Big Bromance im Wunderland

Fri, 24 Mar 2017 13:13:00 GMT von

In den 90-ern waren sie eine der umschwärmtesten Boybands, heute geben sich Take That ein ungleich seriöseres Image.

hr achtes Album, das die Band erneut als Trio ohne Robbie Williams und Jason Orange aufnahm, markiert gleichwohl die Rückkehr zum klassischen Take-That-Sound: "Wonderland" ist eine schillernde und abwechslungsreiche Pop-Platte. Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen verraten im Interview, wie ihr Wonderland aussieht, was Take That ihnen heute bedeutet und warum ihnen die Welt manchmal Angst macht.

Bromance

Es gibt heutzutage ein Wort für das, was Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen von Take That verbindet: Die drei haben eine "Bromance". Eine echte Männerfreundschaft eben. "Unsere gemeinsame Geschichte bedeutet mir eine Menge. Wenn man mal darüber nachdenkt: Es gibt nur wenige Menschen im Leben, die einen über so lange Zeit begleiten. Deine Eltern, deine Frau und deine Kinder. Aber sonst?", sagt Gary Barlow (46). "Take That ist ein großer Teil von mir. Ich habe ja jenseits der Band eine Menge andere Projekte, aber wenn ich alleine bin, fühle ich mich verletzbar. Take That gibt mir eine gewisse Sicherheit. Wir haben uns unsere eigene Welt geschaffen, unser 'Wonderland', wenn man so will." - "Wonderland" heißt nun auch das neue, mittlerweile achte Album der britischen Band - und es markiert ein neues Kapitel in der Karriere von Take That.

Eine von vielen Boybands der Neunziger

Ihren Anfang nimmt die Geschichte der Band im Jahr 1990, als der britische Musikmanager Nigel Martin-Smith ein Pendant zu der amerikanischen Boygroup New Kids on the Block schaffen will und dafür Gary Barlow, Howard Donald, Jason Orange, Mark Owen und Robbie Williams castet. Mit Hits wie "Babe" und "Back For Good" brechen Take That in Großbritannien und Europa im Laufe der 90-er sämtliche Rekorde. Als Robbie Williams die Band 1995 verlässt, müssen Sorgenhotlines für verzweifelte Fans eingerichtet werden, ein Jahr später lösen Take That sich auf. Als Solokünstler feierte in den folgenden Jahren vor allem Robbie Williams Erfolge.

Wiedervereinigung vor 12 Jahren

Inspiriert von einer TV-Dokumentation kommt es 2005 unerwartet zur Wiedervereinigung als Quartett. Take That sind plötzlich erfolgreicher denn je, und nachdem sie 2009 die am schnellsten verkaufte Tournee der Geschichte Großbritanniens absolvieren, steigt sogar Robbie Williams wieder ein. Doch während seine Rückkehr von Anfang an zeitlich limitiert war, gibt 2014, mitten in den Aufnahmen des siebten Take-That-Albums "III", auch Jason Orange seinen Ausstieg bekannt. Als "III" schließlich erscheint, schweigt sich die Band zum Thema aus. "Das war eine komische Zeit und ich fühle mich immer noch unwohl damit, darüber zu sprechen", gibt Mark Owen (45) heute zu. "Bei uns herrschte eine Menge Unsicherheit, wie es weitergehen soll."

Seit 2014 als Trio aktiv

Um genau zu sein, war die Pressemitteilung zur Auflösung schon formuliert - doch angespornt von den positiven Botschaften ihrer Fans beschlossen Take That schließlich, als Trio weiterzumachen. "Da spielen ja immer zwei Dinge mit", so Barlow. "Zum einen muss das Publikum den Weg mitgehen, und zum anderen ist die Frage, ob man selbst noch den nötigen Antrieb hat. Es gibt nichts Schlimmeres, als Künstler, die keinen Drang mehr haben, da rauszugehen. Aber wir haben dieses Verlangen noch. Es gibt noch so viele Dinge, die wir machen wollen. Und ich muss sagen, dass sich die jetzige Konstellation sehr dauerhaft anfühlt. Wir sind alle drei auf der gleichen Spur, wir wollen alle in die gleiche Richtung."

