Mono Inc. - Nimmermehr
erhältlich ab
09.08.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Gothic Rock
Label
No Cut
Vertrieb
SPV
Laufzeit
00:47:36
Redaktion
Eure Bewertung

Ein Kanal, zwei Sprachen

Es ist ein ambivalentes Verhältnis, das die dunkle Szene zu sonnigen Erfolgszahlen hat. Einerseits natürlich schön, wenn ihre Musik dadurch von Vorurteilen befreit und einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden kann. Andererseits kritisch, schließlich geht es um ein spezielles Umfeld, spezielle Menschen, spezielle Ausdrucksformen. Spätestens seit der Graf mit Unheilig einen enormen Bekanntheitsgrad erreicht hat, werden die Reibungspunkte deutlich. Auch Mono Inc. landeten mit dem 2012 erschienenen "After The War" auf Platz 6 der Charts. Und "Heile, heile Segen", die Vorabsingle von "Nimmermehr" ließ erahnen: Das kann noch schlimmer kommen.

Ein abgewandeltes Kinderlied, dazu Gitarrenwände, fein dosiertes Schaudern im Background und eine Melodie, welche sich mit dem Tempo eines Düsenjets ins Gehirn fräst. Das sind die Zutaten, aus denen "Heile, heile Segen" zum todsicheren Hit geformt wurde. Die Reaktionen fielen gespalten aus, nicht nur aufgrund des deutschen Gesangs, der für Mono Inc. eine neue Facette darstellt. Neben ermunterndem Lob fielen Worte wie "ZDF Fernsehgarten" und "Schlager". Und an was erinnert einen das? Genau. Geboren, um Erfolge zu feiern. Und das bei einer Institution, die Ohrwürmer zwar immer schon auf schwarzem Samt bettete, sich dabei jedoch eher dunkle Tanztempel anstatt helle Fernsehstudios als Herbergen aussuchte.

Auch "Kein Weg zu weit" wagt sich nah an das poppige Minenfeld. Mit von der Partie ist hier Altmeister Joachim Witt, welcher Mono Inc. auch auf ihrer kommenden Tournee begleiten wird. Aber "Nimmermehr" ist alles andere als ein hit-triefendes Monster geworden. Auf der harten Seite gibt es "Seligkeit" und "The Clock Ticks On", auf der weichen "Alles was bleibt" und "Nimmermehr", zwei vom Klavier getragene, ungeschminkte Reflexionen über die Endlichkeit des Lebens. Und das ebenfalls vorab bereits zugänglich gemachte "My Deal With God" verbreitet mit seiner zügigen Dark-Rock-Attitüde sowie einem unwiderstehlichen Refrain flächendeckende Zufriedenheit. Gut möglich, dass "Nimmermehr" das erfolgreichste Album von Mono Inc. wird. Eines ihrer spannendsten ist es bereits geworden.

Alexander Diehl
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Days Like This Days Like This
Heile, Heile Segen Heile, Heile Segen
The Clock Ticks On The Clock Ticks On
Alles was bleibt Alles was bleibt
Kein Weg zu weit Kein Weg zu weit
My Deal With God My Deal With God
Euthanasia Euthanasia
Viva Hades Viva Hades
Avalon Avalon
Herzschlag Herzschlag

1 Kommentare

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23. August, 11:03 Uhr
von Thomas

Ich war mehr als skeptisch. Aber in Sachen Songwriting und Abwechslung sind die Hamburger wirklich einen Schritt nach vorne gekommen. Die letzten Alben fand ich immer noch gut, aber sie haben ein eingefahrenes Konzept wiederholt. Hier gibts in Sachen Lyrics und Melodien, elektronische Spielereien, stimmliche Variationen etwas mehr Abwechslung und das tut gut! Und die deutschen Texte sind, bis auf wenige Aussetzer, gut gelungen und passen ebenfalls zur STimme des Sängers. Das ergänzt sich gut, dieses zweisprachige. Was ich mir noch wünschen würde, wären ein paar Texte auf Deutsch, die etwas düsterer sind und zwinkernd mit dem Klischee spielen wie Euthanasia, voices of doom oder ähnliche englische Titel. Dieses augenzwinkernde, sich nicht ganz ernst nehmende, das haben sie drauf. Das könten sie noch in ihre Muttersprache packen, wenn sie sie schon auch verwenden. anstatt die den eher harmlosen TExten vorzubehalten. Ansätze sind schon zu erkennen! Aber auch ohne die augenscheinlichen Veränderungen, Songs auf deutsch, Inder chor, wäre das Album noch in seinen Nuancen wirklich abwechslungsreicher, frischer, spannender als der Vorgänger.

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