Erst Grammy, dann Oscar?

Fri, 18 Jul 2014 09:14:00 GMT von

Es ist der Stoff, aus dem Oscar-Träume sind: Die Darstellung berühmter (verstorbener) Künstler ist für Schauspieler einer der sichersten Wege, um für den bedeutendsten Filmpreis der Welt in Betracht gezogen zu werden.

Joaquin Phoenix (als Johnny Cash in "Walk The Line") und Jamie Foxx (als Ray Charles in "Ray") können ein Lied davon singen. Ihre Performances überzeugten dabei nicht nur die Kritiker, sondern auch ein großes Publikum. Filmemacher bedienen sich folglich immer wieder gern bei den realen Sex-, Drugs-, und Rock'n'Roll-Dramen, die gerade Musiker-Karrieren liefern: Momentan warten filmische Biografien über den Godfather Of Soul, den größten Gitarristen aller Zeiten, einen der exaltiertesten Frontmänner der Rockmusikgeschichte, den Urvater der Country-Musik und sogar über den "King" höchstpersönlich auf ihren Kino- oder Drehstart. Doch sind diese Filme per se preisverdächtige Blockbuster? Ein Überblick über aktuelle Projekte.

James Brown

Geboren in einer Holzhütte, eine Kindheit in extremer Armut, eine Mutter, die die Familie verließ, Schulabbruch nach der siebten Klasse, eine Kleinkriminellen-Karriere, die mit 16 wegen eines Diebstahls im Knast endete: Schon die ersten Lebensjahre von Soul- und Funk-Legende James Brown böten genügend Stoff für ein ganz großes Drama. Doch "Get On Up", der am 9. Oktober in deutschen Kinos anläuft, erzählt natürlich vor allem, wie der 2006 verstorbene Musiker - dank seiner exaltierten Performances und seines einzigartigen Rhythmusgefühls - zum "Godfather Of Soul" wurde. Und der erste Film-Trailer lässt bereits erahnen, dass Regisseur Tate Taylor ("The Help") und Hauptdarsteller Chadwick Boseman ("42") im kommenden Jahr auf einigen Nominierungslisten auftauchen könnten.

Jimi Hendrix

Für ein großes - mediales - Echo sorgte auch einst die Ankündigung, dass Outkast-Rapper André 3000 in "Jimi: All Is By My Side" Gitarrengott Jimi Hendrix darstellen wird. Erste Bilder zeigten zudem die frappierende äußerliche Ähnlichkeit zwischen den beiden Musikern. Auch dass John Ridley ("12 Years A Slave") für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, ließ Großes erhoffen. Das Projekt musste dann allerdings einen entscheidenden Rückschlag hinnehmen: Hendrix' Familie weigerte sich, seine Musik für den Film freizugeben.

Aufgrund dieser gravierenden Einschränkung erzählt "Jimi: All Is By My Side" nun von Hendrix' Aufenthalt in London 1966/67, zu hören sind fremde Songs, die er noch vor seinem Durchbruch performte. Doch damit nicht genug der Widrigkeiten: Einige enge Freunden von Hendrix warfen dem Film, der bereits 2013 bei einigen Festivals zu sehen war, mangelnde Authentizität und eine falsche Darstellung des Gitarristen vor. Nicht die besten Voraussetzungen, um einen Blockbuster zu landen. Ein deutscher Starttermin steht - sicher auch aufgrund der Negativschlagzeilen - noch aus.

Freddie Mercury

Eine bisher ähnlich schwierige Produktionsgeschichte lässt sich über die geplante Verfilmung des Lebens von Queen-Frontmann Freddie Mercury erzählen. Bereits 2006 sprach Gitarrist Brian May das erste Mal über ein derartiges Projekt, 2010 wurde mit Sacha Baron Cohen ("Borat") eine - in vielen Augen - hervorragende Besetzung für die Rolle des 1991 verstorbenen Leadsängers gefunden. Der Schauspieler konnte sich jedoch nicht mit den Queen-Mitgliedern auf ein Konzept einigen und stieg im vergangenen Jahr aus.

