Toxpack sorgte mit aggressiver Kunst für Stimmung

Mon, 15 Oct 2012 11:45:00 GMT von

Derzeit befindet sich die Streetcore Band Toxpack auf Promotour für ihr neues Album "Bastarde von Morgen". Zusammen mit Boykott und Eschenbach wurde gestern im Bremer Tivoli zur Pogoparty eingeladen.

Am vergangenen Donnerstag war das Auftaktkonzert zur "Bastarde von Morgen Tour 2012" in Hamburg und gestern durften sich dann alle Freunde der harten Klänge in Bremen ordentlich was um die Ohren hauen lassen. Ein musikalisches Trio aus den Bands Boykott, Eschenbach und Toxpack wetteiferte im Tivoli um die Gunst der Fans, die leider nicht so zahlreich erschienen war, wie man es hätte vermuten können.

Als traditioneller Veranstaltungsort für Musikergeignisse mit ordentlich Drum 'n Bass ist das Gebäude im Bremer Stadtteil Hemelingen seit Generationen bekannt. Selbst heutige Großväter haben dort als Halbwüchsige ordentlich abgerockt, wenn auch meistens im Aladin, das sich nur eine Tür weiter befindet. Vielleicht hielt ein eher wissenschaftlich-sportliches Großereignis manchen potentiellen Zuhörer davon ab, sich auf den Weg zur ehrwürdigen Halle zu machen. Denn zeitgleich fand im Fernsehen die Liveübertrag von Felix Baumgartners Stratosphärensprung statt.

Halle kommt von Hall, oder so

Etwas enttäuschend wirkte die ungenügend gefüllte Halle im Tivoli sicher nicht nur auf meine Wenigkeit, die mit der Hoffnung etwas Besonderem beiwohnen zu dürfen, angereist war. Der Klang von "In Gottes Namen" oder "Durstige Männer" (Coversong der Dimple Minds) hatte somit auch ein wenig zuviel Hall-Effekt. Technik und Band gaben dennoch ihr Bestes den Genuss für alle Anwesenden weitestgehend zu optimieren. Wer sich an diesem Abend hierher aufgemacht hatte, schien ohnehin wild entschlossen eine Party zu feiern.

Der Songtext zu "Durstige Männer" lautet im Refrain "Durstige Männer, so wie wir, trinken kaltes Bier". In Zeiten der Emanzipation natürlich Quatsch, der Gerstensaft floss reichlich durch die Kehlen der Durstigen, aber davon gab es auch viele Frauen. Die Wirkung liess ebenfalls nicht lange auf sich warten und die Pogo-Party ging ab. Weil es wie schon erwähnt, nicht sehr voll war, hatten alle Tanzwütigen reichlich Platz sich auszutoben. Der eine oder andere Bodenkontakt blieb dabei nicht aus, aber es ging ohne mit der Wimper zu zucken immer weiter. Niemand brauchte jedoch zu fürchten, die Grenze seiner körperlichen Belastbarkeit zu überschreiten, da zwischen den einzelnen Bandauftritten immer reichlich Zeit zum Regenerieren blieb.

Intimes Ambiente

Auch wenn eine Band wie Toxpack oder Eschenbach auf eine beachtliche Zeit an Jahren zurückblicken kann, in denen sie ihren Erfolg vergrößerte, so wurden die Umbauarbeiten von einem Auftritt zum nächsten nicht durch ein Geschwader von Crewmitgliedern erledigt - nein die einzelnen Musiker packten selber mit an. Sie stellten Instrumente auf, bauten Kabel und Mikrofonständer um, erledigten den Soundcheck und kümmerten sich untereinander um das richtige Teamgefühl.

