Mit jedem Jahr besser

Thu, 05 Nov 2015 10:51:00 GMT von

Vergangene Woche Freitag legten die Donots im Rahmen ihrer "Karacho-Tour" Halt im Münchener Backstage Werk ein. Es war bereits der achte Gig seit ihrem Tourstart am 20. Oktober und es folgen weitere. Unser Konzertscout Jasmin Roder schnappte sich die Jungs zu einem informativen und lustigen Interview.


Jasmin überkam wieder einmal die Lust sich im Kontext eines Konzertbesuchs mit der Band zu unterhalten und organisierte sich für den 30.10. ein Date mit den Donots. Wir lassen sie das Ereignis ab hier mit ihren eigenen Worten erzählen: Die Brüder Guido und Ingo Knollmann haben sich die Zeit genommen, mir Rede und Antwort zu stehen. Im Rahmen ihrer "Karacho" Tour konnte ich einen Termin im Münchener Backstage ergattern. Im Verlauf des freundlichen und immer wieder lustigen Gesprächs gesellte sich dann auch noch Schlagzeuger Eike dazu.

Jasmin: Starten wir mit einer Frage eines eurer Fans: "Wie schreibt ihr neue Songs?" Beschreibt es doch am besten an dem Song "Junger Mann zum Mitleiden gesucht", mein persönliches Lieblingslied von eurem neuen Album "Karacho". Großartige Leadgitarre, tolle Drums. Wie entstand dieser Song genau?

Guido: In dem Fall war es so, dass ich zu Hause erst die Grundakkorde hatte, die im Hintergrund laufen und eigentlich gar nicht so auffällig sind. Darauf hatte ich dann erst einen straighten Beat gelegt, mir aber dann so gedacht: "Das ist doch jetzt einfache Hausmannskost, das ist doch blöd!" Daraufhin habe ich diesen Beat, der das Ganze besonders macht, versucht runter zu strippen. Aber nur der Beat und die Akkorde waren auch irgendwie noch nicht richtig geil. Dann kam halt dieses Gedudel drüber. Eigentlich ist alles Bauchsache. Einfach reinrennen. Ich mache da sehr viel am Computer. Im Endeffekt einfach, wo das Gefühl gerade hingeht. Dahinter steht kein großer Plan.

Ingo: Textmäßig hast du dir eigentlich den interessantesten Song rausgesucht, gerade für diese Frage. Wir hatten schon so diverse Demosessions, bevor wir ins Studio gegangen sind. Der Song wurde irgendwann dann Vince vorgespielt, mit dem wir die Platte und auch die Letzten produziert haben. Er hört sich das Demo an, dreht sich um und sagt so: "Ganz ehrlich, das ist noch nicht richtig cool!" Ich war echt angepisst, weil ich mir mega die Mühe gemacht habe, und dann sagt er so was wie: "Es ist nicht scheiße, aber da sind noch zum Teil Zeilen in dem Text, die weniger stark sind als andere." Das darf dir in der deutschen Sprache halt nicht passieren. Bin nach Hause gegangen, hab eine ganze Nacht nicht gepennt. Ich war richtig sauer. Mit einer Flasche Rotwein habe ich dann den Text geschrieben. Dann bin ich am nächsten Tag mit dem fertigen Text von "Junger Mann zum Mitleiden gesucht" ins Studio gekommen. "Friss oder stirb. Das ist jetzt der Text, und wenn es das auch nicht ist, breche ich hier und jetzt das Experiment ’Deutsch’ ab."

Guido: Er hatte wirklich schlaflose Nächte.

Jasmin: Es war natürlich auch sehr mutig, es auf Deutsch zu wagen.