Der Grund: Während Cohen im Film kein Blatt vor den Mund nehmen wollte, hat die Band eher einen familiengerechten Film im Sinn. Mit dem Rückzug des Schauspielers kündigten auch Drehbuchschreiber Peter Morgan ("Die Queen", "Frost/Nixon") und Regisseur Tom Hooper ("The King's Speech") die Zusammenarbeit auf. Inzwischen ist mit Ben Whishaw ("Das Parfum", "Skyfall") ein neuer Hauptdarsteller gefunden, das Projekt liege aber jetzt erst einmal in den Händen des Produzenten Graham King, wie May zuletzt mitteilte. Dreh- oder gar Filmstart sind demnach noch völlig offen.

Hank Williams

Konkreter sind da schon die Pläne für ein Biopic über Country-Urvater Hank Williams. Das Blockbuster-Potenzial von "I Saw The Light" (geplanter Drehstart im Oktober) dürfte sich allerdings in Grenzen halten. Denn der 1953 verstorbene Williams mag dank Klassiker wie "Cold, Cold Heart", "Hey, Good Looking" und "I'm So Lonesome I Could Cry" eine der zentralen Figuren der Countrymusikgeschichte sein, so populär wie etwa ein Johnny Cash ist er nicht.

Country Legenden

Im besten Falle könnte sich das Portrait aber vielleicht einen ähnlichen Kultstatus erreichen wie zwei der besten Filme über (Country-)Musiker: "Coal Miner's Daughter" (1980), für den Sissy Spacek in ihrer Rolle als Loretta Lynn den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, und das Patsy Cline-Biopic "Sweet Dreams" (1985) mit Jessica Lange und Ed Harris in den Hauptrollen. So oder so: Es wird es spannend sein zu sehen, ob mit Tom Hiddleston ("Thor") ein Brite diese ur-amerikanische Ikone, den von lebenslangen Rückenschmerzen, Alkoholismus und Tablettensucht gepeinigten Musiker, der bereits im Alter von 29 Jahren an einem Herzinfarkt starb, überzeugend verkörpern kann.

Fragwürde Projekte

Auch viele weitere angekündigte Projekte stehen oder standen - aufgrund der Größe der historischen Figuren, aufgrund von Rechte- und Geschmacksfragen - unter Vorbehalt. Tom Hardy ("Inception", "The Dark Knight Rises") als Elton John in "Rocketman"? Klingt zumindest spannend. Disney-Channel-Schauspielerin Zendaya Coleman als Aaliyah? Sagte ihre Teilnahme kürzlich wieder ab, vielleicht auch, weil die Hinterbliebenen der 2001 verstorbenen R'n'B-Sängerin sich von der Verfilmung distanzierten. Ice Cubes Sohn O'Shea Jackson Jr. als sein eigener Vater in "Straight Outta Compton", einem Film über die Rap-Legenden N.W.A.? Ein gewagte Besetzungsidee.

Für den Erfolg muss alles stimmen

Aber selbst große Namen garantieren für nichts. Hollywood-Star Don Cheadle ("Hotel Ruanda") musste zur Finanzierung seines Regiedebüts "Miles Ahead", einem Film über Miles Davis, immerhin der vielleicht wichtigste Jazz-Musiker aller Zeiten, eine - inzwischen erfolgreich beendete - Crowdfunding-Kampagne starten. Und auch die Ankündigung, dass Bilderstürmer Baz Luhrmann ("The Great Gatsby") für die Regie eines Elvis-Biopics im Gespräch ist, sollte nicht zu verfrühten Jubelstürmen führen. Denn für ein wirklich gelungenes und an der Kinokasse erfolgreiches Musiker-Portrait - so zeigt sich - muss mehr als nur der dramatische Stoff stimmen.

teleschau | der mediendienst



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