George Michael: Alles nur Spekulation

Fri, 14 Jun 2013 14:26:14 GMT von

Es geht ihm gut. Alles andere ist reine Spekulation. Als George Michael Mitte Mai in einen - zugegeben seltsamen - Unfall verwickelt war, war die mediale Aufregung groß:

Wollte der Sänger Selbstmord begehen, als er auf einer Autobahn aus der Beifahrertür eines Range Rovers fiel? Wie schwer waren seine Verletzungen? Wer war bei ihm? Die näheren Umstände bleiben ungeklärt. Sicher ist nur: George Michael ist inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden, er "ruhe und erhole" sich, so ein offizielles Statement auf seiner Homepage. Der Vorfall ist bezeichnend. Denn George Michael, der am 25. Juni seinen 50. Geburtstag feiert, ist immer noch für viele Schlagzeilen gut - obwohl sein letztes Studioalbum schon fast zehn Jahre zurückliegt. Und trotz seiner offenherzigen, ehrlichen und meinungsstarken Art lässt das Verhalten des Superstars - bewusst oder unbewusst - immer wieder genug Raum für Spekulationen.

Keine Reunion

Eines der beliebtesten Gerüchte ist dabei noch am einfachsten zu dementieren. Denn Spekulationen um eine Wham!-Reunion tauchen immer wieder auf. Schließlich war es das Duo, mit dem der in London geborene Georgios Kyriakos Panagiotou zu George Michael wurde. Aber auch wenn er seinen anfänglichen Ruhm, seinen Ruf als feuchter Teenie-Schwarm dem hedonistischen ("Wake Me Up Before You Go-Go", "Club Tropicana") und kitschigen ("Last Christmas") 80er-Jahre-Pop von Wham! verdankt, schließt er eine Wiedervereinigung mit seinem damaligen Duo-Partner Andrew Ridgeley kategorisch aus. Wham! seien auch eine Frage des Alters, erklärte Michael dazu. Das überschwängliche Gefühl der Jugend könne man nicht einfach so wiederherstellen, deswegen blieben "die weißen Shorts definitiv im Schrank" und Wham "eine sehr schöne Erinnerung".

Verblassende Erinnerungen

Doch auch die Erinnerungen an George Michael, den Solo-Superstar, verblassen langsam. An den Sänger, der sich mit Alben wie "Faith" (1987) und "Listen Without Prejudice" (1990) mehr als erfolgreich emanzipierte. Der mit Songs wie dem Funk-Knaller "I Want Your Sex" oder gefühlvollen Balladen wie "Careless Whisper" zum erwachsenen Sex- und Soul-Symbol wurde. Der sein peinliches, öffentliches Outing bei einer Festnahme durch die Polizei auf einer Herrentoilette grandios mit dem Video zum Disco-Pop-Hit "Outside" parodierte. Fakt ist: Sein letztes Studioalbum "Patience" erschien bereits 2004. Das letzte musikalische Lebenszeichen war die eher maue Dance-Pop-Single "White Light", die er 2012 auch zur Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London performte. Doch die Frage bleibt: Wann kehrt er endlich mit einem Album zurück, das seinen Qualitäten gerecht wird?

Noch keine Antwort

Bislang bleibt er eine endgültige Antwort darauf schuldig. 2005 erklärte er, dass er gar keine Alben mehr veröffentlichen wolle. Schließlich hieß es, er wolle seiner "Symphonica"-Tournee ein dazugehöriges Album mit Orchester-Versionen seiner Hits folgen lassen. Im Juli 2012 gab er zu Protokoll, die Arbeit an "White Light" habe ihm neue Energie gegeben und er hoffe, noch im Herbst, ein Album mit völlig neuen Songs veröffentlichen zu können, "wenn ich mich wirklich reinhänge". Im September dann erklärte er in einem Interview mit "Wales Online", dass die Arbeit "gut vorangehe". Es sei sein "radiofreundlichstes Album seit langer Zeit" und "sehr optimistisch", so Michael, "Ich habe noch keinen Titel, aber ich denke, dass es Anfang nächsten Jahres rauskommt".