Ingo: Total. Irgendwie ist es auch schön, sich einfach neuen Aufgaben zu stellen. Wenn du 20, 21 Jahre DAS jetzt schon machen darfst. Damals haben wir mit der Band angefangen. Irgendwie ist das halt echt eine lange Zeit. Weißt du, es gibt so viele Bands, die nach der ersten, zweiten Platte nur noch so ein Abbild von dem sind, womit sie angefangen haben. Wir haben irgendwann probiert, zu gucken, was kannst du mit jeder neuen Platte Neues machen? Wie kannst du dich neu erfinden? Wie kannst du deine Band von einer anderen Seite zeigen? usw. Auf der USA-Tour mit Flogging Molly vor zwei oder drei Jahren ist bei uns der Groschen gefallen, als wir gesehen haben, wie sehr die Leute Flogging-Molly-Songs aus einer Kehle mitsingen. Da haben wir gedacht, dass es einen irgendwie direkter erreichen muss, wenn es die Muttersprache ist. Resultat: Lass doch mal probieren, was passiert, wenn wir halt mal auf Deutsch singen.

Jasmin: "Dann ohne mich" - Wie seid ihr auf das Thema gekommen? Dass es jetzt leider so aktuell ist, konntet ihr ja nicht ahnen. Wann habt ihr den Song geschrieben?

Ingo: So vor einem guten Jahr. Die Pegida-Geschichte ist ja ca. ab Oktober letzten Jahres so richtig in den Fokus gerückt. Der Song war fertig im Mai letzten Jahres und das quasi doppelt! Wir hatten den vorher schon mal aufgenommen. Mit einem Text, der mir aber dann so im Nachgang zu sehr "Middle of the road" war. Da ging es eigentlich nur so darum, wie entstehen Vorurteile und wie machen die halt ihre Runde. Das war mir dann so ein bisschen zu Pillepalle. Ich hab den Song damals "Domino" genannt. Einfach nach dem Motto: Wenn ein Dominostein fällt, fallen alle anderen auch. Irgendwann habe ich gesagt: "Nee, wenn du eine deutsche Platte aufnimmst, dann mach nicht so eine ’Middle-of-the-road-Geschichte’." Sondern dann muss das eher Deutsch-Punk sein. Das ist einfach eine Ansage, die nahe vor deinem Gesicht steht. So ist dieser Song halt entstanden. Leider passt er im Moment ziemlich gut zur Situation.

Jasmin: Welche Konzerte spielt ihr lieber? In kleinen Clubs oder auf Festivals?

Guido: Hat beides so seine Sachen. Ist natürlich geil, wenn man beim Festival mit 60.000 Leuten komplett den Weltuntergang heraufbeschwört und alles in Bewegung ist. Aber gerade jetzt auf der Tour habe ich gemerkt, dass so Gigs wie hier, wenn da alle in einem Raum durchdrehen, nochmal ganz anders knallen. Ein Festival ist, als ob du von einem Nilpferd umgerannt wirst, und ein Konzert wie hier ist wie eine richtige schallende Ohrfeige. Doch, beides geil.

Ingo: Beides super. Bin sehr glücklich darüber, dass wir eine Band sind, die auf allen Clubgrößen funktioniert und auf großen Bühnen auch. Es gibt typische Bands, bei denen kannst du das einfach nicht bringen. Wie zum Beispiel einer meiner Lieblingsbands: The National. Ganz fantastische Band. Ich habe sie auf einem Festival gesehen. Ist halt irgendwie nett, aber so eine melancholische, elegische Band auf eine Nachmittags-Open-Air-Bühne zu stellen, ist einfach Quatsch. Ich bin wirklich froh, dass wir das beides machen können. Von ganz kleinen Clubs bis hin zu den größten Bühnen.

Jasmin: Jetzt habt ihr ja bald erstmal einen kurzen Break von eurer Tour. Wie verbringt ihr die Zeit?

Guido: Hab mal wieder überlegt ans Eisen zu gehen, ein bisschen trainieren. Habe ich lange vernachlässigt. Mal gucken, was geht.

Ingo: Ich bin Trauzeuge bei der Hochzeit eines meiner besten Freunde. Und ich bin seit ca. zwölf, fast 13 Wochen Papa, dementsprechend werde ich so oft es geht zu Hause sein, einfach um dabei zu sein. Wenn all das passiert, was gerade so passiert. Ich freue mich jetzt mega darauf nach Hause zu kommen, aber das macht es auch sehr schwer, wieder weg zu fahren.

Jasmin: Ist irgendjemand von euch nicht tätowiert?

Ingo: Eike und Alex sind nicht tätowiert.

