Convergence verbindet Jazz mit Electro

Tue, 21 Jan 2014 08:34:00 GMT von

Es gibt diese ganz besonderen Alben voller Musik, die Körper und Seele zum Schwingen bringen. Am 24. Januar wird "Convergence" von Malia und Boris Blank veröffentlich und setzt neue Maßstäbe in der Bildvertonung.

"Convergence" transportiert pure Energie. Pralle Erzählkunst in Form von Noten, geschaffen in mehrjähriger Zusammenarbeit zweier Profis, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Wenn sich zwei Menschen aus verschiedenen Welten begegnen, passieren oft sehr spannende Dinge. Als die aus Malawi stammende Jazzsängerin und Songwriterin Malia vor ein paar Jahren durch einen Bekannten mit dem Schweizer Soundtüftler Boris Blank bekannt gemacht wurde, war dies der Beginn einer leidenschaftlichen Zusammenarbeit. Nackte Technik traf auf eine schwarze Stimme und suchte den Punkt, an dem alles miteinander verschmelzen konnte. Der Titel, des auf diese Weise entstandenen Albums, umschreibt im Grunde den Prozess: Convergence kann am besten mit Annäherung übersetzt werden.

Musik voller Gegenpole

Was den Hörer auf "Convergence" erwartet, umfasst so ziemlich das komplette Gefühlsspektrum, zu dem ein menschliches Wesen fähig ist. Dennoch kann man das Album nicht als schwermütig bezeichnen. Trotz aller Tiefe, löst sich der empfundene Schmerz, der Schock, die Wut oder was immer die einzelnen Stücke thematisieren, am Ende auf. Zuversicht, Hoffnung und auch Freude und Dankbarkeit sind in gleichem Maße enthalten, wie die dunkle Seite des Lebens. Dadurch fühlen sich die elf Lieder auf der der Platte in ihrer Essenz warm und tröstend, mitunter sogar euphorisierend an.

Wie alles begann

Als vor ein paar Jahren die furchtbare Diagnose Brustkrebs über Malia herein brach, musste sie sich mit ihrem Leben auseinander setzen. Als junge Mutter wollte und musste sie zudem eine Verantwortung übernehmen, was hieß dem Gedanken an den Tod nicht die Oberhand zu überlassen. Es galt medizinisch alles zu tun, was ein Überleben ermöglichte und andererseits musste die heute 35-Jährige für sich selbst definieren, wohin ihr Weg gehen sollte. Irgendwann nach den ersten Behandlungsschritten wurde ihr klar, dass sie ihre Fühler in Richtung Electro-Szene ausstrecken wollte. Nachdem sie den Züricher Sound-Fanatiker und Studio-Tüftler (Der Spiegel) Boris Blank kennengelernt hatte, der seinerseits von Malias Charakterstimme begeistert war, begannen erste Schritte auf dem Weg zu gemeinsamer Musik.

Bis dato arbeitete Blank während seiner Erfolgsgeschichte bei Yello durchaus schon mit Stimmen wie Shirley Bassey und Billie McKenzie zusammen, doch glaubte er in der Malawierin nun eine wunderbare Ergänzung seiner Klangfarben gefunden zu haben. Malia stürzte sich also voller Energie in dieses spannende Abenteuer und arbeitete, ganz nebenbei erwähnt, noch an ihrem Label-Debüt "Black Orchid", das sie 2012 bei Universal veröffentlichte und für das sie später den "Echo Jazz 2013 Award" erhalten sollte.

Ganz entspannt

Wichtig bei der gemeinsamen Arbeit an "Convergence" war beiden Musikern ein unverkrampfter Umgang miteinander und mit den Kompositionen. Nichts sollte erzwungen werden, die Dinge sollten einfach entstehen und aus sich selbst heraus zu Tage treten. Trotzdem beschreibt Malia den Prozess als sehr direkt: " Wenn etwas nicht von selbst kam, haben wir es nicht forciert und mit dem nächsten weiter gemacht." Auf diese Weise konnte ein außerordentlich organisches Werk heranwachsen, nicht zuletzt auch durch die warmtönende, tiefe Stimme dieser fantastischen Sängerin. Ein hervorstechendes Merkmal von Malias Gesang besteht auch in der Ruhe, die die ausstrahlt. Sie sagt selber von sich "Ich kann nur beruhigend singen. Wahrscheinlich singe ich zu viele Schlaflieder (für die kleine Tochter)…sie beruhigen einen." Nachvollziehbar ist das sehr gut im Song "Embraceable Moon", einem wunderschönen Liebeslied.

Von Geistern und Spiritualität

Wie bereits erwähnt, beinhaltet "Convergence" 11 Tracks, die sich aneinander schmiegen wie eine lyrische Erzählung. Mal getragen und ruhig, dann wieder munter ausschreitend, erzählen sie von den Unbilden und zugleich Schönheiten des Lebens. Sehr sinnliche Musik dringt an das Ohr. Sanfter Trost wie im Opener "Celestial Echo" mit den Worten "I'll hold your hand, your love and your secrets near / I'll dry your tears…/ I'll hold your pain, your bite/ And here I am …" wechselt ab mit energischem Rhythm'n'Blues-Groove , den man bereits von der Single "I Feel It Like You" kennt. Das Spektrum der Lieder umfasst aber auch Themen wie Prostitution ("Claire Cadillac"), das aus der Begegnung mit einem transsexuellen Escort Girl entstand, sowie dem Schmerz, den der Verlust eines geliebten Menschen hervorruft ("Smouldering Ashes") und der Wut über die Ungerechtigkeit in der Welt. Letzteres wird in "Turners Ship" verarbeitet. Durch das Bild "The Slave Ship" von JMW Turner, der bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem Werk die Grausamkeit und Falschheit des Sklavenhandels anprangerte, entwickelte sich dieser Song. Die Komposition von Boris Blank führte dazu, dass aus einem Gedicht, das Malia über das Gemälde verfasst hatte, ein berührendes Lied werden konnte.

Leben im Moment

Die stimmige Qualität von "Convergence" beruht wohl nicht zuletzt auf der Tatsache, dass beiden Musikern die tiefe Liebe zu ihrem Handeln eigen ist. Malia erklärt: "Ich tauche in diese Musik ein wie in einen Tanz. Wenn man sich zu viele Sorgen oder Gedanken beim Tanzen macht, wird man steif - und es wird kein guter Tanz. Nur hier zu sein, heute und im Moment zu leben - das bedeutet mir alles." Ähnlich intuitiv und gleichsam wissend dürfte die Arbeitsweise von Boris Blank gestrickt sein und darin liegt vermutlich das Geheimnis dieser außerordentlich gelungenen Annäherung von Electro und Jazz. "Convergence" ist zeitlos und modern zugleich. Die Platte verbindet die Perlen und Edelsteine zweier unterschiedlicher Genres zu einem prunkvollen Schmuckstück der Musik und sollte ab dem 24. Januar 2014 in keinem gut sortierten CD-Regal fehlen.

 



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