Unbedingt ernst nehmen!

Mon, 15 Jun 2015 10:13:00 GMT von

Lieblose, künstliche Musik, überproduziert und ohne Herz, davon gibt es genug da draußen. Verkaufen tut sich vieles davon auch heute noch wie geschnitten Brot.

Gut, dass manche Künstler aber lieber ernst genommen werden wollen und den schnöden Mammon einen schnöden Mammon sein lassen. Das trifft auf Max Mutzke, Flo Morrissey, Christopher Paul Stelling und Yael Naïm sicherlich zu. Die Straßenrapper Celo & Abdi dagegen sollte man aus einem anderen Grund auf dem Zettel haben.

Max Mutzke - Max

Er war retro, bevor Retro wirklich modern war: Max Mutzke hatte schon bei seiner Raab'schen Entdeckung 2004 ein Stückchen Jazz und Soul in sich. Auf seiner sechsten Studioplatte "Max" liefert der sympathische Nicht-Star nun weitere Argumente, auch in E-Musikkreisen noch ernster genommen zu werden. Mit Liedern wie "Magisch" und "Laut" beweist er abermals, dass so etwas auch auf Deutsch sehr gut und unpeinlich funktionieren kann.

Flo Morrissey - Tomorrow Will Be Beautiful

Ach du süßes kleines Hippiemädchen - als solches präsentiert sich Flo Morrissey nämlich in ihrem ersten Video zu "Pages Of Gold". Und die Aufmachung passt. Die 20-jährige Londonerin ist mit einer glockenklaren und doch aufregenden Stimme gesegnet. Ihr Spiel auf der Tonleiter, eigentlich fast alles, klingt wie eine Mischung aus Björk und Kate Bush. Und man verliert auf "Tomorrow Will Be Beautiful" keinen Augenblick das Gefühl, es mit einer Künstlerin aus eben dieser Kategorie zu tun zu haben. Das ist doch mal ein Lob!

Christopher Paul Stelling - Labor Against Waste

Jetzt, da Marcus Mumford meint, keine Folk-Elemente mehr in seiner Musik haben zu wollen, muss man eben woanders zugreifen. Mit "Labor Against Waste" bewirbt sich Christopher Paul Stelling im Stillen um die freigewordene Krone. Die Stimmlage des in Florida geborenen Wahl-New-Yorkers ist ähnlich einfühlsam und markant wie die des Multiplatin-Kollegen, seine Songs und Arrangements sind ebenso eingänglich und tiefgründig. Man verlässt sein drittes Album auf jeden Fall mit einem guten Gefühl.

Yael Naïm - Older

Mit "New Soul" stürmte Yael Naïm 2008 weltweit die Charts. Ein bisschen ruhig wurde es danach schon um die französisch-israelische Sängerin und Songschreiberin. Zwischen dieser Großtat und dem neuen "Older" stand allerdings auch nur ein Album gemeinsam mit David Donatien, einem französischen Musik-Instrumentalisten. Es scheint so, als wolle Naim sich keineswegs im Pop-Geschäft anbiedern, sondern für ihre Musik - genau - ernst genommen werden. Bei ihren neuen luftigen Liedchen fällt das nicht sonderlich schwer.

Celo & Abdi - Bonchance

Besser ernst nehmen sollte man auch Celo & Abdi. Allerdings aufgrund anderer Motive als bei den Jungs und Mädels zuvor - eher aus Sicherheitsgründen. Haftbefehls Lieblings-Azzlacks ballern in einer guten Regelmäßigkeit (das Album "Akupunktur" erschien erst im Juni 2014) mit neuen Reimen um sich. Dabei wird das Hauptaugenmerk weiterhin auf den Punch gelegt, der an jedem Zeilenende sitzen muss. Aber ist es nun schlimm, den dritten Langspieler der Frankfurter zu verpassen? Bei der Menge an immer selbem Ouput kann man das wirklich nicht behaupten - aus Sicherheitsgründen sollte man dies aber vielleicht nicht einfach so herausposaunen ...

teleschau | der mediendienst



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