungewöhnlicheren Arrangement-Ideen. Dass Nanninis Interpretationen für ihre Verhältnisse fast konservativ ausfallen, muss aber auch nicht weiter kümmern. "Hitalia" ist das Album einer nationalen Heiligen, die - ihrem Status angemessen - den Klassikern ihre Würde erweist und belässt.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

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