(Brand-)Neues aus deutschen Landen

Fri, 27 Feb 2015 16:06:00 GMT von

Erst Großstadt, dann Provinz: Die Tour durch die Vorstellung weiterer Plattenveröffentlichungen der Woche startet in Köln bei Wolfgang Petry.

Nneka vertritt Hamburg, Graziella Schazad hält die Fahne der Hauptstadt nach oben. Ländlicher geht es im Chiemgau bei Claudia Koreck zu. In Gemünden am Main grüßt Andreas Kümmert mit einem Re-Issue, und zu guter Letzt lohnt sich ein Besuch in der Pfalz bei Sizarr.

Wolfgang Petry - Brandneu

"Ich bin weg, ich bin raus / Sagte ich, und meinte es auch" ("Gesungenes Vorwort"), singt Wolfgang Petry zu Beginn seiner neuen Platte. Und tatsächlich war der Rückzug von "Wolle" abgemachte Sache. Doch dem 63-Jährigen gingen die vielen Tränen seiner vielen Fans zu sehr zu Herzen. Nun geht es also doch weiter - einem "brandneuen" Sound: Keine Disco-Fox-Rhythmen, dafür auffällig viele Rockgitarren begleiten das Comeback des gelernten Feinmechanikers. Texte aus dem "wahren Leben" wusste Petry ohnehin schon immer zu schreiben und zu singen. Dass er aus einem "anderen Jahrtausend" stammt, "einer der letzten Dinosaurier" ist ("Epoche"), das weiß er offensichtlich auch selbst. Doch "Brandneu" wird seinen Anhängern gefallen - und die Tränenkanäle trocken legen.

Nneka - My Fairy Tales

Nneka ist Hamburgerin. Doch Elbe und Alster waren der 34-Jährigen lange fremd. Aufgewachsen ist die Sängerin nämlich in Warri, am gleichnamigen Fluss in Nigeria. Den Hamburger Hafen sah die Singer/Songwriterin erst mit 19, als sie zum Studium das "Tor zur Welt" erreichte. Neben der Anthropologie war es aber schon immer die Musik, die Nneka Egbuna, so ihr bürgerlicher Name, begeisterte. "My Fairy Tales" ist ihr sechstes Album und mit seiner Mixtur aus Funk, Soul, Reggae und natürlich jeder Menge Weltmusik-Einflüssen hätten ihre (märchenhaften) Geschichten durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient.

Graziella Schazad - India

Bei Graziella Schazad spielen vielmehr afghanische Wurzeln eine Rolle. Und die Berlinerin weiß sie auf "India" in ein Pop-Gewand zu packen. Ihr kindliches Timbre umspielt sowohl süßliche als auch komplexe Sound-Strukturen. Mal weltumarmend, mal geheimnisvoll - die 31-Jährige bedient ein durchaus breites Gefühlsspektrum. Und das Schöne dabei: Die Sängerin spielte Gitarre, Perkussion und vor allem Streicher teilweise selbst ein und war streckenweise auch als Produzentin tätig.

Claudia Koreck - Stadt Land Fluss

In den vergangenen Jahren bewiesen Kapellen wie Kofelgschroa und LaBrassBanda, dass bayerische Musik auch über Sprachgrenzen hinweg funktionieren kann. Claudia Koreck pocht auf diese Erkenntnis und lässt ihrem Chiemgauer Dialekt freien Lauf. Doch "Stadt Land Fluss" ist wegen ihrer Mundart-Songs nicht etwa Schlager. Aus Folk-, Swing-, Soul- und Blues-Einflüssen entsteht bei Koreck locker-luftiger Songwriter-Pop. Und etwas zu erzählen hat die 28-Jährige auch.

Andreas Kümmert - Here I Am

Auf Charts-Platz drei stieg Andreas Kümmert im April letzten Jahres mit "Here I Am" ein. Doch aus dem "Here I Am" wurde ein schnelles "Ich bin dann mal weg". Zu groß war ihm wohl der Rummel im Popzirkus, in dem er sich schlagartig nach seinem "The Voice"-Sieg befand. Da überrascht es doch, dass der Sänger mit dem Joe Cocker-Organ plötzlich beim Grand-Prix-Vorentscheid (13. März) antreten will. Also packte er seine neuen Kreationen für den ESC, "Home Is in My Hands" und "Heart of Stone", nochmals auf seine alte Platte und veröffentlicht sie aufs Neue. Und auch ein knappes Jahr später bleibt über das Album zu sagen: Es ist solide, aber die Ecken und Kanten, die der Unterfranke zweifellos besitzt, werden durch die glatte Pop-Produktion weggebügelt.

Sizarr - Nurture

Schon auf ihrem Debüt hatten die Pfälzer von Sizarr den New Wave für sich entdeckt. Ein bisschen The Cure-Schwermut und Bowie-Experimentierfreude beigemischt, und fertig ist "Nurture", der zweite Langspieler der Indie-Rocker. Sympathisch wirkt dabei der Kauderwelsch, den Sänger Fabian Altstötter von sich gibt. So kann es durchaus vorkommen, dass zwischen den englischen Texten ein "Einsamkeit" beziehungsweise "Zweisamkeit" fällt ("Baggage Man"). Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Nurture" zweifellos ein sehr erwachsenes Werk ist, das es in der heutigen Chart-Pop-Landschaft aber leider schwer haben wird.

teleschau | der mediendienst



1 Kommentare

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02. März, 19:18 Uhr
von Regina Kohl

Der neue Petry ist um Klassen besser als der alte Wolle, sodass ich plötzlich auf seine Mucke steh, vielen Dank an alle beteiligten Musiker--Mio padre ist ein berauschendes Hörerlebnis--Mission--ist mein persönlicher Hitfavorit. Echt gute "alte"Rockmusik vom Feinsten, die stilistisch durch mehre Jahrzehnte führt, bin beeindruckt, hätte ich Petry nicht zugetraut---Fazit----spitzenklasse!

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