Bundesvision Song Contest: Alles wie gehabt?

Wed, 11 Sep 2013 14:44:00 GMT von

Die Kreativabteilungen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dürften sich bis heute schwarzärgern. Der von Stefan Raab 2005 ins Leben gerufene "Bundesvision Song Contest" (BuViSoCo) mag anfangs wie eine weitere wilde Idee des ProSieben-Moderators geklungen haben.

Doch der Grundgedanke, der hinter dem Format steht, darf fast schon als genial bezeichnet werden: ein musikalischer Wettkampf der Bundesländer, ganz in der Tradition des "Eurovision Song Contests" (ESC). Der Clou dabei: Alle 16 Kandidaten müssen bis zu 50 Prozent ihrer Songtexte auf Deutsch vortragen. Raab als Förderer der deutschen Musikszene? In gewisser Weise schon. Am Donnerstag, 26.09., treten in der Mannheimer SAP-Arena bereits zum neunten Mal etablierte Künstler gegen Newcomer an, ProSieben überträgt den Wettbewerb ab 20.15 Uhr live.

Nicht ganz unumstritten

Trotz des großen medialen Echos: Raabs Sendung ist nicht ganz unumstritten. So darf man dem Entertainer getrost vorwerfen, bei der Auswahl des Teilnehmerfeldes zu unausgeglichen vorzugehen. In den vergangenen Jahren gewannen immer die Kandidaten, die schon auf eine treue Fanbase und einen hohen Bekanntheitsgrad setzen konnten. Schließlich entscheidet das Zuschauer-Voting per Telefon, wer die begehrte Trophäe mit nach Hause nimmt und damit das Austragungsrecht für den folgenden BuViSoCo erhält.

Geht es besser?

Was könnte also Abhilfe schaffen? Vielleicht eine zusätzliche Jury? Wohl kaum. Auch Raab dürfte aus dem Dilemma des diesjährigen ESC-Vorentscheids, bei dem sich die ausgewählten Experten gegen die von den Radiohörern favorisierten LaBrassBanda und für Cascada aussprachen, seine Schlüsse gezogen haben. Auch ein weiteres Problem wird schwer zu lösen sein: Dass immer wieder Kandidaten nicht aus dem Bundesland kommen, für das sie antreten, stößt zwar bei vielen Zuschauern auf wenig Gegenliebe. Aber um eventuelle Lücken zu füllen, muss eben die 14-köpfige Formation Sing um dein Leben 2013 Hessen vertreten und die Berliner Elektro-Punk-Formation Die toten Crackhuren im Kofferraum für Sachsen ins Rennen gehen.

Die Kämpfe können spannend werden

2012 zeigten sich die Schwächen dieser verwässerten Wettbewerbsbedingungen. Den letzten BuViSoCo konnten erneut die absoluten Favoriten, in diesem Fall Xavas (Xavier Naidoo und Kool Savas), für sich und "ihr" Bundesland Baden-Württemberg entscheiden. Wobei natürlich auch "nur" Naidoo von dort kommt, Kool Savas ist Berliner. Und auch in diesem Jahr stellt der Südwesten mit dem rappenden Singer/Songwriter Max Herre den voraussichtlichen Sieger des Wettbewerbs. Aber anders als in den Vorjahren könnte es auf den weiteren Rängen (vielleicht) dieses Mal einige interessante Kämpfe geben.

Es kommen echte Talente

Das liegt nicht nur daran, dass Raab zum diesjährigen Bundesvision Song Contest nicht nur wohlklingende Namen, sondern auch echtes Talent einlud. Neben Herre wetteifern gleich vier weitere Singer/Songwriter um die Gunst und Punkte der Zuschauer. Rockig wird es bei Bosse, der Niedersachsen unterstützt, Johannes Oerding versucht gefühlvoll, das Publikum für Hamburg zu begeistern, und nachdenklich mag es Pohlmann, der für Nordrhein-Westfalen antritt. Hannes Kinder & Band (Thüringen) sind da noch die größte Unbekannte.

Der mitm Bart kommt auch

Alles andere als ein Unbekannter ist hingegen MC Fitti: Sonnenbrille, Rauschebart und Baseballcap sind die Markenzeichen, die den Berliner Rapper zu einem unverkennbaren Symbol des diesjährigen Musiksommers machten. Schon alleine seine Omnipräsenz im Internet sollte einen Platz auf den vorderen Plätzen garantieren. In der von Raab angestrebten jungen Zielgruppe dürfte der bärtige Musiker sogar als Geheimfavorit gelten. Aber auch das musikalische Soul-Pop-Kollektiv Sing um Dein Leben, offiziell von Xavier Naidoo protegiert, darf sich für Hessen sicher berechtigte Hoffnungen darauf machen, unter den ersten Drei zu landen.

Machen den Fofftig Penns alles platt?

Was die anderen Kandidaten betrifft, dürfte es mit einer vorderen Platzierung eng werden. Klar, aus ihren eigenen Bundesländern dürfen sich meistens alle über sichere zwölf Punkte freuen. Wenn es aber als neutraler Zuschauer darum geht, die Wahl zwischen den beiden Party-Elektro-Formationen The toten Crackhuren im Kofferraum (Sachsen) und De Fofftig Penns (Bremen) zu fällen, könnte sich das als schwierig herausstellen: Beide sind von ihrer musikalischen Ausrichtung zu ähnlich, um massenhaft Zuschauer zum Telefonhörer greifen zu lassen. Auch für die Post-Hardcore-Band Adolar (Sachsen-Anhalt) und das musikalische Comedy-Duo Keule (Brandenburg) zählt wohl einzig und allein der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles.

Vielleicht besser als gedacht

Auch wenn der neunte Bundesvision Song Contest auf dem Papier fast schon eine klare Sache zu sein scheint, so ist das diesjährige Teilnehmerfeld vielleicht das ausgeglichenste seit der ersten Sendung 2005. Die Buhrufe, die dem Duo Xavas nach der Bekanntgabe ihres Sieges in der Berliner Max-Schmeling-Halle 2012 entgegenschallten, dürften auch Stefan Raab getroffen und zum Nachdenken angeregt haben. Natürlich braucht es ein Zugpferd wie etwa Max Herre, um das Interesse der Öffentlichkeit wach zu halten. Mit den eingeladenen Singer/Songwritern, die gut ein Drittel des diesjährigen BuViSoCos ausmachen, ist die ProSieben-Allzweckwaffe aber auf einem guten Weg. Und der löbliche Grundgedanke, die deutsche Musiklandschaft zu fördern, besteht ja weiterhin. Auch wenn man von The Love Bülow, Schné, Flimmerfrühstück oder Mikroboy (nur einige der Teilnehmer der letzten Jahre) nicht mehr allzu viel bis gar nichts mehr gehört hat.

teleschau | der mediendienst



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn