Wenn Frauen die Muse küsst...

Fri, 16 Jan 2015 14:01:00 GMT von

Mit Lyambiko verhält es sich ähnlich wie mit einer guten Freundin: Selbst wenn man eine zeitlang nichts von ihr hört - trifft man sie wieder, ist es als sei nichts passiert. Ein vertrautes Gefühl stellt sich ein und man findet sofort ins Gespräch.

Immerhin sind seit der letzten Veröffentlichung von Lyambiko fast drei Jahre vergangen. Im Februar 2012 erschien ihr Album "Lyambiko sings Gershwin". Nun hat sich die in Greiz/Thüringen geborene Künstlerin ein neues Thema gesucht und widmet sich der "Muse". Am 30. Januar 2015 stellt sie der Welt 14 Lieder vor, die sämtlich der weiblichen Feder entsprungen sind. Inklusive dem Track "Spring", welchen Lyambiko eigenhändig für das Album schrieb.

Die Seele der Musik

Ihre musikalischen Wurzeln liegen im Jazz, dennoch lässt sich Lyambikos Musik nicht einfach auf ein schlichtes Genre reduzieren. Zu vielfältig sind die Einflüsse in einer immer mehr miteinander vernetzten Welt. Die gegenseitige Befruchtung aus Stilelementen und Traditionen macht vor der Musik nicht Halt. Diese braucht keine Sprache, sondern offene Ohren und Herzen, dann kann sie grenzüberschreitend überall auf unserem Globus bewegen. Und so ging es Lyambiko auch vorrangig darum, mittels musikalischer Offenheit  Stimmungen und Perspektiven zu transportieren, sich aber trotzdem selbst treu zu bleiben.

Muse

Das Grundthema der neuen Platte von Lyambiko wird im Titeltrack "Muse" wunderschön beleuchtet. Die Inspiration ist es, die jedem Kunstwerk zugrunde liegt. Es muss dabei nicht immer das klassische Bild einer Muse im Spiel sein. Diese Muse muss keine Frau sein, sondern kann sich durch einen besonderen Moment zeigen, ein schönes Gefühl oder ein berührendes Wort. Wer sich Zeit nimmt - in sich hinein hört und fühlt, kann diese Form der Muse sehr individuell entdecken. Die Melodie des Stücks, welches von Fumi Udo stammt (Ehefrau des Lyambiko-Schlagzeugers Heinrich Köbberling), klingt wunderbar entspannt und swingend. Wie soeben von der Muse geküsst wirkt darin das schöne Piano-Solo und auch der Bass bekommt seinen Moment.

Die Erschütterungen des Lebens

Das dritte Lied "Landslide" wirkt eingangs durch perlende Klaviernoten auf denen die Gesangslinie balanciert. Gemeinsam befestigen sie den Weg, das Piano wird kräftiger, Lyambikos Stimme erhält mehr Timbre. Immerhin erzählt das Lied von den Erdrutschen des Lebens - da will jeder Schritt sorgsam gesetzt werden. Geschrieben und komponiert wurde "Landslide" von Stevie Nicks (auch als Sängerin von Fleetwood Mac ein Begriff). Eine eher melancholische Wirkung hat der nachfolgende Song "Willow Weep For Me" durch sein schleppendes Tempo, aber immerhin ist er auch traurig. Dieses große Jazzthema stammt von der 1993 verstorbenen US-Komponistin Ann Ronell. Ein Lied über geplatzte Träume und große Verzweiflung.

Platonische Liebe

Können wir nicht Freunde bleiben? Ein derartiges Ansinnen klingt nach einer gescheiterten Beziehung erstmal sarkastisch. Dennoch zeigt sich mitunter, dass ehemals ineinander verliebte, durchaus auch befreundet bleiben können. "Can’t We Be Friends" wurde schon in den späten Zwanzigern des letzten Jahrhunderts von der 1993 verstorbenen amerikanischen Komponistin Kay Swift und ihrem damaligen Mann Paul James geschrieben. Wer weiß, welch unglückliche Liebeserfahrung sie einst zu diesem Lied inspirierte.