Im Vergleich mit Konzerten diverser Topstars, wo man den Künstler erst wenn die Show beginnt zu sehen bekommt und alles nur von Bodyguards und Crew wimmelt, vermittelte der gestrige Abend ein Gefühl von "dazu gehören". Wie eine Familie, die ein gemeinsames Fest feiert, wo alle ihre Aufgabe haben, fühlte sich diese Veranstaltung gestern für mich an. Stimmungsmäßig lies sich von Act zu Act ein Anstieg feststellen, die Musik wurde immer ein bisschen härter und das eine oder andere Dezibel lauter. Eschenbach spielte heftigere Riffs und sang tiefere Töne als die Vorgänger.

Aggressive Kunst

Auch wenn die Zuhörer überwiegend männlich waren, konnte man die Damenwelt nicht übersehen. Auch sie lieben Streetcore und offenbar die Lyrik der angebotenen Songs. Einige der Mädels hätten mit Riitchy Schwarz von Eschenbach oder später mit Schulle von Toxpack am Mikro ein Duett performen können, so textsicher waren sie. Die Jungs im Saal gaben sich dann doch eher dem Pogo und recken der Arme hin. Sogar die Frage "Bist du Deutschland?" wurde begeistert beantwortet durch Kopfnicken und Luftsprünge.

Aber auch der zweite Gang an diesem Herbstabend dauerte nicht sehr lange und das Feld wurde für den Headliner geräumt. Wieder eine Pause für den Umbau, kurz ein Gang in die Keramikabteilung und am Zapfhahn schnell noch ein kühles Blondes geholt, bevor der Höhepunkt kommt. Langsam ging es schon auf die Zehnte Stunde zu, aber dann endlich betraten Schulle, Tommi, Erik, Martin und Hinni die Bühne. Noch ein letzter Check-Up, ob die technischen Voraussetzungen stimmen und Toxpack machten die Hütte klar. Lauter, härter und durchdringender als alles bisher da gewesene, nahmen die Bastarde von Morgen das Haus in Besitz.

Mit einem Male füllte sich der Platz vor der Bühne, auch der letzte Fan kam aus seinem Versteck gekrochen und hing an den Lippen des einnehmenden Frontmannes. "Aggressive Kunst" wurde ab jetzt dargeboten. Wie ein Dirigent ruderte Schulle mit den Armen, zog das Volk zu sich her und dieses unterwarf sich seiner Herrschaft willig. Jetzt schwappte das Bier über den Becherrand und die Stimmbänder wurde strapaziert. Ja, so hatte ich mir ein echtes Hardcore Konzert vorgestellt, ohne Rücksicht auf Verluste ging die Meute ab. Währen es noch 150 Fans mehr gewesen, es hätte sich großartig angefühlt.

Das Problem sind wir selbst

Der Titel "Das Problem sind wir selbst" sagt eigentlich bereits alles, zeigt beim Zuhören aber auch wie sozialkritisch die Texte dieser Band mittlerweile sind. Also nicht nur Wein und Weib, wie im Lied "Suff und wilde Spiele", sondern Tiefgang sind gefragt. Alles in allem lässt sich sagen, dass all diejenigen, die normalerweise auf den härteren Bereich der Musikwelt stehen, und nicht im Tivoli waren, gestern ein paar nette Stunden verpasst haben. Karten hätte es genug gegeben und der Sprung von Felix Baumgartner hätte sich durch die heimische Unterhaltungselektronik fixieren lassen, ein Livekonzert heißt immerhin so, weil man es nur vor Ort miterleben kann.

Wer nun doch noch überlegt, eine der Shows der "Bastarde von Morgen Tour 2012" anhören zu wollen, dem sei gesagt es ist noch nicht zu spät. Bis zum 21.10. sind die Jungs noch unterwegs und wohin ihre Reise geht seht ihr in der Übersicht.

Bastarde von Morgen Tour 2012 mit Boykott - Eschenbach -Toxpack
17.10. Frankfurt/Main - Nachtleben
18.10. Rostock           - Mau Club
19.10. Oberhausen     - T-Club (Turbinenhalle)
20.10. Erfurt                - From Hell
21.10. Dresden           - Club Puschkin
Toxpack in Berlin
22.12. Berlin               - SO 36


  

 



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