Ein weiterer Neuanfang im Wonderland

"Wonderland" ist also ein Neuanfang. Und tatsächlich wirken Barlow, Donald und Owen tiefenentspannt, als sie an diesem Nachmittag in einem Londoner Hotel Journalisten aus aller Welt empfangen, um über ihr Album zu sprechen. Eine turbulente Woche liegt hinter ihnen: Gerade erst haben sie die Casting-Show "Let It Shine" abgedreht. Gesucht wurden Darsteller für ein Musical, das auf den Songs der britischen Band basiert. Quasi zeitgleich feierte Gary Barlows Musical "The Girls" seine London-Premiere, und obendrauf ist Howard Donald (48) auch noch zum vierten Mal Vater geworden - seine Augenringe verraten es. Trotzdem sind die drei wahnsinnig charmant, reißen einen Witz nach dem anderen.

Rückbesinnung auf den klassischen Take-That-Sound

Diese innere Ausgeglichenheit, die Einigkeit, die "Bromance" - all das hört man "Wonderland" an. Genau genommen ist die Platte eine Rückbesinnung auf den klassischen Take-That-Sound. Waren die letzten beiden Alben "Progress" und "III" von elektronischen Klängen geprägt, liegt der Fokus dieses Mal wieder auf echten Instrumenten. Dabei sind die elf Songs musikalisch so bunt, wie das Cover im Sgt.-Pepper-Look vermuten lässt: Sie reichen von der tanzbaren Funk-Nummer "Lucky Stars" über Balladen wie "The Last Poet" bis hin zum rockigen "Superstar". "Unsere Alben haben ja immer ein Thema, das dann auch live funktionieren muss. Dieses Mal ist es eben 'Wonderland' - ein fantastischer Ort, den man nur sehen kann, wenn man die Augen schließt", so Barlow. "Das Album ist voll mit ganz unterschiedlichen Emotionen: positiv und negativ, hoffnungsvoll und verzweifelt, traurig und glücklich. Das Leben beinhaltet schließlich all diese Dinge."

Niederschläge formen den Menschen

Barlow erlebte selbst, wie es sich anfühlt, wenn man am Boden ist: Nach der Trennung von Take That Ende der 90-er zündete seine Solokarriere überhaupt nicht, er nahm etliche Kilos zu und litt unter Depressionen. "Niederschläge formen einen als Menschen", sagt er mit nachdenklichem Blick. "Denn ohne schlechte Zeiten gibt es keine guten. Man braucht diese Balance - auch wir, denn wir sind wie alle anderen Menschen. Das Leben ist für uns nicht einfacher. Auch wir müssen Probleme bewältigen oder haben mal keine Lust. Genau das ist unsere Verbindung zum Publikum."

Auf Wonderland siegt die Hoffnung immer

Trotzdem: Auf "Wonderland" siegt am Ende immer die Hoffnung - zum Beispiel in dem Stück "New Day", das davon handelt, nach einer Niederlage wieder aufzustehen. Zwar sei das nicht bewusst passiert, wie Howard Donald anmerkt, doch man könne das Album durchaus als Versuch verstehen, etwas Farbe und Licht in unsere Welt zu bringen. Die ist in Zeiten von Trump, Brexit und Terroranschlägen wie zuletzt in London schließlich düster genug. "Ich frage mich schon ab und zu, ob es meinen Eltern wohl genauso ging wie mir. Hatten sie die gleichen Gedanken? Haben sie sich auch gefragt, was die Zukunft bringt? Wo es hingeht mit der Welt?", grübelt Mark Owen. "Wir leben in einer unsicheren Zeit. Oder sind die Zeiten tatsächlich immer unsicher? Für meine Kinder fühlen sich all diese Veränderungen vielleicht total aufregend an. Nur wir Alten haben Angst davor."

Irgendwann vielleicht doch wieder zu fünft?

Apropos Veränderung - in einer TV-Show sind Williams und Take That kürzlich erneut zusammen aufgetreten. Eine Frage muss also noch gestellt werden: Gibt es vielleicht doch irgendwann eine erneute Reunion zu fünft? "Ich würde es mir wünschen. Aber keine Ahnung, ob und wann das passieren wird", sagt Owen. "Ich bin der Optimist in der Band, ich habe schon 1995 davon gesprochen, dass es schön wäre, wenn wir eines Tages wieder zusammenkämen - und dann hat es 20 Jahre gedauert. Vielleicht dauert es wieder 20 Jahre, wer weiß." Immerhin: Barlow hält es nicht für ausgeschlossen, dass Take That mit 70 noch zusammen auftreten. "Ich habe letztes Jahr zum ersten Mal die Stones live gesehen. Auf der Bühne benehmen die sich, als seien sie 19", sagt er. "Es kommt ja nicht aufs Alter an, sondern auf die Energie und Intention, mit der man da rausgeht. Von daher: Ich kann mir das durchaus vorstellen!"

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