Mit Selbst- und Sendungsbewusstsein

Mon, 03 Feb 2014 16:46:00 GMT von

Ist der Mann etwa weich geworden? Kürzlich ließ Dieter Bohlen bei "Deutschland sucht den Superstar" einen Kandidaten passieren, der einerseits zwar ein großes Selbstbewusstsein vorweisen konnte, andererseits aber nur ein sehr dünnes Stimmchen.

In früheren Staffeln hätte Bohlen den Jungen wohl noch hochkant aus dem Studio geworfen - nicht ohne ihn vorher noch reichlich unschmeichelhaft mit einem beliebigen Tier oder Haushaltsgerät zu vergleichen, versteht sich. Und heute? "Ich werde natürlich alles andere machen, als meinen größten Fan nicht weiterkommen zu lassen!" Schwups, war der bekennende Bohlen-Fan Patrick im Recall. Hatte der ihm etwa mit seiner Verehrung so sehr geschmeichelt? Oder zeigt der "Pop-Titan" sich allmählich altersmilde? Denkbar wär's: Bohlen feiert am 7. Februar seinen 60. Geburtstag. Ist er damit schon reif für die Rente? Ein kurzer Check.

Fernsehen

Kategorie Fernsehen: Totgesagte leben länger - das gilt auch für "Deutschland sucht den Superstar". Unkenrufe über sinkende Quoten ebenso wie das Nachtreten vergrätzter Ex-Jury-Kollegen gehören mittlerweile fest zur medialen Begleitmusik des Formats. Zuletzt lästerte etwa Culcha Candela-Mann Mateo Jaschik auf Facebook ausgiebig über "die 'Ego-Show' eines gewissen Herrn". Nicht ganz grundlos: Bei RTL ist Bohlen immer noch der King im Ring, der in jeder Staffel eine neue Jury verschleißt.

Noch kürzer als die Halbwertszeit der jeweiligen Mitjuroren scheint nur noch die der jeweils gefundenen "Superstars". Woran das liegt? Laut Bohlen am Radio: "Eine absolute Sauerei! Als Lena Meyer-Landrut bei Stefan Raab gewonnen hat, haben sie die zweieinhalbtausendmal pro Woche gespielt. Und unseren Siegersong zwei- oder dreimal. Nachts um 4.12 Uhr, für eine halbe Minute. Das ist natürlich ein Unterschied", beklagte er sich beim Schweizer Magazin "Bilanz". Aber das Schöne daran, dass man keinen Superstar findet, ist ja, dass man ihn immer noch suchen kann. Und so ging "DSDS" Anfang des Jahres unverdrossen in die elfte Staffel.

Musik

Kategorie Musik: Ja, Modern Talking sind dankbarerweise schon seit Jahren Geschichte. Doch Bohlen mischt immer noch fleißig im Musikbusiness mit. Natürlich auch mit immer mal wieder neuen "DSDS"-Alumni, doch das ist - siehe oben - ein zähes Geschäft. Grund zur Gram ist das für ihn aber noch lange nicht. Pop bringt ohnehin nur Peanuts, Bohlens Fokus liegt inzwischen auf der Schlager-Produktion. Mit Andrea Berg oder Semino Rossi sei einfach viel mehr Geld zu machen, erklärte er im "Bilanz"-Interview:

"In der Musikindustrie kommt nach dem Schlager lange Zeit gar nichts. Andrea Berg und Helene Fischer sind die Künstler, die in Deutschland am meisten Umsatz generieren - mit Abstand. Die Pop- und Rocksänger haben Tränen in den Augen, wenn sie mal 100.000 Stück verkaufen und dafür die Goldene Schallplatte kriegen. Da lachen sich Helene Fischer und Andrea Berg tot." Ebenso wie Bohlen. Der denkt bei der Arbeit sicher öfter mal an Rentner, aber eben nicht an die Rente.

Familie

Kategorie Familie: Gerade letztes Jahr ist Dieter Bohlen wieder Vater geworden. Söhnchen Maximilian ist bereits der sechste Spross des Ostfriesen. Der freute sich natürlich über den Nachwuchs, aber in bekannt-schmieriger Altherrenmanier auch über die 29-jährige Mutter: "Carina ist toll", sagte er gegenüber "RTL Exclusiv". "Sie sieht schon wieder aus wie vorher. Sie macht Fitnesstraining die ganze Zeit." Angesichts dessen hält er auch an seinem Plan fest, eine komplette Fußballmannschaft in die Welt zu setzen - wenn er hier auch allmählich ein Ende abzusehen scheint: "Das wird natürlich eng, aber ich arbeite daran."

Literatur

Kategorie Buch: Dieter Bohlen hat nicht nur eine Menge Selbst-, sondern auch Sendungsbewusstsein. Klar, dass so einer auch den Buchmarkt beglücken muss. Zusammen mit "Bild"-Klatsch-Kolumnistin Katja Kessler veröffentlichte er 2003 seine Autobiografie "Nichts als die Wahrheit", in der er über ehemalige Kollegen ebenso lästerte wie über die stattliche Schar seiner Exen, direkt darauf folgte ein weiteres Machwerk gleicher Couleur ("Hinter den Kulissen"). Neben Tantiemen strich er allerdings auch reichlich Häme für die peinlichen privaten Details ebenso wie für die platte Sprache ein.

Seit ein paar Jahren aber hat Bohlen umgesattelt: 2008 erschien ein Ratgeber, mit dem er jungen Musikaspiranten Schritt für Schritt den "Weg zum Superstar" erklärte, 2010 machte er auf ganz seriös: Auf dem Cover von "Der Bohlenweg: Planieren statt Sanieren" posiert er im Anzug und in Schwarz-Weiß. Allmählich macht sich Bohlen also daran, sein Wissen weiterzugeben. Aber ob das schon als Zeichen des baldigen Rückzugs ausreicht?

Wandverkleidung

Kategorie Tapeten: Wie bitte was? Ja, auch Tapeten sind eine zulässige Kategorie für Dieter Bohlen. Seine Kollektion kommt mit so blumigen Namen daher "Natural Talent", "Studio Glamour" oder "Soft Passion" daher. "Die kommen super an", so Bohlen zu "Bilanz". "Ich habe ein untrügliches Feeling für den Mainstreamgeschmack. Das habe ich ja schon mit Modern Talking bewiesen." Und ein bisschen Selbstironie hat er offenbar auch. Klar ist jedenfalls: Bohlen ist bald auch im Baumarkt eine feste Marke - da fängt sein Siegeszug gerade erst an.

Kein Altersruheplan

Fazit: Das Altenteil muss offenbar noch ein Weilchen warten. Dieter Bohlen denkt noch lange nicht ans Aufhören. Und selbst die Rente mit 67 dürfte ihm wohl eher noch zu früh sein.

teleschau | der mediendienst



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