Jasmin: Aus dem kompletten Album hört man heraus, dass ihr so richtig Bock habt! Woher kommt nach so vielen Jahren die Motivation? Hat man nicht irgendwann keinen Bock mehr?

Ingo: Nein, genau das Gegenteil. Das wird einfach mit jedem Jahr besser. Klingt jetzt einfach wie eine total abgedroschene Sache, die man jetzt jedem Journalisten erzählt, um so Pep-Talk zu betreiben, aber ey, wir sind gerade im 21. Bandjahr, spielen jetzt gerade die größten Konzerte die wir je gespielt haben. Wie willst du denn da nicht motiviert sein? Du hast gerade den absoluten Run. Das Ganze geht gerade Treppchen für Treppchen immer weiter nach oben. Es fühlt sich aber auf der anderen Seite immer noch an wie ein Kindergeburtstag und macht ultra viel Spaß. Es ist unfassbar bescheuert, was Backstage an bescheuerten Gesprächen stattfindet. Genau das ist es. Wir müssen uns nicht treten, um Bock zu haben. Das ist, glaube ich das Rezept dafür. Es gibt viele Bands, die sich irgendwie überlegen: Jetzt müssen wir mit dem nächsten Album das und das reißen. Du machst doch Musik, weil es dir Spaß macht und du ein Ziel damit verfolgst.

Jasmin: Ingo, ich habe gelesen, dass du dir vorher viel deutsche Musik angehört hast. Ganz ehrlich, wie hast du es ausgehalten, dir PUR reinzuziehen?

Guido: Richtig geile Frage!

Ingo: Ich weiß nicht, ob du es gesehen hast, aber hier (zeigt auf seinen Bart) sind mehr graue Haare dazu gekommen. Auf dem Kopf auch. Das war schon heftig. Ich sag mal so: Ich verstehe, warum es das gibt und warum Leute PUR abfeiern. Das ist frivole Hausfrauenmusik, total schöne Kalendersprüche, voll super. Durchhalteparolen für das Herz, heile Welt. Sie sind ja trotzdem so ein ganz kleines bisschen sozialkritisch und so. Das ist halt vor allem so moderat, das moderat selbst moderat wird. Also, bezieht keine Stellung, macht sich richtig gemütlich im eigenen Sud. Das finden Leute gut. Viele Menschen wollen einfach ein "Flatline-Leben" haben. Das ist auch niemandem vorzuwerfen. Mir reicht das nicht. Ich finde, es muss "Ups and Downs" im Leben geben, um kreativ zu sein.

Jasmin: Gemeine Frage: Rosenstolz oder PUR?

Ingo: Oh. Das ist jetzt eine sehr diplomatische Antwort. Musikalisch kann ich weder dem einen noch dem anderen irgendwas abgewinnen. Textlich genau das gleiche. ABER zumindest sind Rosenstolz ja eine Band, die sich sehr für homosexuelle Beziehungen stark macht. Da kann ich sagen: DAS find ich gut!

Jasmin: Denkt ihr nach so langer Zeit schon daran aufzuhören?

Guido: Nee! Gerade auf so einer geilen Tour auch fehl am Platz. Es stand auch nie zur Debatte, dass mal jemand gesagt hat: "Boah, wie lange machen wir den Käse eigentlich noch?"

Jasmin: Tipps zum Einsingen?

Ingo: Ich kann dir sagen, egal ob du dich einsingst oder nicht, dass du immer Fenchelhonig dabei haben solltest.

Jasmin: Das hab ich ja noch nie gehört! Fenchelhonig? Ich wusste gar nicht, dass es das gibt.

Ingo: Fenchelhonig ist super. So eine braune Flasche. Das schmeckt echt nicht geil. Ich nehme einfach immer einen Löffel und gieße mir das dann in den Hals rein. Das ist echt gut! Ganz ehrlich! Macht den Hals sehr, sehr, sehr smooth. Sonst einfach Lockerungsübungen.

Guido: Ich hör da immer nur zu. Bei mir ist da nicht viel zu holen, wenn ich singe, hat das nicht so viel mit Gesang zu tun. Das ist nur so ein Gebrummel.