Besame Mucho

Diese Perle der Musik wurde bereits unzählige Male interpretiert und in mehr als 20 Sprachen übersetzt. "Besame Mucho" stammt aus der Feder der 2005 verstorbenen mexikanischen Musikerin Consuelo Velázquez. Das Lied, welches ihr Leben auf immer verändern sollte, schrieb sie bereits 1941. In der Weise wie von Lyambiko gesungen, bekommt es eine weitere neue Klangfarbe.

Immer weiter

Wie zum Mitschnipsen erfunden, klingt "On & On". Ursprünglich ein Song von Erica Abi Wright, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Erykah Badu. Lyambiko hat den Soul des Originals von den poppigen Akzenten befreit und in die, ihr eigene Form gebracht. Mit jazzigen Elementen verziert, bekam er neuen Charme. Der Text stammt von Erykah Badus erster Single und war Teil eines Experiments, der US-Amerikanischen Soulsängerin, bei dem sie sich inkognito an eine Straßenecke gesetzt hatte um zu musizieren. Nach 45 Minuten Performance, bei der ihre Identität längst aufgeflogen war, hatte sie genau drei Dollar und sechs Dimes eingenommen.

Frühlingsgefühle

Wie eingangs erwähnt, befinden sich insgesamt 14 Lieder auf Muse. An "Horacio" arbeitete Lyambiko gemeinsam mit Fumi Udo und "Spring" ist ihr ganz persönliches Stück. Eine Ode an den Frühling mit all seinen Farben, Düften und der damit verbundenen Lebensenergie. Die Melodie erinnert an einen übermütigen Schmetterling, der bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen von Blüte zu Blüte schwebt und vor Freude kaum zu bremsen ist. Frühlingsgefühle - die kennt wohl jeder in der einen oder anderen Form. "Spring is the most wonderful time of year!", singt Lyambiko und hat damit völlig Recht. Am 30. Januar läutet Lyambiko mit "Muse" den Vorfrühling ein.

Empathie für weibliche Musik

Einfühlsame Melodien, schöne Texte und die empathische Begegnung mit musikschaffenden Frauen unterschiedlicher Epochen, zeichnen das neue Album aus. Vielleicht sollte erwähnt werden, dass die Musik nicht ganz so freistehend und losgelöst von Schubladen oder Genres klingt, wie anfangs beschrieben. Lyambiko hat sich diesbezüglich nicht sehr weit von ihren Ursprüngen entfernt. Sie ist eine Vollblut-Jazzmusikerin und wird in Begleitung der klassischen Instrumenten Bass, Piano und Schlagzeug nicht plötzlich nach Pop oder Electro klingen.

Das macht aber auch nichts, denn irgendwie ist es ihr eigener Sound, mit dem man als Fan vertraut ist. Vertraut wie mit einer guten Freundin und bei der freut man sich auch immer wieder Neuigkeiten zu hören.

Lyambiko - Muse - Tracklist:
01. Muse (Text & Musik: Fumi Udo)  
02. I Went To Heaven (Musik & Text: Julia Hülsmann, Emily Dickinson)
03. Landslide (Text & Musik: Stevie Nicks)
04. Willow Weep For Me (Text & Musik: Ann Ronell)
05. Do You Remember me (Text & Musik: Jill Scott, Andre Harris)
06. Can’t We Be Friends ( Text & Musik: Kay Swift, Paul James)
07. Besame Mucho (Text & Musik: Consuelo Velázquez)
08. Goodbye Pork Pie Hat (Text & Musik: Charles Mingus, Joni Mitchell)
09. Horacio (Text & Musik: Lyambiko, Fumi Udo)
10. On & On (Text & Musik: Erica Wright, Jahmal D. Cantero)
11. Spring (Text & Musik: Lyambiko)
12. Looking For Love (Musik & Text: Aki Takase, Mitsuharu Kaneko)
13. Exit Ahead (Text & Musik: Gabriela Krapf)
14. And How I Hoped For Your Love (Text & Musik: Abbey Lincoln)



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