Verzögerungstaktik?

Was die Veröffentlichung immer wieder hinauszögert? Sicher auch sein Gesundheitszustand, der zu Spekulationen Anlass bietet. Und eine gewisse Sorge scheint berechtigt, spätestens seit Michael im November 2011 aufgrund einer lebensbedrohlichen verschleppten Lungenentzündung einen Monat lang in einem Wiener Krankenhaus behandelt werden musste. Denn nach der Genesung folgte bald ein erneuter Rückschlag, erst im letzten September musste er aufgrund "großer Angstzustände" erneut Konzerte absagen.

In einer Stellungnahme erklärte Michael damals auf seiner Website: "Seit meiner Krankheit letztes Jahr habe ich erfolglos versucht, das Trauma zu überwinden, von dem die Ärzte, die damals mein Leben retteten, mich gewarnt hatten". Ihm sei geraten worden, sich auszuruhen, er habe hingegen "fälschlicherweise angenommen, dass Musik zu machen und für sein Publikum aufzutreten die beste Therapie seien".

Sorglosigkeit oder Starrsinn?

Ein Zeichen von unbekümmerter Sorglosigkeit oder doch von ungesundem Starrsinn? Beides kann man Michael nicht völlig absprechen. Er bekannte sich zu seinem Haschisch-Konsum, 2007 verlor er nach einem Drogentest seinen Führerschein. Das habe er verdient, räumte er in einem Interview mit dem "Guardian" ein: "Ich hatte etwa eineinhalb Jahre Problem mit Schlaftabletten und ich hab's total versaut." Aber auch damals tat er die Sorge um seine Gesundheit ab, verbat sich gut gemeinte Ratschläge, etwa von seinem großen Idol und Freund, Elton John: "Er wird nicht glücklich sein, bis ich mitten in der Nacht an seiner Tür klopfe und sage 'Bitte, bitte, hilf mir, Elton. Bring mich in die Entzugsklinik.' Das wird nicht passieren."

Coming Out

Michaels absolute Offenheit - auch bei Fragen nach seiner Homosexualität - verblüfft oftmals. Warum er sich so gibt? Seit seinem aufsehenerregenden Outing, den Drogen-Schlagzeilen und anderen Skandälchen, so gab er 2009 zu, fühle er sich "normaler". Die Rolle als Sex-Symbol und perfekte Projektionsfläche will er nicht länger spielen. "Ich glaube, dass die Leute nicht mehr so neidisch sind, wenn sie deine Schwächen sehen", so Michael, "Und ich sehe vieles auch nicht mehr als Schwäche an. Das ist einfach, wer ich bin."

Twitter für den Fankontakt

Auch als regelmäßiger und aktiver Twitterer präsentiert sich Michael dementsprechend nahbar und unverstellt: Er gratuliert seinem Freund, dem Promi-Hairstylisten Fadi Fawaz, zum Geburtstag ("ein spezieller Tag in meiner Welt"), macht lautstark sich für Schwulenrechte stark, mokiert sich über Madonna-Videos ("Sie sieht gut aus ... den Song sollte ich besser nicht kommentieren") und ruft sogar auf, ihn anzurufen, weil sein Telefon kaputt gegangen ist und keine Nummer gesichert hatte.

Arbeit an neuer Platte

Die bislang letzte Nachricht? Er sei "wieder zurück im Studio" und "arbeite am neuen Album", twitterte er Ende Januar. Seitdem herrscht dort Funkstille. Aber vielleicht kehrt er ja bald mit Musik zurück, die sämtlichen anderen Schlagzeilen und Spekulationen ein Ende bereitet.

teleschau | der mediendienst



1 Kommentare

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15. Juni, 23:44 Uhr
von Susi

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