Ingo: Dann fängst du einfach irgendwann an die Tonleiter zu singen, chromatisch hoch, chromatisch runter. Probierst die Kopfstimme. Am Ende schrei ich dann drei oder viermal, um das ganze Gerümpel aus dem Hals zu kriegen. Dann muss das halt irgendwie gehen. Das Schöne ist ja, dass Punkrock nicht Perfektion ist. Punkrock ist ja genau nicht die Perfektion. Genau diese charmanten Stimmabkacker sind ja genau das, was Bands wie Leatherface ausmachen. Ich muss ja auch nicht wie eine Soul-Sängerin klingen.

Jasmin: Hallöchen Eike, du kommst perfekt zu einem Spiel! Ich habe mir Zitate von euch rausgesucht und ihr dürft nun raten, wer was gesagt hat!

Guido: Das find ich eine geile Idee. Super!

Jasmin: "Der konnte damals so an der Scheibe kleben, und das ist ja genau mein Charakter." Oh, allgemeine Ratlosigkeit. Das warst du Ingo!

Ingo: Was hab ich denn da getrunken?

Jasmin: "Wenn eine Plattenfirma über dich selbst einen Text schreibt, und dir selber stellen sich alle Haare hoch, dann ist der Punkt gekommen, wo man gehen sollte."

Eike, Ingo & Guido: Bestimmt Alex!

Jasmin: Falsch!

Guido: Dann war es Ingo.

Jasmin: Auch falsch.

Ingo: Der Jan!

Jasmin: Bingo. Ein Punkt für Ingo!

Ingo: Oh, da sehen wir mal, wie schlecht wir uns alle kennen.

Jasmin: "Joggen ist für mich gerade nicht so das Ding, ne."

Eike & Ingo: Guido!

Guido: Nee, nee, nee.

Jasmin: Das warst du Eike.

Eike: Aber ich komm doch gerade vom Joggen!

Jasmin: Das war zu der Zeit, wo du dich am Knie verletzt hattest.

Guido: Woah. Wie schlecht sind wir denn in dem Spiel bitte?

Jasmin: "Glaubst du, die golden Pumps von Madonna, die da hängen, würden mir stehen?"

Eike: Ja, das hat Ingo gesagt.

Jasmin: Richtig. Guido, du musst dich ranhalten, wir haben nur noch eine Frage! "Da kam so ein Mädl an und hat mir einfach so eine Plastiktüte in die Hand gedrückt."

Guido: Das war ich. Es ging um die Actionfiguren in Japan.

Jasmin: Unentschieden. Ich werde das nächste Mal weiter zählen. Letzte Worte? Und jetzt sagt bitte nicht "Danke an alle Fans."

Ingo: Nee, KEIN Danke an KEINE Fans. Ihr hört alle von meinem Anwalt! (lacht)


Wir sagen aber trotzdem mal Danke an Jasmin für diese amüsante Unterhaltung und Danke an Ingo, Guido und Eike von den Donots, dass sie sich Zeit für das Gespräch genommen haben. Weitere Termine der Karacho-Tour findet ihr nachfolgend.

Donots - Karacho - Tour 2015/2016:
17.11.2015 20:00 Leipzig (DE), WERK2 - Halle D
19.11.2015 20:00 Nürnberg (DE), Löwensaal
21.11.2015 19:30 Köln (DE), Live Music Hall
17.12.2015 19:00 Wien (AT), Arena Wien
18.12.2015 20:00 Wien (AT), Arena Wien
19.12.2015 22:15 Timelkam (AT), GEI Musikclub
20.01.2016 20:00 Bremen (DE), Kulturzentrum Schlachthof
21.01.2016 20:00 Hannover (DE), Capitol
22.01.2016 20:00 Kiel (DE), Die Pumpe
23.01.2016 20:00 Düsseldorf (DE), Stahlwerk
24.01.2016 20:30 Luxembourg-City (LU), DEN ATELIER
27.01.2016 20:00 Stuttgart-Wangen (DE), LKA-Longhorn
29.01.2016 20:00 Bielefeld (DE), Ringlokschuppen
30.01.2016 20:00 Hamburg (DE), Gruenspan
Donots - Grand Münster Slam 5
10.12.2016 19:30 Münster (DE), Messe+Congress Centrum Halle Münsterland

 



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn