Der Kranich ist gelandet

Mon, 15 Dec 2014 13:13:00 GMT von

Bremen stellte Axel Bosse und seinem Orchester gestern das Rollfeld für eine "Leise Landung" zur Verfügung. Im Pier 2 feierten den zweiten Abend in Folge 1800 Menschen eine grandiose Akustik-Performance.

Bosse, der Musiker aus Braunschweig, der mit seinem "Kraniche" Album schon seit Frühjahr 2013 unterwegs ist, erfüllte sich in diesem Jahr einen Wunsch. Nicht nur sich selbst, sondern auch Tausenden von Fans bescherte er mit seiner Akustik-Tour "Leise Landung" wundervolle Momente. Axel Bosse wollte ursprünglich, so zumindest erklärte er es am 14. Dezember im Bremer Pier 2, nur mit Cello und Piano ausgestattet eine Akustik-Tournee starten. Aus einem Dreiergespann wurde schließlich aber ein Team von zwölf Musikern. Und weil ein so großes Ensemble natürlich mit entsprechendem Kostenaufwand verbunden ist, mussten auch die Konzerthallen ein bisschen mitwachsen, damit sich das Projekt rechnet.

Bremen im Doppelpack

Bosse bedauerte diesen Umstand, weil er in Bremen eigentlich am liebsten im Schlachthof auftritt, der mit seinem Fassungsvermögen in diesem Fall jedoch überfordert gewesen wäre. Akis Tourmanager, berichtete der Sänger, hätte gemeint, dass sie dort so viele Konzertabende hintereinander hätten geben müssen, da wären sie bis Weihnachten nicht fertig geworden. Dann also zweimal Pier 2 und fertig ist die Geschichte. Auch diese beiden Konzertabende waren schnell komplett ausverkauft. Bremer haben halt einen guten Geschmack.

Nur vom Feinsten

Das Pier 2 ist nun nicht unbedingt eine Adresse für bestuhlte Konzerte, doch mit ein wenig Deko wird aus dem großen Club trotzdem ein angemessener Ort für eine Deluxe-Show. Die Bühne erhielt, den für diese Tour üblichen großen Raff-Vorhang als Kulisse, dazu eine ausgeklügelte Lightshow und eine gewaltige Ansammlung von Orchester-Instrumenten. So in Szene gesetzt, fühlte sich das erwartungsfrohe Publikum in festliche Stimmung versetzt. Eine Vorband gab es nicht und das Konzert fing, angekündigt durch Gongschläge, pünktlich an.

3 Millionen

Diese Zahl passt nun wirklich nicht in den Club an der Weser, aber rund 1800 Gäste empfingen Bosse und sein Orchester mit jubelndem Applaus, als dieser sein erstes Stück "3 Millionen" anstimmte. Die "Leise Landung" war wie das gemeinsame Durchblättern von Bosses Poesiealbum. Seine Texte basieren oftmals auf persönlichen Erlebnissen. So erklärte der Braunschweiger in spannenden und amüsanten Rückblenden wie ihm die Ideen zu den einzelnen Liedern kamen. Ob es nun die Tristesse von Omas Wohnort, Nahe der Polnischen Grenze war, die zum Song "Frankfurt Oder" inspirierte, oder die Erlebnisse der Kindheit und Jugend am Meer, mit den immer gleichen Freunden Jahr für Jahr, zu hören in "Alter Strand". Bosse erzählte, flachste rum und malte dem Publikum auf diese Weise Bilder in die Köpfe.

Stillsitzen unmöglich

Von Anfang an, kamen die Zuschauer Bosses Aufforderung nach, sich gerne von den Stühlen zu erheben, bei Bedarf mit ihnen zu werfen (was aber zum Glück niemand tat) und vor allem zu tanzen und mitzusingen. Textsicherheit konnte man der großen Mehrheit auf Anhieb attestieren. Die Stimmung während des Konzerts befand sich durchgängig auf hohem Niveau. Es wurde frenetisch geklatscht, gesungen und begeistert gepfiffen. Das erfreute die gesamte Musikergruppe ebenso wie ihren Sänger. Allerdings blieb einem als Zuhörer auch keine andere Wahl als in einen Sturm der Begeisterung auszubrechen. Zu ansteckend war die gute Laune von Bosse und zu genial das Können seiner teils Multiinstrumentralisten.

Verschnaufpause

Wie bei einer Theaterveranstaltung gab es nach der Hälfte des Konzerts eine sogenannte "Prosecco-Pause". Das war einerseits eine super Sache um sich die Kehle mit einem frischen Getränk zu befeuchten, oder aber dem Sanitärbereich einen Besuch abzustatten. Andererseits machte dieser Programmpunkt klar, dass man sich unaufhörlich dem Ende eines tollen Konzerterlebnisses näherte.  Bosse-Konzerte sind per se ein Ereignis besonderer Güte, vorgetragen von einem riesigen Arsenal unterschiedlichster Instrumente, potenziert sich dieser Genuss weiter. Von der Violine, über Posaune, Orgel, Kontrabass, Akkordeon, Xylophon und vieles mehr, waren natürlich auch Standardinstrumente wie Gitarren und Schlagzeug mit von der Partie.

Von der Beleuchtung mal ganz abgesehen, die dem Ganzen das passende Sahnehäubchen aufsetzte. Um es auf den Punkt zu bringen: Ganz großes Kino! Das kam auch im emotionalen Ausbruch eines weiblichen Fans hinter mir zum Ausdruck: "Das ist das schönste Konzert, das ich je erlebt habe", erklärte diese mit vor Begeisterung bebender Stimme ihrer Begleitung.

Bodenkontakt

Viel zu schnell war der Zauber dieses Abends beendet. Nach insgesamt etwa zwei Stunden, oder umgerechnet gut 20 Songs, gingen die Lichter auf der Bühne aus. Drei Zugaben bot Bosse seinem unersättlichen Publikum ("Gegen Murphy", "Kraniche", "Nach Haus"). Der Hauptteil des Konzerts setzte sich überwiegend aus den Liedern seiner Alben "Wartesaal" und "Kraniche" zusammen. Gewürzt wurde das Repertoire noch durch einige Stücke aus "Guten Morgen Spinner" und "Taxi". Die Auswahl kann getrost als sehr gelungen gewertet werden. Egal, ob laut oder leise, Bosse sang seine Songs aus tiefster Seele und vollem Herzen.

Erschöpft aber glücklich

Nach der letzten Note bot Axel Bosse das Bild, was man von ihm kennt: nassgeschwitzt, aber saumäßig glücklich. Vielleicht hatten seine Fans keine dringend benötigte Dusche auf dem Programm, aber einen hohen Endorphinspiegel werden sie alle gehabt haben. Am gestrigen Sonntagabend meldete der Kranich erfolgreichen Bodenkontakt.

Ein letztes Mal wird er noch seine Kreise über einer Bühne ziehen - und zwar heute, am 15. Dezember im Berliner Admiralspalast. Muss noch erwähnt werden, dass das Konzert längst ausverkauft ist? Bremen jedenfalls kann es kaum abwarten, Bosse bald wieder zu empfangen.

 



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